Wo Fremde immer Fremde bleiben

Rainer Richard, Erster Hauptkommissar beim Polizeipräsidium München, überschritt in der Johann-Winklhofer-Realschule mit seinem Vortrag „Nur ein Mausklick bis zum Grauen“ die Grenze des Erträglichen. Foto: Kruse

es Vortrags von Rainer Richard gewarnt. Der Rektor der Johann-Winklhofer-Realschule behielt Recht: Was Internetfahnder Richard an Bildmaterial mitgebracht hatte, überschritt deutlich die Grenze des Erträglichen. Der Erste Hauptkommissar beim Polizeipräsidiums München lieferte allein damit einen eindrucksvollen Beleg für den Titel seines Vortrages: „Nur ein Mausklick bis zum Grauen“.

Was sich zunächst überzogen anhören mochte, sorgte dann nach dem zweieinhalbstündigen Vortrag für ein offensichtlich mulmiges Gefühl bei manchen der Eltern. Schon vorab schwante ihnen, dass sie wohl nicht so ganz genau wissen, was ihre Kinder im Netz so treiben und was ihnen dabei widerfährt. Deutlich wird das beim Thema Chat: Fünf Prozent der Eltern haben die Echtzeitunterhaltung schon einmal genutzt – bei ihren Sprösslingen sind es 80 Prozent. Gerade dabei komme es immer wieder vor, dass Kinder von Sexualstraftätern, die teilweise mit verdeckter Identität auftreten, angesprochen werden; oder auch zu Treffen überredet werden sollen. Rainer Richard rät allen Eltern dringend, mit ihrem Nachwuchs über das Thema zu sprechen. „Die Kinder haben Angst vor Konsequenzen, es ist ihnen auch peinlich. Und die Eltern wissen überhaupt nicht, was ihren Kindern da passiert. Schaffen Sie ein Vertrauensverhältnis. Erklären Sie ihnen, dass Fremde im Chat Fremde bleiben, egal wie lange man mit ihnen zu tun hat.“ Falls es tatsächlich zu Belästigungen kommt, solle man nicht zögern, einen Screenshot der Unterhaltung zu erstellen und damit sofort zur Polizei zu gehen. „Wenn wir dann noch Datum und Uhrzeit haben, finden wir denjenigen in der Regel schnell.“ Praktische Ratschläge Neben vielen erschreckenden Beispielen und Zahlen aus den Bereichen Betrug, Illegale Downloads und Cybermobbing hatte Richard aber auch praktische Ratschläge für die Eltern parat. Etwa zum sensiblen Umgang mit persönlichen Daten. Kinder sollten Namen, Anschrift, Telefonnummern nicht herausgeben, keine Bilder von sich veröffentlichen und möglichst in sozialen Netzwerken keine Profile ausfüllen. Bei der Anmeldung in Facebook sollte der „friendfinder“ auf keinen Fall verwendet werden. Die Privatsphäre-Einstellungen sollten so restriktiv wie möglich gesetzt werden. Von Facebook fernzubleiben, hält Richard für einen nicht praktikablen Weg: „Mehr als 80 Prozent der über 14-Jährigen sind da angemeldet. Da werden Sie keine Chance haben, ihr Kind davon zu überzeugen, dass es da nicht hingehen soll.“ „Wenn ein Kind sich partout mit einer Internetbekanntschaft treffen will, gehört ein Erwachsener dazu“, rät Richard. Weiterhin sollten Eltern Regeln festlegen und auch durchsetzen: „Vereinbaren Sie Surfzeiten, Verhaltensregeln für kritische Situationen. Der Computer sollte auch nicht da stehen, wo er meistens steht – im Kinderzimmer. Er sollte in Ihrem Sichtbereich sein.“ Generell gelte: „Kinder brauchen persönliche Zuwendung.“ Die Eltern selbst benötigen dringend technische Vorkehrungen und müssen ihre Kinder zur Medienkompetenz erziehen.“ Gute Adressen Auch einige Internetadressen, unter denen nach kindgerechten Inhalten gesucht werden kann, hatte der Fahnder dabei: www.schau-hin.info für Zehn- bis Zwölfjährige, www.klick-tipps.net für Zwölf- bis 14-Jährige) und www.checked4you.de für über 14-Jährige. Unter www.parents-friend.de lässt sich zudem eine kostenlose Software herunterladen, die es ermöglicht, Betriebszeiten am PC einzustellen, Surfzeiten zu limitieren, bestimmte Seiten oder Themenbereiche zu blockieren und sogar ein Protokoll der Tastatureingaben anzufertigen zu lassen – was dann allerdings deutlich in die Privatsphäre des Kindes eingreift.

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