Früher bestraft, heute Kunst

Der Münchner Streetart-Künstler Loomit ist bereits weltbekannt und besprühte im Mai auch in der Erzabtei St. Ottilien eine Garagenwand mit einer Landkarte von Bayern. Foto: kb

Einst arbeiteten Sprayer heimlich und im Schutz der Dunkelheit. Wenn sie erwischt wurden, landeten sie vor Gericht. Inzwischen ist das, was früher Graffiti hieß, eine Kunstform mit Namen Streetart. Nun lässt auch die Erzabtei St. Ottilien ihre Mauern bemalen, und zwar gleich 1000 Quadratmeter. Dazu sind neun international renommierte Künstler für zwei Wochen in das Klosterdorf gekommen. Seit Montag schwingen sie die Sprühdosen.

„Heaven meets Earth“ lautet das Motto des Projekts. Wer in den vergangenen Wochen durch St. Ottilien spaziert ist, hat die ersten Vorboten vielleicht schon gesehen. Zur Einstimmung sprayte der Münchner Streetart-Künstler Loomit bereits im Mai ein erstes Bild auf die Stirnwand der Garage vor dem Haupteingang zum EOS Verlag. Es zeigt aus der Vogelperspektive eine Landkarte von Bayern, auf der unter anderem St. Ottilien und der Bahnhof Geltendorf zu sehen sind. Der gilt nämlich als eine der Geburtsstätten des Graffiti in Deutschland. Loomit war schon damals mit dabei, ein Sprayer der ersten Stunde. 1987 musste er zur Strafe fürs Sprühen 100 Stunden Sozialdienst ableisten. Heute ist der 44-Jährige ein gefragter Künstler, der unter anderem die Außenwände der deutschen Botschaft in Neu Dehli und des Internationalen Strafgerichtshofs im holländischen Schweveningen gestaltet hat. Und nun also St. Ottilien. Die Idee zum Projekt entstand im Laufe eines launigen Abends, den der Leiter der Klostergalerie Pater Cyrill Schäfer und die führenden Köpfe des Eresinger Künstlervereins Vis à Vis, Karl Witti und Alexander Ewgraf, miteinander verbrachten. „Wir wollten ein großes internationales Projekt auf die Beine stellen“, erzählt Pater Cyrill. Die Wandmalereien sollen der Anfang eines Kulturweges zwischen Geltendorf, St. Ottilien und Eresing führt. Vis à Vis hat das erklärte Ziel, zeitgenössische Kunst im ländlichen Raum stärker zur Geltung zu bringen. „Streetart ist ja vor allem eine städtische Kunstform und war ursprünglich auch ein Protest gegen architektonische Hässlichkeit“, meint Pater Cyrill. Es reize die Künstler, zur Abwechslung einmal in einer ländlichen Idylle tätig zu werden. Die neun teilnehmenden Sprayer kommen aus Großbritannien, Österreich, Polen, Russland, der Ukraine und Deutschland. Zwei Wochen lang soll nun jeden Tag gemalt werden, unter anderem auf den Fassaden des Kuhstalls und der Druckerei. Interessierte sollen einfach vorbeikommen, rät Pater Cyrill. „Es wird immer irgendwo jemand malen.“ Am kommenden Samstag um 16 Uhr findet eine offizielle Begehung mit Ex-Staatsminister Thomas Goppel statt, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. An mehreren Tagen werden Führungen angeboten, Termine unter www.heavenmeetsearth.de/programm.

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