Tiefe Wurzeln für die Wald-Zukunft

Fuchstal setzt auf die Weißtanne

Meinhard Süß von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft
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Meinhard Süß von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft mit einem Setzling der Weißtanne. Hinten Revierleiter Michael Lang von den Bayerischen Staatsforsten.
  • vonJohannes Jais
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Fuchstal – Im Leederer Gemeindewald befindet sich eines der drei Versuchsfelder in Südbayern, wo die Anpassungsfähigkeit der Weißtanne in Zeiten des Klimawandels erforscht wird. Dort sind neulich auf einem Viertel-Hektar eingezäunter Fläche 500 Setzlinge gepflanzt worden: 250 Stück von der heimischen Weißtanne und 250 Stück von der rumänischen Weißtanne, beide im Gegensatz zur heimischen Fichte Tiefwurzler.

Die Gemeinde Fuchstal und die bayerische Forstverwaltung unterstützen mit diesem Projekt ein bundesweites Vorhaben der ‚Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft‘ zur Weißtanne. Hintergrund ist, dass der Anteil der Fichte im Wald seit Jahren stetig zurückgeht. Dieser Effekt wird durch trockene, warme Sommer, Borkenkäferkalamitäten und immer häufiger auftretende Sturmereignisse in den vergangenen Jahren beschleunigt.

Zweifellos gehört die Fichte als Baumart zu den großen Verlierern in der Klimaerwärmung. Das hat auch ökonomisch Auswirkungen, weil derzeit über 75 Prozent der Wertschöpfung aus der Forst- und Holzwirtschaft auf der Nutzung und Verarbeitung von Nadelholz basiert. Dieses wertvolle Holz fehlt perspektivisch.

Als klimastabiler und dabei ebenso leistungsstark wird die Weißtanne betrachtet. Sie sei in Zeiten des Klimawandels eine Option, um einer drohenden Verknappung von Nadelweißholz zu begegnen, schilderten mehrere Forstexperten bei der Pflanzaktion oberhalb von Leeder. Die Weißtanne sei aus wirtschaftlicher Sicht die einzige Alternative zur Fichte. Wie Forschungsergebnisse zeigen, ist die Weißtanne in der Lage, auf vielfältigen Standorten auch im Flachland gesund und mit Zukunftsperspektive zu wachsen, auch bei den zu erwartenden klimatischen Veränderungen. Sie ist somit eine wirtschaftlich interessante Baumart für zukunftstaugliche Mischwälder.

Gleichzeitig hat die Weißtanne auch eine sehr hohe ökologische Bedeutung. Sie wurzelt weitaus tiefer als die Fichte, wird von den Fichtenborkenkäfern geschmäht und kann ein sehr hohes Alter erreichen. Damit trägt sie in hohem Maße zur dauerhaften Stabilisierung des Ökosystems Wald bei.

Die Gemeinde Fuchstal und die bayerische Forstverwaltung unterstützen das bundesweite Projekt zur Etablierung der Weißtanne. Federführend ist die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Deutschland. Meinhard Süß aus Polling, zweiter Vorsitzender der Landesgruppe Bayern, zeigte bei der Exkursion in den Rechtlerwald einen Sämling: Dessen Wurzel ist genauso lang wie das, was von der Pflanze über der Erde zu sehen ist.

Revierleiter Michael Lang führte bei dem Waldbegang aus, dass der Versuch langjährig von Experten betreut wird. Er selbst werde, wenn er ins Fuchstal komme, regelmäßig dort im Leederer Gemeindewald nachsehen. Die beiden anderen Versuchsfelder in Südbayern sind im Weilheimer Stadtwald und in Memmingen. Deutschlandweit werden 58 eingezäunte Beobachtungsflächen angelegt.

Das Projekt hat den Namen „Weißtanne 2.0“ und wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gefördert. Auf den Flächen werden Weißtannenpflanzen zweier verschiedener Herkünfte gepflanzt; deren Wuchsverhalten wird langfristig – laut Revierleiter Lang über 20 Jahre hinweg – wissenschaftlich untersucht. Verglichen wird die heimische Herkunft der Weißtanne, die an die Gegebenheiten im Alpenvorland angepasst ist, mit Weißtannenpflanzen aus Rumänien. Dort herrscht ein Klima vor, das nach einigen Klimamodellen zukünftig in Deutschland erwartet wird.

Nicht ewig Zeit

Günter Biermayer, Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, schilderte bei der Pflanzaktion im nördlichen Sachsenrieder Forst die Situation: „Wir leben hier im Optimum des Fichtenwachstums in Europa.“ Das werde aber nicht so bleiben. Vorsorge sei jetzt dringend geboten. Man habe da „nicht mehr ewig Zeit“, um das Wirtschaftssystem Wald durch die Tanne zu stabilisieren.

Forstanwärter Alexander Ehrmann erklärte den Experten und Politikern die Abstände. In acht Reihen sind jeweils zirka 60 Pflanzen zu setzen. Auch im Wald heißt es „Abstand halten“. Dann wurde zum Hohlspaten gegriffen. Mit dabei waren auch Waldpädagoge Claus Homeister (Schongau), Studenten der FH Weihenstephan, Männer vom Bauhof der Gemeinde Fuchstal, Bürgermeister Erwin Karg und MdB Michael Kießling (Landsberg).

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