Furioser Danse Macabre

Die Novelle „Das Fräulein von Scuderi“, erschienen 1819, ist nicht nur Pflichtlektüre aller Deutsch-Leistungskurse, sie enthält auch alle Elemente einer spannenden Kriminalgeschichte: Morde, und zwar nicht zu knapp, mehrere skurrile Gestalten, ein zu Unrecht verdächtigter jugendlicher Held, eine Liebesgeschichte und nicht zuletzt eine ungewöhnliche Detektivin. Was also liegt näher, als diesen Plot in eine Rock-Oper zu verwandeln… Geschehen in der „Schauburg München“ durch die Band „Bananafishbones“ und Gil Mehmert und zu sehen vergangene Woche im Stadttheater Landsberg.

Bereits vor Beginn beherrscht ein stimmungsvolles Bild die Bühne: ein Schlagzeug, von einem Spot angestrahlt, umwabert von Trockeneis-Nebel. Diese Grundstimmung durchzieht das ganze Stück, ein Kaleidoskop in Schwarz-Weiß-Grau-Silber, mit historisierenden Kostümen, Glitzerleggings, Sonnen- brillen und Federhüten, hartem Rock und lyrischen Liebesliedern, angereichert durch den typisch französischen Akkordeonklang. Aus diesen Elementen entsteht ein schrilles, abgedrehtes und dabei interessantes und stimmiges Bild der Hoffmannschen Novelle und des darin beschriebenen Paris unter der Herrschaft Ludwigs des Vierzehnten, ein furioser Danse Macabre. Doppelt überzeugend Die Handlung baut sich um die Songs der Band herum, ohne dabei die Erzählstruktur der Novelle aufzugeben; mit Hilfe von Zeitsprüngen, Vor- und Rückblenden entwickeln die Musiker und Schauspieler die komplizierte Detektivgeschichte, überbrückt durch einen Erzähler. Dabei überzeugen sie nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch. Stefanie Dietrich ist ein ziemlich junges, aber kluges „Fräulein“, Markus Campana als Olivier tappt mal rührend heldenhaft, mal absurd durch das düstere Paris. Bühnenbeherrschend aber ist Cardillac (Thorsten Krohn), der mörderische Goldschmied, der sein Werkzeug in einer Art Krone um den Kopf trägt, gleichsam als finsteres Gegenstück des Königs, der ihn vergeblich jagen lässt. E.T.A. Hoffmann war bekanntermaßen ein so großer Verehrer Mozarts, dass er sogar seinen Namen um „Amadeus“ er- weiterte. Doch die „Bananafishbones“ haben es mit ihrer Musik geschafft, die vermeintlich alte Novelle zu neuem Leben zu erwecken, die zerfledderten Reclam-Hefte aus ihrem Dornröschenschlaf im hintersten Bücherregal zu erlösen…

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