Willkommen im Landtag

Gabriele Triebel für die Grünen im Maximilianeum

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Letzte Woche der letzte Schultag, diese Woche im Bayerischen Landtag: Gabriele Triebel.

Landkreis – Dass es so ausgeht. hätte Gabriele Triebel nicht gedacht. „Es ist Wahnsinn, ein bisschen wie im falschen Film“, lacht die neue Landtags-abgeordnete der Grünen. Natürlich, sie sei als Direktkandidatin angetreten. „Aber wenn es dann tatsächlich eintritt, überrumpelt es einen doch.“ Für Triebel ist der Einzug in den Bayerischen Landtag eine Zäsur und ein Neuanfang: Denn statt Sportlehrerin ist sie jetzt hauptberuflich Politikerin.

Schon am Donnerstag vergangener Woche war der erste Landtagstermin von Gabriele Triebel. Eine Art Einführung. Diese Woche sind drei Tage Fraktionsklausur. Am 5. November dann die konstituierende Sitzung – an der es dann amtlich sein wird, in welchen Ausschüssen Triebel ihre neue Heimat finden wird. Und am 12. November wird der Ministerpräsident gewählt. Danach kann die politische Arbeit beginnen.

Ihren Posten als Zweite Bürgermeisterin in Kaufering – den sie seit 2014 hat – will die 57-Jährige bis 2020 auf jeden Fall weiter ausüben. Was dann kommt? „Muss man sehen“. Aber Triebels ‚Schulzeit‘ ist vorüber: Am vergangenen Mittwoch war der letzte Unterrichtstag der Sportlehrerin. Mit einer Klasse war sie noch einmal Eisessen. „Die Schüler werden mir sehr fehlen. Und auch das Kollegium“, sagt sie. Tränen seien geflossen. „Und viele mussten zurückgehalten werden.“

Lehrerin war nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. Was treibt einen an, das aufzugeben? Es sei der richtige Zeitpunkt, also „biografisch begründet“, meint Triebel. Ihr jüngstes Kind ist jetzt 18, jetzt habe sie die Möglichkeit, nochmals etwas in ihrem Leben zu ändern. Und das selbstbestimmt, nicht durch Zwänge von außen. „Ich bin ein Mensch der Veränderung. Aber trotzdem, jeder Abschied tut weh.“

Im Landtag will sie sich für zwei Ausschüsse stark machen. Natürlich den Bildungsausschuss. Nachholbedarf sieht sie da vor allem bei den Grundschulen „mit dieser verrückten 4. Klasse“. Den Kleinen würde sie gerne zwei Jahre mehr Zeit bis zur Entscheidung für die weiterführende Schule geben. Und für Inklusion und Migration brauche es zwei pädagogische Fachkräfte pro Klasse. Aber auch Gedenkarbeit liegt ihr am Herzen. Weshalb sie zusätzlich in den Wissen­schaftsausschuss will.

Vor Triebels Arbeit als Lehrerin stand der Leistungssport. Handball und Leichtathletik, später Langstreckenlauf. In dem sie über 3.000 Meter Bayerische Meisterin und Deutsche Vizemeisterin war. Mit 35 war es dann genug Leistungssport. Und Triebel ging in den Schuldienst. Ihre eigene Entscheidung. „Meine Maxime war immer: selbstbestimmt aufhören.“

Die ersten zehn Jahre lehrte sie in München, davon sechs mit befristeten Verträgen, bevor sie 1995 ins unbefristete Angestelltenverhältnis aufrückte. Wohlgemerkt: nicht verbeamtet. Denn Triebel ist sozusagen Quereinsteigerin: Diplomsportlerin, ohne zweites Staatsexamen. Als eine größere Wohnung notwendig wurde, suchte die Familie vergebens – und Triebel kehrte wieder nach Kaufering zurück. Ihr Vater war gerade gestorben, die Mutter allein. Dort, in ihrem Geburtshaus, lebt sie auch heute noch.

Dass Triebel Politik machen möchte, liegt auch an diesem Quereinstieg in den Schuldienst. Denn vor gut zehn Jahren hatte sie die Idee, sich neben dem Sportunterricht ein zweites schulisches Standbein aufzubauen. Beratungslehrerin sollte es sein. Ohne 2. Staatsexamen? Keine Chance, sagte die Bürokratie. Triebel reichte eine Petition im Landtag ein. Aber auch von da kam eine Absage: Als Diplomsportlerin, da habe sie ja keinerlei erziehungswissenschaftliche Ausbildung. Nach über zehn Jahren Arbeit als Lehrerin.

Dass die Grünen nicht in der Regierung sind, bedauert sie. Und setzt auf die nächste Wahl. Wenn die CSU soweit sei. Auch wenn dann Zugeständnisse gemacht werden müssen wie damals nach der Bundestagswahl? „Politische Arbeit ist auch Kompromiss.“ 

Susanne Greiner

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