Unglück im Tiroler Stubaital

Freispruch für Landsberger Bergführer

Mutterberger Seespitze
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Die Mutterberger Seespitze in Tirol: In dem markierten Bereich ereignete sich das Unglück,für das sich ein Bergführer des DAV Landsberg vor Gericht verantworten musste.

Landsberg – Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen – so lautete die Anklage gegen den Bergführer vom Deutschen Alpenverein (DAV) Landsberg. Der 52-Jährige soll, so die Staatsanwaltschaft, verantwortlich für den Tod eines 50-jährigen Tourenteilnehmers aus Landsberg sein. Von diesem Vorwurf hat ihn das Landgericht Innsbruck am Freitag nun freigesprochen. Der Angeklagte habe nicht gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen, urteilte der Richter Norbert Hofer.

In dem Prozess ging es um den tödlichen Unfall, der sich im September des vergangenen Jahres an der Mutterberger Seespitze im Tiroler Stubaital ereignet hatte – zeitgleich mit der Feier zum 90-Jährigen Bestehen der Landsberger Hütte (der KREISBOTE berichtete). Der 52-Jährige hatte eine Gruppe von vier deutschen Bergsteigern auf den 3.305 Meter hohen Berg geführt. Es war beim Abstieg, als das Unglück passierte.

Etwa 30 Meter unter dem Gipfel der Mutterberger Seespitze, an einer kurzen, ausgesetzten Kletterpassage, verlor ein Tourenteilnehmer den Halt, als sich plötzlich ein Felsgriff löste. Der 50-Jährige Landsberger stürzte über eine Steilrinne ab und war sofort tot. Die Gruppe musste mit dem Polizeihubschrauber geborgen werden.

In dem Prozess ging es nun um die Frage, ob der Bergführer des DAV Landsberg an besagter Kletterpassage fahrlässig gehandelt habe. Die Tragödie, argumentierte der Staatsanwalt nach einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“, wäre durch eine Seilsicherung zu verhindern gewesen. Zumal sich sogar ein Bohrhaken an der Unglücksstelle befand.

Der Bergführer hatte 1996 beim DAV die Ausbildung zum Hochtourenführer gemacht. Er war seitdem immer wieder als ehrenamtlicher Führer tätig, war jedoch kein staatlich geprüfter Bergführer. Im Prozess erklärte er, dass es sich bei seiner Gruppe um vier erfahrene Bergsteiger gehandelt habe. „Die wussten, was sie taten“, sagte er. „Sie wussten auch, dass ich jederzeit bereit war, sie mit dem Seil zu sichern.“

Der Bergführer betonte, dass er die Tour sorgfältig geplant und die Teilnehmer nach deren Erfahrungen am Berg befragt habe. Beim Abstieg war er als Erster über die spätere Unglücksstelle geklettert. Er habe diese Stelle nicht als besonders schwierig eingeschätzt, sagte der 52-Jährige. Einen an der Stelle eingebohrten Sicherheitsanker habe er nicht gesehen. „Hätte ich ihn gesehen, hätte sich für mich aber nichts geändert“, sagte er. „Es war für mich überhaupt kein Thema, an dieser Stelle zu sichern.“

Rückendeckung erhielt der Bergführer von zwei weiteren Teilnehmern der Tour, die als Zeugen geladen waren. Beide bestätigten die Einschätzung des Bergführers. Sie beschrieben ihn zudem als äußerst umsichtigen und besonnenen Bergführer: „Er hat auf uns geschaut wie ein Papa in den Bergen.“

Auch Richter Norbert Hofer, selbst ein erfahrener Bergsteiger, sah kein Fehlverhalten vonseiten des Angeklagten. „Die Absturzstelle war für alle Teilnehmer bewältigbar, das Risiko für jeden erkennbar, der seilfreie Abstieg in der Gruppe zumutbar“, begründete der Richter den Freispruch.

Als Hochtourenführer schulde man den Teilnehmern nicht absolute Sicherheit, sondern nur sorgfältig vorzugehen, so Hofer weiter. „Das Opfer hatte Pech, dass ihm ein Griff abgebrochen ist.“ Ein Restrisiko sei aber im Bergsport einfach nicht vermeidbar.

Beatrice Ossberger und Thomas Hörmann

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