Franz Moor trifft Captain Kirk

Was haben Wallenstein, die Brüder Moor, Johanna von Orléans, Mr. Spock und der „Pate“ gemeinsam? Sie alle lassen sich mühelos in „Schillers gesammelten Werken“ unterbringen, wie die Münchener Tollhaus Theater Compagnie am Mittwochabend im Stadttheater bewies.

Mit diesem Abend eröffnete das Landsberger Stadttheater die neue Reihe „Amateure zu Gast in Landsberg“, um, wie Theaterleiter Florian Werner erklärte, qualitativ hochwertigen Amateurgruppen die Möglichkeit zu geben, in einem geeigneten Rahmen auftreten zu können. Die Tollhaus Theater Compagnie ist eine freie Theatergruppe aus München, die seit 1984 besteht und in ihrem Hauptspielort, der Pasinger Fabrik, pro Jahr ein bis zwei Inszenierungen aus dem Spektrum von zeitgenössisch bis klassisch zur Aufführung bringt. Mit „Schillers sämtliche Werke – leicht gekürzt“ von Michael Ehnert bieten die vier Akteure Christian Auras, Daniel Kupp, Hans Schlicht und Anton Demarczyk einen rasanten Parcours durch das Dramenwerk Friedrich Schillers, des „Quentin Tarrantino unter den Klassikern“. In chronologischer Folge betreten die Räuber, Fiesco und Luise Millerin die Bühne, angereichert mit biografischen Details aus dem Leben des großen Dichters. Zu pädagogisch? Weit gefehlt. Denn wie in einem Kaleidoskop verschiebt sich der Blickwinkel, aus Wallenstein wird Adolf Hitler, der Präsidenten aus „Kabale und Liebe“ mutiert zum „Paten“, Indiana Jones sucht nach dem echten Schiller-Schädel. Brüche im Raum-Zeit-Kontinuum werden ausgeglichen durch die Star-Trek-Besatzung, der Rütli-Schwur wird durch ein Kuhglockenspiel untermalt, August Wilhelm Iffland sucht einen Anwärter für seinen legendären Ring. Mehr als Comedy Doch bei allem Klamauk ist dieses Stück nicht „nur“ Comedy. Die vier Schauspieler jonglieren gekonnt mit Komik, Ironie und auch ernster Schau- spielkunst, Schiller wird nicht vorgeführt, sondern ernst genommen und in einen neuen Kontext gestellt, die unsterbliche Schönheit seiner Werke mit neuer Frische präsentiert. Mit Wiedererkennungswert und „Aha-Effekt“. Wenn auch die Idee dieses Stücks nicht neu ist (Ähnlichkeiten mit „Shakespeares gesammelte Werke – leicht gekürzt“ sind ganz und gar nicht zufällig), so überzeugt es durch ein dichtes Konzept mit mehr Substanz, und großartig dargeboten durch das Quartett der Tollhaus Theater Compagnie.

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