Runder Tisch in Schongau

Fuchstalbahn: Entscheidung im Winter?

Überführungsfahrt einer BRB auf der Strecke der Fuchstalbahn.
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Am 24. Juli waren die Landtags-Grünen mit geladenen Gästen auf der Strecke der Fuchstalbahn unterwegs – und zwar in einem von der BRB geliehenen LINT-Triebwagen. Das Foto zeigt eine Überführungsfahrt des Unternehmens aus der jüngeren Vergangenheit.
  • Astrid Neumann
    VonAstrid Neumann
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Landsberg/Schongau – Rund 50 Seiten umfasst das Eckpunktepapier zur Reaktivierung der Fuchstalbahn, das Verkehrs­ingenieur Andreas Holzhey in Eigenregie erarbeitet hat. Bei einem Runden Tisch im Schongauer Ballenhaus stellte er dieses am Montag den politischen Vertretern der Anrainergemeinden vor. Unter anderem beschäftigte sich Holzhey vor allem mit den Bahnübergängen, Haltestellen sowie den Kosten und Fördermöglichkeiten.

Der erste Runde Tisch zu gleichem Thema ist nun fast zwei Jahre her. Ziel von Andreas Holzhey war es jetzt, beide Landkreise – Weilheim-Schongau und Landsberg – auf einen Stand zu bringen. Neben den Bürgermeistern der Anrainergemeinden entlang der Schiene waren deshalb auch Landsbergs Landrat Thomas Eichinger, mehrere Mitglieder des Landtags sowie ein Vertreter des Arbeitskreises Fuchstalbahn und Norbert Moy von ProBahn der Einladung nach Schongau gefolgt.

Das letzte Gutachten zur Reaktivierung der Strecke, auf der der Personenverkehr 1984 eingestellt wurde, ist mittlerweile 20 Jahre alt. Das von Holzhey erarbeitete Eckpunktepapier stelle nun in komprimierter Form dar, was auf die Kommunen im Falle einer Reaktivierung zukäme, so Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman nach dem Runden Tisch.

Es deckt verschiedene Themenbereiche ab. Ein wichtiger Punkt sind dabei die Bahnübergänge. „Diese müssen teilweise gesichert werden, können so bleiben oder aufgelassen werden“, fasste Holzhey die Situation entlang der Bahnstrecke zusammen. Beispielsweise die Übergänge in Denklingen und in Asch/Leeder müssten ohnehin gesichert werden.

Auch auf die Haltestellen ging der Verkehrsingenieur ein. Möglich hält Holzhey „fünf bis sieben Zwischenhalte“ zwischen Schongau und Landsberg. Historisch wären dies Unterdießen, Asch/Leeder, Denklingen, Kinsau und Hohenfurch. Neu hinzu kommen könnte beispielsweise einer am Schongauer Krankenhaus und einer im Landsberger Süden.

Dass die Fuchstalbahn möglichst schnell von Schongau nach Landsberg gelangen müsse, halte er für unnötig, betonte Holzhey. Viel wichtiger sei es hingegen, dass sie sich in den sogenannten Deutschlandtakt einfüge und die Anschlüsse an die Lechfeldbahn von Kaufering nach Augsburg und an die Pfaffenwinkelbahn von Schongau nach Weilheim aufnehme. „Die Fuchstalbahn muss sich da einpassen“, so sein Fazit.

Zu den anfallenden Kosten äußerte sich Holzhey nur sehr zurückhaltend. Es handele sich lediglich um eine grobe Schätzung, alles andere müsste eine Ingenieursplanung klären. Die technische Sicherung der Bahnübergänge sowie die Herstellung der Bahnsteige schätzte er auf je rund 800.000 Euro ein. Wobei die Kommunen bei der Sicherung der Übergänge nichts zuzahlen müssten, wie Holzhey betonte. „Alles andere wäre relativ kostengünstig“, so seine Prognose. „Die Gleise sind da und in Ordnung.“ Die häufig erwähnte Signaltechnik müsse ohnehin in absehbarer Zeit erneuert werden. Zudem seien die Fördermittel des Bundes deutlich ausgeweitet worden.

Die politischen Vertreter der Anrainergemeinden haben das Eckpunktepapier nun erhalten und sollen es in den jeweiligen Gemeinderäten durcharbeiten. „Die Ergebnisse des Papiers wurden bei dem Runden Tisch zum Teil schon kontrovers diskutiert“, gab Bürgermeister Sluyterman aber zu bedenken. Eine weitere solche Runde soll dann Fragen klären und offenbaren, ob eine Mehrheit möglich ist. Geplant sei diese Runde „im Winter 2021/22“, so Sluyterman. Für eine Reaktivierung wäre dann eine einstimmige Mehrheit nötig.

Landrat Thomas Eichinger sieht einige Faktoren, die noch geklärt werden müssten. So fordere der Freistaat weiterhin eine ‚verlässliche‘ Prognose von 1.000 Bahnnutzern pro Tag und Kilometer. Zu klären sie auch, wer denn letztendlich die Kosten für den Ausbau der Bahnübergänge übernehme, wenn weder der Staat noch die Kommunen zahlten. „Da bleibt ja nur der Landkreis.“ Und das könne schnell in die Millionen gehen, gehe man von rund zehn Übergängen aus. Als drittes müsse auch noch ein Betreiber gefunden werden, den der Freistaat akzeptiere. Der vierte Punkt, dass der Landkreis ein passendes Buskonzept vorlegt, sieht Eichinger nicht als Problem. Diesen „Zulieferdienst“ zu den Bahnhöfen könne man leisten.

Insbesondere sei die Sicht der Kommunen wichtig. Moritz Hartmann habe für die Stadt Landsberg ein eher positives Signal gesendet. Hohenfurch, Denklingen und Kinsau stünden dem Vorhaben finanziell gesehen aber kritisch gegenüber. Diese Zustimmung sei letztlich entscheidend, sagt Eichinger: „Ich kann ja keinen Hund zum Jagen tragen.“

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