Wohneigentum für den Mittelstand

Frist für Prix-Bewerbungen in Schondorf bis 6. Juli verlängert

+
Während Schondorf die „sozialverträglichen Wohnungen“ auf dem Prix-Gelände ohne große Werbung anbietet, trommelt Wüstenrot mit Großplakaten und Info-Container.

Schondorf – „Stell dir vor, es gibt günstiges Wohneigentum und kaum einer weiß es …“ So in etwa könnte man die Verwunderung der Schondorfer Gemeinderäte über den unspektakulären Vergabe-Start des Prix-Sonderkontingents zusammenfassen. Wie mehrfach berichtet, werden 30 Prozent der auf dem ehemaligen Fabrikgelände zwischen Schul- und Ringstraße entstehenden Häuser und Wohnungen „an die ortsverbundene Bevölkerung mit besonderem Bedarf“ vergeben.

Gemeinderat Rainer Jünger (CSU) drückte es in der aktuellen Sitzung so aus: „Da haben wir jahrelang an diesem wichtigen Projekt rumgedoktert und uns mit den 30 Prozent für Einheimische gerühmt. Da sollten wir für die Vergabe alle Informationskanäle nützen und nicht unter Radar starten.“ Ratskollege Wolfgang Schraml (FWS) fand die ursprünglich angesetzte Bewerbungsfrist samt Verlängerung für zu kurz und plädierte für einen Informationsflyer an alle Haushalte der Gemeinde. Auch Vize-Bürgermeister Martin Wagner (CSU), der als Vertretung von Alexander Herrmann die Sitzung leitete, zeigte sich „als Gemeinderat“ überrascht, dass an Pfingsten mit der Vergabe über die Gemeinde-Webseite und einem Anschreiben an 130 Interes­senten quasi stillschweigend gestartet wurde. Und noch dazu ohne Preis, der erst später auf der Webseite ergänzt wurde. Wagner habe inzwischen wenigstens die Schaukästen der Gemeinde mit den Vergaberichtlinien und -fristen bestückt.

Ganz anders der Verkaufsstart der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, die das Gelände gekauft hat und demnächst mit dem Bau des „Wohnquartiers A Riva“ beginnt. Mit einer Internetkampagne, Riesenplakatwänden und einem Info-Container am Prix-Gelände wirbt sie für das neue „ZuhauSee in Schondorf“. Dass Wüstenrot laut Vertrag mit der Gemeinde ein Drittel der Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen an Schondorfer Bürger abgeben muss, wird natürlich nicht beworben. Denn für die 24 Wohneinheiten – 18 Eigentumswohnungen in verschiedenen Größen und sechs Reihenmittelhäuser – hat allein die Gemeinde Schondorf das Vergaberecht.

Als sozialverträglich hatte der Prix-Ausschuss für die Reihenhäuser einen Quadratmeterpreis von 3.500 Euro festgelegt, für die Eigentumswohnungen im Mehrfamilienhaus 3.350 Euro. So kommt beispielsweise eine Wohnung mit 82 Quadratmetern auf knapp 275.000 Euro, während der wohlbetuchte Wüstenrot-Kunde dafür rund 670.000 Euro zahlen muss.

Die Auswahl der Bewerber richtet sich nach Kriterien wie Einkommen, Vermögen, Förderung von Familien mit Kindern, Behinderung und Pflege naher Verwandter mit einem Punktesystem. Je länger ein Bewerber schon mit Hauptwohnsitz in Schondorf lebt, desto mehr Punkte gibt es. Der Gesamtbetrag der Einkünfte des Haushaltes eines Bewerbers darf im Durchschnitt der letzten drei Jahre bei Ehepaaren oder Lebensgemeinschaften 90.000 Euro und bei allein Lebenden 65.000 Euro nicht übersteigen. Diese Obergrenze erhöht sich für jedes im Haushalt lebende kindergeldberechtigte Kind um jeweils 7.000 Euro.

Pflegegrad oder Behinderung eines Bewerbers oder eines mit im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen werden mit jeweils bis zu 50 Punkten (bei Pflegegrad 5/100 Prozent Behinderungsgrad) bewertet. Sogar an ehrenamtliches Engagement in Schondorfer Vereinen und Institutionen wurde bei den Vergaberichtlinien gedacht. Eine einfache Mitgliedschaft reicht hier nicht, sondern nur eine „arbeitsintensive Funktion“ zählt wie Vorstand, Trainer, oder aktiver Feuerwehrler.

Der nach dem Punktesystem letztendlich bezuschlagte Bewerber muss sich verpflichten, das zu Sonderkonditionen erworbene Haus oder die Wohnung selbst oder mit seiner Familie mindestens 15 Jahre zu halten und zu bewohnen. Der ausführliche Kriterienkatalog sowie alle Formulare zum Download sind auf der Internetseite der Gemeinde eingestellt.

Wie Vize-Bürgermeister Martin Wagner bei der Gemeinderatssitzung ausführte, seien „laut einer Grobsichtung bereits vernünftige Bewerbungen“ eingegangen. Es fielen aber auch Bewerber aus dem Raster, denn die Prix-Objekte seien weder Sozialwohnungen noch Einheimischen-Modelle, sondern Angebote für den heimischen Mittelstand.
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

Kommentare