Photovoltaik im Lechrain:

Bezieht Hirschvogel bald Strom aus der Kiesgrube?

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Die Schießl-Kiesgrube. Der Weg vorne führt von Südosten auf das Areal.

Fuchstal/Denklingen – Sie liegt auf Fuchstaler Flur und soll als Sondergebiet für Fotovoltaik ausgewiesen werden: die Kiesgrube nördlich der Hirschvogel Umformtechnik GmbH.Drei Bauabschnitte sind vorgesehen, wie neulich im Fuchstaler Gemeinderat dargestellt wurde. Aber auch auf Denklinger Germarkung soll mehr Strom vom Feld kommen.

So soll eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage östlich, nördlich und westlich des neuen Hirschvogel-Parkplatzes entstehen. Und damit wird sich der Denklinger Gemeinderat am heutigen Mittwoch, 18. Dezember, befassen. Sehr konkret, denn auf der Tagesordnung stehen die Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellungsbeschluss.

Projektträger für den Bereich der Kiesgrube auf Fuchstaler Flur sind die vier Gesellschafter Dr. Wolfgang Weisensee aus Landsberg, Helmut Schießl aus Denklingen (Eigentümer der Kiesgrube) sowie die Gebrüder Wolfgang und Fred Michalke aus Kaufering beziehungsweise Emmenhausen. Die vier Herren bilden bereits im Fall der Solarmodule auf den Bunkeranlagen oberhalb von Leeder eine Kommanditgesellschaft. Diese sorgt seit über zehn Jahren für den technischen Betrieb und stellt das Gelände zur Verfügung. Der „grüne Strom“ von dort wird über die VR-Bank Landsberg-Ammersee vermarktet. Die Leistung der Anlage wird von den Betreibern mit rund 1,6 Megawatt-Peak angegeben.

Im Fall der Schießl-Kiesgrube westlich der B17 und nördlich des Hirschvogel-Parkplatzes sind im ersten, südlichen Bauabschnitt Solarmodule mit einer Leistung von 750.000 Kilowattstunden-Peak (KWp) vorgesehen. Das reicht aus, um 250 Haushalte mit Strom zu versorgen oder um mit einem Elektro­auto 3,5 Millionen Kilometer weit zu fahren.

Aufgeteilt ist der Bereich der Kiesgrube in drei Bauabschnitte, auf denen nach und nach die Solarmodule aufgeständert werden sollen. In einem weiteren Feld, zur B17 hin, ist eine maximal 9,5 Meter hohe eine Halle vorgesehen, in der Material wie Rotlage oder Humus aufbereitet wird, damit es unbedenklich verfüllt werden kann.

Für die Region

Wolfgang Weisensee, Notfallmediziner und Stadtrat aus Landsberg, sieht die Nähe zur Firma Hirschvogel in Denklingen als wichtiges regionales Argument. Das Unternehmen brauche künftig Strom aus regenerativen Quellen, wozu auch die Fotovoltaik gehöre. Dazu könnten die 750.000 Kilowatt-Peak einen wertvollen Beitrag leisten, wenngleich dies weniger als zehn Prozent seien.

Der südliche Bereich der Kiesgrube sei auf einer Fläche von knapp 10.000 Quadratmetern inzwischen mit Material aus der Umgebung verfüllt worden, schilderte Eigentümer Helmut Schießl im Fuchstaler Gemeinderat. Das entspreche mehr als 100.000 Kubikmetern Rotlage und Kies, ergänzt Weisensee. Insgesamt sei die Kiesgrube 28.000 Quadratmetern groß.

Erste Module im Sommer

Mit dem ersten Bauabschnitt soll es, wenn es bei der Genehmigung keine großen Verzögerungen gibt, im Frühjahr 2020 losgehen. Dort werden die Solarmodule bis zu einer maximalen Höhe von 3,5 Metern aufgeständert. In der Nähe befindet sich eine Trafostation an einer Stromleitung. Der Weg zur Anbindung ans Netz ist also kurz.

Die Halle zur Aufbereitung und Trocknung von Material werde erst gebaut, wenn die weiteren Bereiche komplett verfüllt sind. Das werde frühestens in den Jahren 2021 oder 2022 der Fall sein, blickt Weisensee voraus. Das größte Feld ist der letzte Bauabschnitt im Norden mit 14.300 Quadratmetern. Es entspricht der Hälfte des gesamten Kiesgruben-Areals.

Der Zaun, der um das Gelände gezogen wird, bleibt vom Boden bis zu einer Höhe von 15 Zentimetern offen. Dies wird im Sinne der Tiere so festgesetzt. Zur Artenvielfalt auf dem rekultivierten Geländer kommentierte Wolfgang Weisensee: „Da kreucht und fleucht alles, was man sich vorstellen kann.“

Um das Projekt zu realisieren, muss baurechtlich die Grundlage geschaffen werden. Will heißen: Der Flächennutzungsplan der Gemeinde Fuchstal muss geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Die vier Gesellschafter haben dazu den Landsberger Architekten Johann Müller-Hahl eingebunden.

Der erste Schritt ist bereits getan. Fuchstals Räte billigten den von Müller-Hahl präsentierten Entwurf einmütig. Das gilt sowohl für die geplante Änderung im bestehenden Flächennutzungsplan (Sondergebiet) als auch für den neuen Bebauungsplan. Gemeinderat Johannes Wolffhardt kommentierte, das Vorhaben sei „absolut sinnvoll und stimmig mit dem Klimaschutzkonzept des Landkreises Landsberg“.
Johannes Jais

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