Bild lädt zum Erzählen ein

Freiluft-Kunst in Eresing

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Wer erzählt die beste Geschichte zu dem Bild „Mädchen mit Fackel und Löwe“ von Karl Witti? Der Künstler hat gemeinsam mit seiner Nachbarin Stefanie Merlin einen Schreibwettbewerb ausgerufen.

Eresing – Die Kultur liegt derzeit im Corona-Schlaf. Veranstaltungen sind abgesagt, Museen geschlossen. Doch der Eresinger Künstler Karl Witti hatte jetzt eine Idee, wie man trotzdem Kunst in die Öffentlichkeit bringen kann. Er hat eines seiner Bilder an die Fassade des Kracherhofs in der Kaspar-Ett-Straße gehängt. Wer Lust hat, kann sich zu dem Bild eine Geschichte einfallen lassen.

Der leerstehende Kracherhof ist eines der ortsbildprägenden Gebäude in Eresing. Hier kommen regelmäßig Spaziergänger und Radler vorbei. Neuerdings bleiben viele stehen und betrachten das Werk von Karl Witti, der als Zeichner, Kunst- und Theatermaler, Vertreter des Utopischen Realismus und Kulturpreisträger des Landkreises bekannt ist. „Mädchen mit Fackel und Löwe“ heißt das Bild, entstanden ist es 2004. Für die Freiluft-Präsentation hat der 73-Jährige eine überdimensionale, wetterfeste Version angefertigt. „Es soll was passieren in Zeiten von Corona, wo alles zu Hause sitzt“, sagt er.

Wittis Nachbarin Stefanie Merlin war gleich begeistert von der Idee und rief mit ihm zusammen einen Geschichten-Wettbewerb aus. „Jeder Betrachter ist aufgerufen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und eine Geschichte zum Bild zu schreiben. Was ist hier passiert? Was wird hier passieren?“ Die Geschichten können in einen bereitstehenden Karton oder in die Briefkästen der Hausnummern 2 und 6 geworfen werden. Merlin hat vor, in der Zeit nach Corona einen Abend zu organisieren („am liebsten am Lagerfeuer“), an dem alle Geschichten vorgelesen und die besten prämiert werden.

Geschichte aus Mailand

Bis dahin wird es vermutlich noch eine Weile dauern – es können also noch viele kreative Schreiber mitmachen, gerne auch Kinder. Übers Internet hat sich die Idee schon bis nach Italien herumgesprochen, dem Heimatland von Merlins Ehemann. „Wir haben bereits eine Einsendung aus Mailand“, berichtet die Eresingerin.

Unterdessen hat sich ein weiterer Eresinger Künstler mit einer Corona-Installation zu Wort gemeldet. Klaus Peter Wershofen möchte die großen Zahlen und den Begriff des exponentiellen Wachstums, von dem im Zusammenhang mit dem Virus täglich die Rede ist, greifbarer machen. Er hat sich deshalb ein virtuelles Experiment einfallen lassen. Das Ausgangsobjekt, das in den nächsten Tagen ebenfalls am Kracherhof ausgestellt werden soll, ist eine Holzbox mit acht Holzblöcken, die auf der Vorder- und Rückseite mit bemaltem Chinapapier überzogen sind.

„Die Holzblöcke ermöglichen die Erstellung von über zwei Milliarden individuellen Kompositionen“, erklärt Wershofen. Und genau das kann jeder im Internet ausprobieren. Unter www.wkp-corexp.tumblr.com kann man die Holzblöcke digital neu anordnen und seine Komposition dann mit Hilfe eines Screenshots auf Instagram posten. Anschließend soll der Link an zwei weitere Personen geschickt werden, die ebenfalls neue Kompositionen erstellen. „Bei einer Reproduktionsrate von zwei erhält man nach 30 Tagen über eine Milliarde Kompositionen“, hat der Künstler ausgerechnet. Die aktuelle Zahl soll jeweils über Instagram abrufbar sein.
Ulrike Osman

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