Aufruhr im Gemeindewald

Fuchstals Waldrechtler gründen Interessensvertretung

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Gesprächsbedarf in Fuchstal beim Thema Waldnutzungsrechte: Links Manfred Frei, in der Mitte Jagdvorstand Otto Prinzing (stehend), rechts sitzend Angelika Gast und Dieter Kees von der Vorstandschaft der neuen Interessensgemeinschaft.

Fuchstal – Die Rechtler des Leederer Gemeindewaldes formieren sich. Sie haben eine Interessensgemeinschaft mit einem vierköpfigen Vorstandschaft und mit fünf Beisitzern gegründet. Das Gremium fordert Mitsprache beim Gemeindewald ein und will sich für den Erhalt der Holznutzungsrechte einsetzen. Ein weiteres zentrales Thema ist der von der Gemeinde beantragte Bau dreier Windräder im Gemeindewald – die Tendenz ist ablehnend.

Auf der Versammlung im Hofgartenhaus, zu der mehr sich mehr als 50 Betroffene und Interessierte einfanden, wurde ein Datenblatt mit vier Fragen an die Rechtler ausgeteilt. Eine davon ist: „Sind Sie für den Windkraft-Standort – Ja oder Nein?“

Das Datenblatt wird im Lauf der nächsten Wochen von der Vorstandschaft ausgewertet. Falls eine Mehrheit – im 99 Hektar großen Leederer Gemeindewald sind es zirka 75 Rechtler mit 103 Nutzungsanteilen – den Bau der drei Windräder ablehnt, möchte die neue Interessengemeinschaft ihre Möglichkeiten einsetzen, das Projekt zu verhindern.

Die Tendenz unter den Waldrechtlern geht eher gegen weitere Windräder im Südwesten der Gemeinde. Im Staatsforst sind seit 2016 bereits vier Windkraftanlagen in Betrieb. Sollte der Bau der drei Anlagen genehmigt werden, wird sich die IG für einen fairen Ertragsausfall einsetzen (Stichwort ist der fehlende Nachwuchs durch Fällung). Berücksichtigt werden sollen aber auch Auswirkungen wie das Auslichten an den Zuwegungen zu den Windkraftanlagen, die Windanfälligkeit oder der Rückbau der Anlagen mit den im Boden verbleibenden Fundamenten.

Vierer-Team

Per Akklamation wurden die vierköpfige Vorstandschaft und die Beisitzer gewählt. Die Interessengemeinschaft, die als privatrechtliche Vereinigung zu sehen ist, wird von Manfred Frei, Angelika Gast, Dieter Kees und Manfred Huemer geführt. Beisitzer sind Dr. Jörg Butterfass, Roland Klöck, Gabriela Hefele und Wolfram Ruoff. Laut Nachfrage des Kreisboten vom Wochenende kommt Ulrike Ramsauer noch ins Gremium hinzu.

Wahlleiter war Otto Prinzing, Vorstand der Jagdgenossenschaft Leeder. Er hatte sich intensiv mit der Thematik befasst. In der Jagdgenossenschaft war man aber zur Auffassung gelangt, dass zur Wahrnehmung der Waldrechtler-Interessen eine eigene Interessensgemeinschaft erforderlich sei; ihr gehören Hauseigentümer mit eigenen Anteilen am Gemeindewald an.

Wer IG-Sprecher sein soll, ist noch offen. Wahrscheinlich läuft’s auf Manfred Frei hinaus, der auf der Versammlung bereits das Wort ergriff. „Es macht Sinn, um dieses Recht zu kämpfen“, warb Frei um Einsatz. Die Nutzungsrechte bestünden seit dem Jahr 1669, seien also 350 Jahre alt. Frei sprach von einem „historischen Recht“. In Zeiten der Not seien dadurch gemeinsam Krisen gemeistert worden. Diese Waldnutzungsrechte seien früher eine „soziale Absicherung“ gewesen. „Wir genießen Bestandsschutz“, betonte Frei. Der Interessengemeinschaft gehe es nicht um die „paar Euro“, die ausbezahlt werden. Im Gegenteil: Man könne aus dem Erlös Gemeinnütziges in der Gemeinde unterstützen. Letztlich könne es für die Gemeinde zum Vorteil gereichen, wenn Rechtler ihre Interessen so wahrnehmen.

Die Sorge mancher Eigentümer war, dass Rechte verfallen, wenn drei Jahre hintereinander keine Auszahlung mehr erfolgt und wenn niemand nachhakt. Angelika Gast führte gegenüber Bürgermeister Erwin Karg an, dass laut Rechtsauskunft die Gemeinde sogar in der „Bringschuld“sei; sie müsse über Anteile und Auszahlungen informieren.

Eine ältere Frau im Saal meinte, die Gemeinde verfahre da wohl nach dem Prinzip der „schlafende Hunde, die man nicht wecken soll.“ Doch Bürgermeister Karg entgegnete, die vergleichsweise geringen Erlöse aus dem Leederer Gemeindewald von 2017 und 2018 würden heuer ausbezahlt. Waldreferent Josef Weber ergänzte, die Gemeinde sei „bestimmt nicht bestrebt, dass Rechte verfallen.“ Weber ist seit 18 Jahren Waldreferent. Man sei bemüht, diese Flächen gut zu führen und eine Naturverjüngung voranzubringen. Dass der Rechtlerwald „hervorragend gepflegt ist“, bestätigte denn auch IG-Mitglied Manfred Frei.

Jägerchef Prinzing schilderte den Weg zur IG-Gründung. Er verwies darauf, dass es in den letzten Monaten mehrere Gespräche mit Bürgermeister Karg und mit der Rechtsaufsicht im Landratsamt zur Thematik des Rechtlerwaldes gegeben habe; sie sei im Landkreis Landsberg nahezu einmalig. Auch habe die Jagdgenossenschaft den Rat eines Münchener Rechtanwaltes eingeholt. Prinzing (68) betonte, dass in das Waldnutzerrecht dann eingegriffen werden könne, wenn eine Quelle für die Gewährleistung der Wasserversorgung gefasst werden müsse. Windräder hingegen dienten nicht der Erfüllung von Gemeinwohl; Strom­erzeugung durch solche Anlagen sei keine öffentliche Aufgabe, erklärte der Jagdvorsteher. 

Johannes Jais

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