Johann-Baptist-Baader-Jahr

Vom Baader-Virus infiziert

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Dr. Walter Reitler mit Ingrid Bräuer (rechts) und Franziska Welz (hinten), allesamt im Arbeitskreis Kultur.

Seestall – Wie sehr geschichts­interessierte Menschen aus den Gemeinden Fuchstal, Vilgertshofen, aus der Stadt Landsberg, ja darüber hinaus bis aus Schongau und Weilheim vom „Baader-Virus infiziert sind“, hat der Festakt zum 300. Geburtstag des Rokokomalers deutlich gemacht, zu dem am Samstagabend 150 Besucher in die Gemeinschaftshalle nach Seestall kamen. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Dr. Walter Reitler; er gehört dem Arbeitskreis Kultur in Seestall an und brachte eine „Gegendarstellung“ zum zweifelhaften Ruf des Johann Baptist Baader.

Den Begriff vom „Baader-Virus“ prägte eingangs Franziska Welz. Wie Dr. Walter Reitler gehört sie dem Fuchstaler Gemeinderat an und arbeitet in Seestall im Arbeitskreis Kultur mit. Das insgesamt fünfköpfige Team hat es sich mit Unterstützung von Dr. Albert Thurner aus Vilgertshofen und aus Landsberg (Historischer Verein und Kreisheimatpflege) zur Aufgabe gemacht, den Rokoko-Maler im Jubiläumsjahr vielfältig zu würdigen.

Stellvertretende Landrätin Ulla Kurz fand anerkennende Worte für „Fantasie, Engagement und Idealismus“, mit denen eine ganze Veranstaltungsreihe 300 Jahre nach Baaders Geburtstag entstanden sei. Bürgermeister Erwin Karg meinte kurz und knapp: „Was die Seestaller auf d‘ Füaß stellen, muaß ma erst mal schaffen.“

Dr. Walter Reitler machte es sich im Vortrag zur Aufgabe, den zweifelhaften Ruf zu widerlegen, der Baader vor allem in Peter Dörflers Roman „Die Wesso­brunner“ aus dem Jahr 1941 zugeschrieben wird und der Mitte des 20. Jahrhunderts in einem Fachbuch von Dr. Adolf Fuchs einfach so übernommen worden sei nach dem Motto „Der Dörfler wird scho recht ham“. Johann Baptist Baader, der in Lechmühlen zur Welt kam, sei z.B. kein Wessobrunner. Reitler: „Er war ein Maler vom Lech“.

In Italien, ja bis in Rom, aber auch in Augsburg sei der „Lechhansl“ Schüler bei einigen der bedeutendsten Malern der damaligen Zeit gewesen. Bei Johann Bergmüller in Augsburg habe Baader eine fundierte Ausbildung erhalten. Lange Zeit habe Baader für Propst Franziscus Töpsl in Polling gearbeitet und u.a. dessen einziges Porträt aus dem Jahr 1762 geschaffen.

Baader sei kein Hallodri, kein Trunkenbold und kein Weiberheld gewesen, wie es Dörfler im Roman „Die Wessobrunner“ rüberbringe. Im Gegenteil: Der Lechhansl sei sehr produktiv, sehr fleißig und durchaus angesehen gewesen. Die Charakterisierung des Junggesellen sei zu weit hergeholt. Dörflers Schilderung sei an manchen Stellen gar „anmaßend“, befand Walter Reitler beim Festvortrag in Seestall. Freilich sei der Lechhansl ein freiheitsliebender Kunstschaffender gewesen – eben „ein volksnaher Mensch und kein Hofmaler“.

Die Besonderheit Baaders, der 1780 in Schlehdorf verstarb, ist nach Reitlers Worten dessen Selbstverständnis gewesen, mit Bildern „zu predigen“. So habe sich der Künstler selbst in ein Deckengemälde mitten in die Heilige Familie hineingezeichnet – zu sehen ist dies am Deckengemälde in der Reliquienkapelle in Polling. Der Fleiß Baaders werde dadurch dokumentiert, dass er in 23 Jahren immerhin 21 Fresken geschaffen habe, aber darüber hinaus auch Schränke, Türen und Truhen gemalt habe.

Bei dem Festakt in der Gemeinschaftshalle Seestall stellte Dr. Albert Thurner aus Vilgertshofen das Buch „Johann Baptist Baader – Wiederentdeckung eines Künstlers“ vor. Der Historiker betonte bei der Präsentation, der Band mit 100 Seiten habe nicht den Anspruch eines kunsthistorischen Werkes, sondern ein Buch, „das jeder gern in die Hand nimmt“. Die Texte sind von Dr. Walter Reitler und von Dr. Albert Thurner, die Fotos von Julian Leitensdorfer. Die Gestaltung übernahm Grafikerin Ingrid Bräuer aus Seestall. Sie stellte den 150 Gästen der Feier zugleich den Internet-Auftritt vor; online kann Wissenswertes zum Thema unter www.johann-baptist-baader.de aufgerufen werden.

Bei dem Festakt, den Günther Kraus vom Arbeitskreis Kultur moderierte, sangen der frühere Fuchstaler Bürgermeister Franz Haibl, dessen Tochter Michaela, Sohn Daniel und seine Freundin Sybille das Lied vom Lechhansl, das Harald Zahn 1982 nach einer Melodie von Toni Schmid für den Männerviergesang in Leeder geschrieben hatte. Die Bachmänndle-Musik aus Hohenfurch mit Stefan Linder an der Ziach und dessen Bruder Tobias an der Tuba sorgte für stimmige Musik. Und sie begleiteten schließlich die Seestaller Plattler beim Mühlradl-Tanz. Der wurde bewusst ausgewählt. Denn Baader stammt aus Lechmühlen, wo es viele Mühlräder gab und wo am Sonntag, 28. Mai, die Einweihung des Denkmals erfolgt, bei dem Mühlräder ein wesentlicher Bestandteil sind. 

Johannes Jais

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