Wer will diese Brücke noch adeln?

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Im Juni 2012 sollte die Fußgängerbrücke über die Bahnlinie am Englischen Garten fertig sein, jetzt gilt es erst noch die Mängel am Geländer zu beseitigen.

Landsberg – Die Fußgängerbrücke im Englischen Garten steht scheinbar unter keinem guten Stern. Politisch wie in der Art der Ausführung umstritten, harrt das 1,1 Millionen Euro teure Bauwerk weiterhin seiner Fertigstellung. "Die Nennung des Fertigstellungstermins“ ist laut Stadt „derzeit nicht möglich“.

Die Verwaltung trifft bei der Verzögerung offenbar die geringste Schuld: Die beauftragte Baufirma wurde immer wieder kontaktiert und auf den Terminrahmen hingewiesen. Der Bauunternehmer geriet zwar von Anfang an in Verzug, stellte den Brückenrohbau dann doch bis zum vergangenen Sommer auf – immerhin. Ohne Geländer konnte die Brücke aber nicht begangen werden; dieser Auftrag war an einen Subunternehmer vergeben worden. Ob es die gute Auftragslage im vergangenen Jahr war oder welche anderen Gründe dazu führten, dass diese Firma monatelang nicht auftauchte, ist nicht bekannt, aber: Das Geländer wurde nicht angebracht.

Auf die entsprechende Nachfrage verwies die Stadt Mitte. August 2012 auf eine Zusage der ausführenden Firma: „Beginn Montage Geländer ist am 17. September, Fertigstellung Ende Oktober.“ Konventionalstrafen bei Nicht-Einhaltung von Terminen seien bei VOB-Ausschreibungen „schlecht einforderbar, da in der Regel kein finanzieller Schaden nachweisbar ist“, so die Stadt gegenüber dem KREISBOTEN.

Einerlei, das Geländer wurde auch in den Wochen danach nicht montiert, stattdessen eine provisorische Sicherung mit Brettern angebracht und die Brücke vorläufig geöffnet. Im Herbst nahmen die Geländerbauer dann die Arbeit tatsächlich auf, die Brücke war dem­entsprechend für mehrere Wochen wieder zu. Kurz vor Weihnachten dann die erneute „Er­öffnung“, doch die Benutzer staunten: Weiterhin sind an Holzbrettern provisorische Bau-Neon-Röhren zur Beleuchtung angebracht

 Tatsächlich haben die Brückengänger offenbar der inzwischen scharfen Intervention der Verwaltung beim Unternehmer zu verdanken, dass sie zumindest in diesen Wochen die neue Querungsmöglichkeit überhaupt nutzen können. Auf erneute KREISBOTEN-Nachfrage teilte Stadtpressesprecherin Eva Schatz mit: „Die Stadt war im September 2012 kurz davor, der ausführenden Firma den Auftrag für die Fertigstellung des Bauwerkes zu entziehen. Nach aufwändigen Verhandlungen und konkreten Zusagen der ausführenden Firma wurde dann im Oktober 2012 mit dem Bau des Geländers begonnen. Der Subunternehmer der ausführenden Firma konnte jedoch die zugesagten Termine nicht einhalten.“

Als die Absicherung endlich fertig war, hätte die LED-Beleuchtung nicht mehr angebracht werden können. Grund: „Elektroleitungen lassen sich bei niedrigen Temperaturen nicht beziehungsweise nur sehr schlecht verlegen.“ Deswegen sei die Baufirma verpflichtet worden, auf eigene Kosten eine Art Notbeleuchtung zu installieren. Die Abnahme des Bauwerks ist dementsprechend noch nicht beantragt worden, dies soll im Frühjahr geschehen – wenn die Beleuchtung installiert, das Geländer nach­ge­bessert und der Korrosionsschutz angebracht sei.

Glänzendes Geländer

Und das könnte erneut zu einem spannenden Thema werden: Das verspätete Geländer „glänzt“ derzeit durch scharfe offene Kanten, verkippte Elemente, ungewöhnlich hohe Spaltmaße und offene (nicht verzinkte) Bereiche. Diese Baumängel sollten sich „im Frühjahr“ relativ schnell beseitigen lassen, anderes wird bleiben: Da der Abgang auf der Ostseite nach Stadtratsbeschluss barrierefrei (also mit maximal sechs Prozent Gefälle) gestaltet werden sollte, sind nun zwei beachtliche „Rampen“ aus Beton in einer Gesamtlänge von rund 100 Metern entstanden, die einigen direkten Anwohnern von Anfang an nicht gefielen.

Während mit dem großen Bauwerk nun für Rollstühle und Kinderwagen tatsächlich die gewünschte Verbindung vom Katharinenanger in die Altstadt geschaffen wurde, ist aus dem „Schulweg für die Kinder mit dem Fahrrad“, weswegen sich mehrere Eltern für die Brücke einsetzten, nichts geworden. Weder Wegbreite noch Wenderadien auf der Brücke lassen eine Benutzung mit dem Fahrrad überhaupt zu – dementsprechend müssen Radfahrer auch an ihrem Beginn laut Beschilderung zwingend absteigen. Daran hält sich im Mo­ment kaum niemand – was zu bemerkenswerten Szenen auf der Brücke führt.

Die Bautafel mit dem ursprünglichen Fertigstellungsdatum ist seit Wochen entfernt – die Werbetafel des Bauunternehmens steht allerdings weiterhin. Im Nachhinein adeln wird die Stadt die dann um über ein dreiviertel Jahr verzögerte Routine-Brücke gewiss nicht: „Es wird keine offizielle Eröffnung geben“, sagt Eva Schatz.

Christoph Kruse

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