Im Frauenwald ist Platz für Edeka – "Fluch der guten Tat""

Klare Abfuhr für ein mögliches Edeka-Logistikcenter zwischen Kaufering und Landsberg: Mit 21:6 Stimmen hat sich der Stadtrat am Mittwoch gegen das Projekt ausgesprochen – in erster Linie aus städtebaulichen Gründen. Zudem lehnte das Plenum ein von BAL und UBV beantragtes Ratsbegehren ab. Das Thema ist damit aber noch nicht vom Tisch, denn OB Ingo Lehmann (SPD) erhielt den Auftrag, Edeka ein rund 20 Hektar großes Areal im Frauenwald als neuen Standort anzubieten.

Für die Edeka-Oberen wird die Offerte aus der Lechstadt nicht neu sein. Beim ersten Anlauf des Vollsortimenters, ein Logistikzentrum im Landkreis Landsberg anzusiedeln, war eben das Industrie- und Gewerbepark Frauenwald im Gespräch. „Damals“, so erläuterte OB Lehmann auf Nachfrage von Grünen-Chef Ludwig Hartmann, „ging Edeka von anderen Größenordnungen aus und die gab der Bebauungsplan nicht her.“ Fluch der guten Tat Letzteres wird sich ändern, denn bereits im Herbst vergangenen Jahres hat der Stadtrat „höchstvorsorglich“ eine Änderung des B-Planes im „Quartier 1“, südlich Klausner Holz Bayern, beschlossen. Somit stehen dort nach Abschluss des Verfahrens 20 größtenteils gerodete Hektar Gewerbeflä- che zur Verfügung. Und das würde für die von Kauferings Bürgermeister Dr. Klaus Bühler (UBV) in Absprache mit Edeka ausgearbeitete „kleine Lösung“ (19 Hektar) ausreichen. Vom „Fluch der guten Tat“ sprach Dr. Reinhard Steuer (UBV) in diesem Zusammenhang. Naturgemäß warfen sich die Unabhängigen ordentlich ins Zeug für das Logistikzentrum südlich von Kaufering. Das Landsberger „Nein“ vor Augen, beschwörte Dr. Steuer seine Ratskollegen, sie mögen doch die 130-Millionen-Euro-Investition nicht „leichtfertig aufs Spiel setzen“. Seiner Ansicht nach stehe über Edeka im Frauenwald noch ein großes Fragezeichen, weil das Baurecht dafür noch nicht geschaffen sei. „Sollte da etwas schiefgehen“, ergänzte UBV-Fraktionsvorsitzender Christoph Jell, „dann haben wir es geschafft, das Großprojekt endgültig aus dem Landkreis zu jagen.“ Sollte sich nun alles auf den Frauenwald konzentrieren, werde die UBV diesen Standort mittragen. Zu Beginn der Debatte im Stadtrat hatte OB Lehmann deutlich gemacht, dass die Edeka-Ansiedlung bei Kaufering „städtebaulich mehr als problematisch“ sei. Dies sah die Ratsmehrheit genauso. „Die CSU lehnt Edeka östlich der B17 ab“, sagte Fraktionschef Helmut Weber. Das Projekt gefährde die Kulturlandschaft am Schutzgebiet Lechtal-Nord und widerspreche dem Regionalplan. Mit Blick auf die zu erwartenden Arbeitsplätze, betonte Weber, dass die Christsozialen sehr wohl für Edeka seien – allerdings im Frauenwald. Kein Koloss an der B17 Der „Koloss“ Logistikzentrum zwischen Landsberg und Kaufering würde ein „Stück Lechtal unwiderruflich verschandeln“, hakte Ludwig Kaiser für die SPD nach. Er stellte weiterhin klar, dass ein Zusammenschmelzen der beiden Gemeinden nicht gewünscht sei, das Trenngrün müsse erhalten bleiben. Außerdem wäre es „kontraproduktiv“, neuen Lkw-Verkehr auf die B17 zu ziehen, wo man doch Jahrzehnte lang für eine Entlastung durch die B17neu gekämpft habe. Weil es fatal wäre, Arbeitsplätze zu verhindern, stimme die SPD für „Edeka im Zentrum des Landkreises“, wo die Infrastruktur schon vorhanden sei: im Frauenwald, südlich Klausner Holz Bayern. Zur Vorsicht mahnte Ruth Satzger für die Grünen, Vorsicht die Gewerbesteuer – „da vermisse ich konkrete Angaben“ – und die Zahl der Arbeitsplätze betreffend. Ohnehin habe sie mit den Ausmaßen des Logistikzentrums ihre Probleme. So will die Stadträtin nicht recht glauben, dass es im Endausbau „nur“ 25 Meter hoch werden soll. Einem großen Flächenverbrauch würden „verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze“ gegenüber stehen. Letztlich lehnte die Grünen das Edeka-Logistikzenturm grundsätzlich ab – im Frauenwald ebenso wie zwischen Landsberg und Kaufering. Der abschließende Kommentar von Oberbürgermeister Lehmann: „Treibende Kraft bei der Edeka-Ansiedlung sind nicht die Gewerbesteuereinnahmen, sondern die Arbeitsplätze.“

Meistgelesen

Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Dobrindt soll helfen
Dobrindt soll helfen

Kommentare