"Nicht über den Tisch ziehen lassen"

Freie Wähler scheitern mit Antrag auf Baustopp für Warmfreibad Greifenberg

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Das Warmfreibad in Greifenberg wird deutlich teurer, als zunächst angenommen. Gebaut werden soll es dennoch.

Landkreis – Das Warmbad Greifenberg kommt. Zumindest, wenn man die Entscheidung des Kreistags in der Sitzung am Dienstag vergangener Woche für die Einstellung der entsprechenden Mittel in den Haushalt 2020 betrachtet. Um den bereits beschlossenen Neubau doch noch zu stoppen, hatte Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch (FW) kurzfristig einen Antrag auf Baustopp gestellt. Grund dafür war die Kostensteigerung von den beim Ende 2018 gefassten Beschluss noch 7,18 Millionen Euro auf rund zehn Millionen Euro – zuzüglich der Kosten für den Abriss.

Vor allem in Anbetracht der zu erwartenden Schulden ab 2022 und einer vielleicht doch nicht immer so positiven Umlagekraft wie momentan „können wir uns diesen Bau nicht guten Gewissens leisten“, betonte Kirsch. Momentan liege der Kostenplan inklusive des Abrisses bei zwölf Millionen Euro. Wenn man diese freiwillige Leistung erbringe, müsse man auch die Konsequenzen bedenken. „Dann müssen wir auch andere Bäder übernehmen“, mahnte Kirsch, beispielsweise Kaufering. Baden könne man auch im Ammersee. Und zwar umsonst.

Peter Wittmaack (SPD) sprach sich für den Bau aus: „Wir können es uns nicht leisten, das Bad nicht zu bauen.“ Immer weniger Kinder lernten schwimmen, das gelte es zu verhindern. Zudem sei das Bad ein Plus für Familien, die sich Urlaube nicht leisten könnten. Schließlich sei das Bad auch Anreiz für Besucher: „Tourismus ist kein unerheblicher Wirtschaftszweig.“ Man könne doch eventuell mit dem privaten Investor auf einen Synergie-Effekt setzen. Auch Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann sprach sich generell für den Bau aus. Allerdings hakte er bei Landrat Thomas Eichinger nach, inwieweit denn Kontakt zu dem Investor des Fitness-Studios Hardy’s aufgenommen wurde. Seines Wissens nach sei das doch ein „großzügiges Angebot“. Parteikollegin Renate Standfest war der gleichen Meinung: Man solle sich nochmals mit dem möglichen Partner an einen Tisch setzen. Es gehe darum, sich ein reales Bild machen zu können. Und einen Vertrag mit dem Investor anzudenken. Bis das Gespräch mit dem Investor nicht stattgefunden habe, solle man den Haushaltsposten sperren.

Annunciata Foresti (ödp) ging nochmals auf die Bedeutung des Bades für den Landkreis ein. Sie frage sich zudem, wie der Investor sich die Gewinnerzielung vorstelle. Allerdings frage sie sich, warum der Investor eine Hotelanlage bauen könne für Gelder, mit denen der Landkreis die Sanierung nicht schaffe. Man solle die Kosten für die Sanierung nochmals genauer betrachten. Und das Grundstück, das der Investor kaufen wolle, vorerst im Landkreisbesitz belassen. Ihr Kollege Robert Sedlmayr regte gar an zu prüfen, ob eine maßvolle Sanierung des Bades nicht sinnvoller sei. Eine Idee, die bei Eichinger Belustigung auslöste.

Natürlich könne man dem Investor das Grundstück zu einem symbolischen Preis übergeben, schloss Landrat Eichinger. Das habe man ja bereits bei Kaufering getan – „ein Versuch, der kläglich gescheitert ist“. Ein Landkreis ziele, im Gegensatz zu einem Investor, bei einer solchen Institution nicht auf Gewinn ab. Entscheide man sich gegen Greifenberg, sei das eine Entscheidung gegen alle Bäder im Landkreis. Zudem liege ihm nur der Beschluss für den Neubau vor, nicht aber ein Antrag auf ein anderes Vorgehen wie den Einbezug eines Investors. Man solle sich nicht über den Tisch ziehen lassen von solch einem Angebot, dass zudem „just an diesem Tag“ komme.

Beim traditionellen Jahrespressegespräch tags darauf betonte der Landrat mit Blick auf die Erweiterungspläne der Hardy‘s-Betreiber, dass er diese nicht mit einem Hurra begleite. Grundstücksverkäufe dafür kämen ohnehin nicht infrage. Ohnehin stehe für hin der öffentliche Auftrag vorne an, deshalb habe das Bad „absolute Priorität“. Will heißen: Erst das Bad im kommenden Jahr sanieren, dann über weitere Maßnahmen im Umgriff sprechen – das gelte für Hardy‘s ebenso wie für den Tennisverein. Der erste Spatenstich für die Sanierung werde voraussichtlich im Februar erfolgen, kündigte Eichinger an, dabei geht es aber erst mal um den Abriss der alten Becken.

Trotz ständiger steigender Preise im Bausektor zeigte sich der Landrat im Kreistag überzeugt, dass man unter der bisherigen Kalkulation bleiben könne. Bei der namentlichen Abstimmung votierten 21 Kreisräte, vor allem aus den Reihen der Grünen und der ödp, für die Streichung der Mittel für die Bad-Sanierung. Sie wurden von 32 Kreisräten überstimmt.
Susanne Greiner/Toni Schwaiger

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