Landsberger Kultursommer 2021

Fotoworkshop im Landsberger Frauenwald: neue Perspektiven

 Der Foto-Workshop im Rahmen der „Holzwege“
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Neues ausprobieren auf dem Industriebrache-Spielplatz: Der Foto-Workshop im Rahmen der „Holzwege“ führte Jugendliche und Fotograf Noah Cohen (vorne) in den Frauenwald.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Verfallene Gebäude haben Charme. Das gilt insbesondere für Industriebauten – zum Beispiel die Gebäude der ehemaligen Nitrozellulosefabrik im Frauenwald. Leere Fenster, ein Bodenbelag aus Scherben, Löcher in den Decken und ein Dach, das sich die Natur (und auch einige Jugendliche) zurückerobert hat. Die ideale Kulisse für außergewöhnliche Visionen. Gesagt, getan: Einer der sechs Workshops, die das Format „Holzwege“ im Rahmen des Landsberger Kultursommers 2021 anbietet, hat Jugendliche mit einem Fotografen aufs Areal geschickt. Um auszuprobieren, was Fotografie alles kann.

Fotoworkshop mit Noah Cohen im Frauenwald

Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner
Fotoworkshop Frauenwald mit Cohen
Neun Jugendliche haben beim Foto-Workshop mit Noah Cohen die Industrieruinen im Frauenwald erkundet. © Greiner

Die Schritte von neun Jugendlichen knirschen auf den Tonscherben im Nitiergebäude, einem der markantesten der Anlage. Von den über 130 Bauten stehen nur noch rund 30, drei davon unter Denkmalschutz. Das hier gehört nicht dazu.

Mit dabei ist Fotograf Noah Cohen aus Dettenschwang. Die Theorie haben die 17- bis 19-Jährigen schon am Tag vorher gepaukt. Obwohl ‚gepaukt‘ nicht das richtige Wort ist. „Ich habe ihnen Infos zum Bildaufbau gegeben. Darüber, wie man Perspektivenwechsel einsetzen kann, praktische Übungen“, sagt der 65-jährige Cohen. Und weil alle ausnahmslos mit ihren Smartphones fotografieren, hat Cohen auch die zum Thema gehabt: Was können Smartphones? Und wie kann man diese ‚Skills‘ an einem ‚Lost Place‘ wie hier am besten einsetzen? Die Workshop-Dauer von zwei Tagen sei zu kurz, um den Jugendlichen den Umgang mit einer Kamera zu zeigen, sagt Cohen. Dann doch lieber mit den Mitteln, die da sind – und die die Teilnehmer auch nach dem Kurs noch haben werden.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte durch Stadtheimatpfleger Werner Fees-Buchecker – die fertig gebaute, aber nie in Betrieb genommene Rüstungsfabrik aus der NS-Zeit – schwärmen die Teilnehmer in Gruppen aus. Ihre Aufgabe: sich gegenseitig fotografieren, in Verbindung mit dem Gebäude. Es geht um Inszenierungen, im Gegenlicht, unten, oben, im Bild eine Geschichte erzählen. „Sie sollen sich etwas überlegen und dabei auch etwas entdecken, nicht nur die – wirklich gute – Graffiti fotografieren“, wünscht sich Cohen. Er hat das Fotografieren von der Pike auf gelernt, in schwarzweiß und mit Dunkelkammer als Pressefotograf. „Ich weiß, wohin ich mit einem Bild will“, sagt er. Wenn man 150 Filter über ein Bild lege, wisse man das nicht mehr. Natürlich hat auch der frühere Elektroingenieur aufs Digitale umgestellt. Aber er verfolgt die Devise, dass die Technik dem Bild hilft, nicht das Bild bestimmt.

Horrorfilm-Kulisse

Zwei Jugendliche inszenieren einen Kampf im Fensterrahmen, die anderen versuchen, die Szene einzufangen. Cohen rückt hier den Arm des Fotografierenden einen Zentimeter nach links, dort stellt er einen Jugendlichen gleich an einen ganz anderen Platz – Learning bei Doing, selbst erkennen, warum es so besser ist. Bald schon haben die Jugendlichen auch das zweite Stockwerk entdeckt. Die Löcher in der Decke für die früheren Rührwerke sind verlockend. „Ein Horrorfilm-Gelände“, urteilt einer der Teilnehmer. Wenn die Monster durch die Lücken grinsen.

Ein paar Jugendliche sind anfangs nur Mitläufer, andere lassen ihre Fantasie sprießen. Ein 19-Jähriger bietet sich als Motiv im Fensterrahmen an, mit Hut. „Das ist gut hier, wir lernen was Neues, können etwas ausprobieren“, sagt er. Das sei auf jeden Fall ein Anreiz, um da weiterzumachen.

Die Jugendlichen sind auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz innerhalb des Projekts Berufsvorbereitende Bildung (BvB) in Landsberg (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft). Dass sie den Workshop machen, liegt „an der Frechheit einer Sozialpädagogin“, sagt Projektleiterin Judith Schmid und lacht. Sie habe beim Kultursommer einfach angefragt, ob sie mit den noch nicht vermittelten Teilnehmer mitmachen dürfe. Der Vorsitzende des „Holzwege“-organisierenden Vereins „Kunst hält Wache“ Franz Hartmann fragte Cohen – und so konnte der ‚sozialpädagogische Vertrauenstag‘ in Form des Workshops im Frauenwald stattfinden.

Denn normalerweise mache man am Anfang des Projekts eine dreitägige Freizeit, sagt Schmid. Die sei dieses Jahr wegen Corona ausgefallen, der Workshop war der Ersatz. Offensichtlich ein gelungener. Nach eineinhalb Stunden hat jeder sein Handy in der Hand und sucht nach der ganz besonderen Kulisse. Um eigene Ideen zu verewigen. Zumindest bis zum Löschen der Datei.

Noch mehr Workshops

Wer Interesse an einem kostenlosen Workshop für Jugendliche hat: Information unter www.kunst-haelt-wache.de/holzwege-workshops-programm 

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