Sweet Sixties in Winterthur

Eidgenossen in Wallung

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„Steht mal bitte auf und streckt die Arme in die Höh‘!“ Chorleiter Charles B. Logan und die „Sweet Sixties“ wussten beim ersten Auslandskonzert in Winterthur zu begeistern.

Landsberg/Winterthur – Es war der erste Auslandsauftritt der „Sweet Sixties“ – aber bestimmt nicht ihr letzter: Das Friedenskonzert des Landsberger Gospel-Chors führte die gut 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Charles B. Logan ins schweizerische Winterthur. Am Klavier unterstützt wurden sie einmal mehr durch den Pianisten Johannes Wiese, der den Chor bereits seit 2008 musikalisch begleitet.

Das Rahmenprogramm und die Betreuung der Landsberger Choristen hatten die Schweizer Initiatoren, Freunde eines Chormitgliedes, organisiert. Sie begrüßten die Landsberger mit einem herzlichen Empfang in einer altehrwürdigen Villa, brachten ihnen in einer kleinen Stadtführung Winterthur näher und verwöhnten sie vor und nach dem Konzert mit landestypischen kulinarischen Spezialitäten.

Die Zuschauer, die an dem eher trüben Nachmittag den Weg in die reformierte Kirche Seen fanden, wurden reich belohnt: Mit einem abwechslungsreichen Programm, dessen mitreißender Wirkung sich kein Besucher entziehen konnte. Das Klischee des distanzierten Schweizers, der nur schwer aus sich herausgeht, wurde an diesem Samstagnachmittag jedenfalls schnell widerlegt.

Zu verdanken war dies der Stimmgewalt der „Sweet Sixties“, die – daher der Name – mindestens 60 Jahre alt sein müssen, um überhaupt im Chor mitsingen zu können. Das älteste aktive Mitglied singt im Tenor – mit fast 90. Dass Logan es immer wieder schafft, seinen Sängern Höchstleistungen zu entlocken, liegt vielleicht auch daran, dass der gebürtige New Yorker eine Botschaft hat: „Let there be peace on earth“. Das war nicht nur ein Titel im Konzertprogramm, sondern auch das Motto, das sich wie ein Roter Faden durch den Nachmittag zog. „Krieg ist nicht die Natur des Menschen“, betonte Logan in seiner Moderation und scheute sich auch nicht, das Weihnachtslied „Listen children hear the angels sing“ ins Programm aufzunehmen: „Warum sollte man die Engel nur an Weihnachten hören?“

Dass der Chorleiter nicht nur von seinen Choristen vollen Einsatz erwartet, sondern auch selbst an seine Grenzen geht, zeigten die Solo-Passagen, etwa bei „Wade in the water“, beim Klassiker „Amazing Grace“ oder bei „The Lords Prayer“, einem Lied, das etwa unserem„Vater unser“ entspricht. Mit seiner Kindheit verknüpft ist für den Afroamerikaner Logan die Erinnerung an die Protestbewegung in den USA der sechziger Jahre. „We shall overcome“, die Hymne der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, durfte deshalb im Programm nicht fehlen. Den Protestsong baute der Chor in einem eindrucksvollen Steigungsbogen auf – bis zum vierstimmigen Finale.

Mit Lockerungsübungen läutete Logan den Schlussteil des Konzerts ein: „Tut mir einen Gefallen und steht mal bitte auf“. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und reckte und streckte sich, bevor sich die „Sweet Sixties“ mit zwei Stücken aus dem Film „Sister Act“ in die Ziel­gerade sangen: „MyGod“ und „I will follow him“ ließen die Schlussszene der US-Komödie mit Whoopi Goldberg Revue passieren.

Dass es nicht beim offiziellen Schlusslied „Every Praise“ bleiben würde, war spätestens dann klar, als das Schweizer Publikum mit Stakkato-Applaus Zugaben einforderte. Mit dem Liebeslied „The Rose“ versetzten die „Sweet Sixties“ ihr Publikum in romantische Stimmung, bevor sie mit den beiden Gospel-Klassikern „O happy day“ und „Amen“ unter dem anhaltenden Applaus der begeisterten Zuschauer die Schweizer Bühne verließen.

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