Wie bei Mendelssohns

Zehn Jahre "Kammermusik im Bibliothekssaal"

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Seit zehn Jahren lockt die „Kammermusik im Bibliothekssaal“ Besucher in Landsbergs ehemaliges Jesuitenkolleg. Organisator und künstlerischer Leiter Franz Lichtenstern (rechts) war von Anfang an und bei jedem Konzert dabei. Am Sonntag musizierten mit ihm unter anderen Katja Lämmermann, Ava de Araujo Madueira, Cornelius Mayer und Dorothea Galler (von links).

Landsberg – Vor zehn Jahren, am 29. März 2009, stand im Bibliothekssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs erstmals Franz Lichtenstern mit einigen seiner Kollegen aus dem Orchester des Gärtnerplatztheaters vor Zuhörern – damals rund 20. Heute sind die Konzerte ausverkauft, manch Besucher muss wieder gehen. So auch beim Jubiläumskonzert „Aus kurzen Leben“ am vergangenen Sonntagabend.

„Ich war bei allen Konzerten“, bestätigt Lichtenstern. Und wenn er in die Runde blickt, erkennt er einige, die ihn begleitet haben. Er erinnere sich an musikalische Höhepunkte – und auch weniger hohe: „Es wäre ja auch unerträglich, wenn immer alles perfekt wäre.“ Das Jubiläums-Programm, das sich Lichtenstern ausgedacht hat, verspricht Kompositionen von Musikern, die früh gestorben sind. Wie beispielsweise Mozart, mit 35 dahingeschieden an „hitzigem Frieselfieber“. Von ihm spielen die Musiker das C-Dur-Streichquintett. Musik passend zum Frühlingswetter, leicht, unbeschwert – und gleichzeitig exorbitant schwer. „Damit das so leicht klingt, muss alles perfekt sein. Nein, mehr als perfekt“, beschreibt Lichtenstern. Die Musiker sind offensichtlich mehr als perfekt: Angefangen mit dem aufsteigenden Dreiklang im ersten Satz, untermalt von schwingenden Vierteln, – das Thema wird das gesamte Stück durchziehen –, bis hin zum wirbelnden Allegro mit der Illusion zwitschernder Vogelstimmen. Das Quintett sprüht nur so vor Leichtigkeit.

An zweiter Stelle steht die sinfonische Dichtung von Smetana-Verehrer Joseph Miroslav Weber (er starb mit 52), „Aus meinem Leben“. Eine Bilder malende viersätzige Komposition, die von den Ufern der Moldau – in quirligen Wasseranalogien – bis zu den „getäuschten Hoffnungen“ des Schlusssatzes reicht. Höhepunkt und Hochgenuss ist Mendelssohns komplexes Streichquintett in A-Dur, das der Komponist mit 17 Jahren schrieb. Wobei der zweite Satz, das Intermezzo, sechs Jahre später entstand, als Nachruf auf seinen Jugendfreund Eduard Rietz: ein Totenlied samt einkomponierten Seufzern.

Bei den Mendelssohns wurde sonntags musiziert, auch gerne mit Prominenz wie Paganini oder Liszt. Die Konzerte fanden zwar nicht in einer Bibliothek, sondern im Gartenhaus statt. Aber wenn damals die Journalisten von einem „künstlerischen Fest seltenster Art“ sprachen, dann zögern wir nicht, diese Bezeichnung eins zu eins auf die Konzerte im Bibliothekssaal zu übertragen. Danke an Lichtenstern und Kollegen für zehn reiche Jahre.

Susanne greiner

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