Reaktivierung lässt auf sich warten

Fuchstalbahn: Wieder aufs Abstellgleis?

Güterzug in Landsberg Bahnübergang Katharinenstraße
+
Bisher gibt es kein Zeichen für die Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der Fuchstalbahn. Vorerst wird dort weiterhin nur Güterverkehr verkehren.

Fuchstal - Die Reaktivierung der Fuchstalbahn liegt nach wie vor in weiter Ferne – so das Fazit des Sachstandsberichts, den sich der Umwelt- und Mobilitätsausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung vorlegen ließ.

  • Landkreis will Anforderungen des Freistaats zur Fuchstal-Reaktivierung nicht übernehmen
  • Freistaat besteht weiterhin auf der 1.000-Fahrgast-Regel
  • Grüne fordern Solidarisierung mehrerer Landkreise

Erst Ende letzten Jahres hat sich der Landkreis Landsberg für die Aktivierung des Personennahverkehrs auf der Strecke Schongau-Landsberg ausgesprochen. Auch der Landkreis Weilheim-Schongau hatte im Oktober 2019 für die Aktivierung der Strecke votiert und dies auch dem Freistaat gegenüber kommuniziert. Dennoch: „In den letzten 18 Jahren hat sich nichts getan“, bilanzierte Landrat Thomas Eichinger (CSU). Damals fasste der Kreistag den Beschluss, von eigenen Maßnahmen abzusehen, da der Freistaat als Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs einer Wiederinbetriebnahme der Strecke Landsberg-Schongau nicht zustimme. Das gilt nach wie vor. Denn der Landkreis müsste selbst die baulichen Voraussetzungen schaffen und einen Betreiber für den Zugverkehr finden.

Auch im vergangenen Kreis­ausschuss sprach sich Eichinger gegen eine Übernahme der notwendigen Maßnahme seitens des Landkreises aus. Er erwähnte auch ein weiteres Schreiben des Freistaats an die Landrätin des Nachbarlandkreises Weilheim-Schongau Andrea Jochner-Weiß von Ende 2019, das weiterhin auf der Erfüllung der Kriterien poche.

Eines dieser Kriterien, die der Freistaat für eine Unterstützung der Personenverkehr-Aktivierung auf der Fuchstalbahn voraussetzt, lautet: Ertüchtigung der Strecke. Dazu gehören Unterbau, Oberleitungen, Bahnsteige mit einer Höhe von 55 Zentimetern und einer Bahnsteiglänge von 120 Metern, Maßnahmen zur Erhöhung der Geschwindigkeit – bisher ist die Strecke nur für Langsamfahrt ausgelegt – und die Sicherung der bisher unbeschrankten Bahnübergänge – allein dafür setze er 600.000 Euro pro Bahnübergang an, so eichinger im Kreisausschuss.

Kaum zu erreichen

Es müssten je nach Ausbauvariante elf beziehungsweise 15 Bahnübergänge gesichert, neue Signaltechnik installiert und Kreuzungsbahnhöfe geschaffen werden. Außerdem müsse eine plausible Fahrgastprognose mit mindestens 1.000 Fahrgästen pro Werktag geliefert werden – eine Zahl, die aber kaum zu erreichen sein dürfte, so zumindest der Tenor im Umweltausschuss.

Denn auch die Lage der Bahnhöfe ist in einigen Fällen nicht attraktiv. In Unterdießen und Fuchstal liegen die Haltepunkte relativ weit vom Ortskern entfernt. Ob man dort mit dem Auto hinfahren würde, um in die Bahn umzusteigen, wenn eine gut ausgebaute B17 vor der Haustür liegt, bezweifelt nicht nur Eichinger.

Insgesamt würden die Ausbaukosten der Strecke zwischen zehn und zwölf Millionen Euro betragen. Diese Zahlen stammen allerdings aus einem Gutachten von 2002: „Heute wäre es wohl doppelt so teuer“, vermutete Dietmar Winkler, ÖPNV-Experte im Landratsamt, im Mobilitätsausschuss.

Peter Friedl (Grüne) wollte das Thema dennoch nicht einfach versanden lassen. Er schlug vor, sich mit anderen, ebenfalls um eine Streckenreaktivierung kämpfenden Landkreisen zu solidarisieren, um Druck auf den Freistaat auszuüben. Landrat Eichinger sieht jedoch andere Landkreise eher als Konkurrenten um die gleichen Fördermittel – die im übrigen nicht vorhanden seien. „Ich sehe den Hebel nicht.“

Kriterien anerkennen

Noch im Juli dieses Jahres standen die Zeichen für die Reaktivierung deutlich besser: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) maß der Verbindung Schongau-Landsberg in seiner neuen „Reaktivierungsliste“ weitaus mehr Bedeutung zu als bislang. Unter anderem sah der VDV darin „eine sinnvolle Erschließung touristischen Potenzials“. Mit zu dem Ergebnis hatte auch das Engagement des Arbeitskreises Fuchstalbahn beigetragen. Der Arbeitskreis überreichte auch eine Resolution an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der persönlich vor Ort war (der KREISBOTE berichtete). Arbeitskreisvorsitzender Harald Baumann forderte die Kreistage in Landsberg und Weilheim-Schongau auf, die Reakti­vierungskriterien des Freistaats „vorbehaltlos anzuerkennen“. Das scheint zumindest beim Kreistag Landsberg äußerst unwahrscheinlich.

Ulrike Osman/Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Wenn die B17 plötzlich durch Epfach führt
Wenn die B17 plötzlich durch Epfach führt
Noch alle Latten am Zaun im Fuchstal?
Noch alle Latten am Zaun im Fuchstal?
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt

Kommentare