Im Steinzeitdorf:

Ein Dolch lässt neue Schlüsse zu

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Der gefundene Dolch lässt einige Schlüsse auf das Handelsnetz der Steinzeitsiedlung.

Landsberg – Beeindruckende Funde ziehen derzeit zahlreiche Forscher in den Landkreis: In der prähistorischen Siedlung Pestenacker – 2011 zum Unesco Weltkulturerbe erklärt – herrschen besondere Erhaltungsbedingungen.

Alles, was die Wissenschaftler finden, erfassen und erforschen, präsentieren sie jedes Jahr in einer eigenen Tagung. In diesem Jahr beschäftigten sich die Beteiligten vor allem mit Hölzern – aber auch ein Dolch lässt einige Schlüsse zu.

„Die prähistorische Siedlung Pestenacker und Unfriedshausen ist massiv in unser und das Welt-Interesse gerückt seit sie zur Welterbestätte erklärt wurde“, erklärt Prof. Sebastian Sommer vom Landesamt für Denkmalpflege. Hintergrund für die Forschungen und die jährliche Tagung der Wissenschaftler seien die besonderen Bedingungen der Siedlung: Durch den feuchten Boden seien viele Dinge erhalten, die es in ähnlichen Siedlungen nicht gebe. „Es ist ungeheuer viel erhalten und genau das macht diese Siedlungen aus“, sagt Sommer.

Insbesondere über die Hölzer können die Funde genau datiert werden. Dendrochronologen konnten anhand von Baumringmessungen exakte Jahresdaten festlegen. Man geht von einem Holzeinschlag für die Siedlungsgründung ab dem Winter 3497 vor Christus aus. „Durch die Dendrochronologie können wir das damalige Leben richtig dynamisch erkennen“, so Sommer. Es lasse sich beispielsweise feststellen, dass in den Siedlungen ständig gebaut worden sei.

In Pestenacker lasse sich besonders viel erforschen. In den Bodenschichten sei etwa auch Mist konserviert worden, welcher auf das Vieh und indirekt auch auf die Ernährung der Menschen damals schließen lasse, sagt Prof. Sommer. Besonders beeindruckend sei auch der kürzliche Fund eines aus Norditalien stammenden Dolches. Dieser beweise einen regen Feuersteinhandel – auch Pestenacker und Unfriedshausen gehörten zu diesem weitläufigen Handelsnetz. Das Ziel sei es nun, möglichst viele der Erkenntnisse und der erforschten Aspekte für Präsentationen für die Öffentlichkeit zu verwenden. „Da sind wir mittendrin“, meint Sommer.

„Durch die Erklärung zum Weltkulturerbe müssen wir uns um die Erforschung und Veröffentlichung kümmern“, betont Dr. Matthias Exner vom Landesamt für Denkmalpflege. Man müsse jetzt die Ziele für 2014 abstecken und neue Konzepte erarbeiten. „Neben dem wissenschaftlichen Gleis wollen wir auch Wege für die Vermittlung an die Öffentlichkeit finden.“ Deswegen habe auch der Landkreis eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

In der archäologisch-touristischen Studie wird abgewogen, wie man die Siedlung präsentieren kann und welche Mittel benötigt werden. Im ersten Quartal des nächsten Jahres erwarte Kreiskämmerer Jürgen Felbinger die fertige Machbarkeitsstudie. „Wir warten jetzt das Konzept ab“, so Felbinger, „Leider reduziert es sich aber auf das Geld.“

Derzeit werde nämlich das Museum an der Welterbestätte von einem Förderverein ehrenamtlich betrieben. „Dieser wird aber im investiven Bereich überfordert sein“, meint Felbinger. Der Landkreis habe sich zu einer Trägerschaft noch nicht geäußert, Felbinger erwarte aber im kommenden Jahr eine Entscheidung der Kreisgremien. Auch müsse man darauf achten, die Siedlungen durch den erhofften Zuwachs an Besuchern nicht zu gefährden, erklärt Prof. Sebastian Sommer. „Wir müssen die Erkenntnisse so präsentieren, dass der Geist des Ortes auch zum Sprechen kommt.“

Janina Bauch

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