Reduktion als Programm

Galerieverein Landsberg präsentiert Kunstausstellung „Slow Down“

+
Die vier ausstellenden Künstler und die Vereinsvorsitzende (von links): Helmuth Hager, Silvia Großkopf, Anemone Rapp, Otto Scherer und Gertrud von Winckler.

Landsberg – Minimalismus in Bild und Skulptur: In seiner sechsten Ausstellung „Slow Down“ zeigt der Galerieverein Landsberg vom 25. Juli bis 26. September in der Zederpasssage Arbeiten der regionalen Künstlerinnen und Künstler Helmuth Hager, Anemone Rapp, Otto Scherer und Gertrud von Winckler.

Ein alter Beatles-Song als Namensgeber der Ausstellung. „Slow Down“ – runter kommen, sich selbst und die Kunst reduzieren, weniger ist manchmal mehr. Das habe nichts mit Corona oder dem Lockdown zu tun, meint Silvia Großkopf, 1. Vorsitzende des Galerievereins, sondern sei schon länger so geplant gewesen.

Für jeden der Künstler zeigt sich die Reduktion auf eine andere Weise. So ergab für Helmuth Hager aus Raisting das Kennenlernen alter und neuer Kunst Japans im Jahre 1999 ein grundlegendes Überdenken in seiner Arbeit. Die logische Folge war für ihn eine sukzessive Reduzierung in der Ausführung seiner Bildinhalte. Das gilt sowohl für seine Malerei als auch für die skulpturalen Werke. In der Ausstellung zeigt er ganz junge Arbeiten, die erst seit Beginn der Corona-Krise entstanden sind. Sein Thema: Immer wieder der Mensch. Habe er den Menschen zuvor als Piktogramm reduziert, sei er jetzt sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe ihn ganz weggelassen. Es bleiben: amorphe Formen, weder fassbar noch definierbar.

Schichtungen, Vernetzungen und Verflechtungen sind die Themen in Gertrud von Wincklers Werk. Im Davor und Dahinter entsteht die räumliche Wirkung. Die Künstlerin aus Weilheim zeigt Farbholzschnitte, Drahtgeflechte und Kuben aus hintereinander oder übereinander geschichteten Acryl­glasscheiben. Etwa 16 aufeinander geschichtete Scheiben, die jeweils eine filigrane Ritzung tragen, wie in ihrem Werk „Scheibchenweise(r)“. Im Inneren ergibt das eine Form – nämlich einen Kopf, den nur sieht, wer ganz genau schaut. „Für mich ist alles miteinander verflochten“, sagt Gertrud von Winckler. „Und im Kopf verbinden sich Gefühle und Gedanken, das Emotionale und das Rationale.“ Auch der Raum ist ein wichtiges Thema in ihrer Kunst. Sie platziere ihre Werke nie „einfach irgendwo“, sondern beziehe sich immer auf den Raum.

Otto Scherer aus Stoffen zeigt Arbeiten aus seinem Werkzyklus 360°. Runde Arbeiten, die an geometrische Grundformen wie Kugel oder Zylinder angelehnt sind. Das Material: Keramik, mit spiegelnder Platinoberfläche bezogen. Platin ist als Material eigentlich sehr teuer. „Aber 2008 gab es einen Crash“, erzählt der Künstler. Der Platin-Preis sei um zwei Drittel gefallen. Hier habe er zugeschlagen – und viele Arbeiten mit Platin in dieser Zeit angefertigt. Damit zu arbeiten, sei gar nicht so einfach. Platinstaub werde mit ätherischen Ölen gemischt. Der Raum müsse absolut staubfrei sein, nicht zu warm, nicht zu kalt, und man brauche einen ganz bestimmten Pinsel. Das Spannende an Platin: Alles spiegelt sich darin. Der Betrachter und auch die anderen Werke, die im gleichen Raum stehen.

Anemone Rapp aus Eching spielt in ihrer Kunst mit der Gegensätzlichkeit: reduzierte, geometrische, monochrome Elemente als Gegenpol zu organischen, teils expressiven Bildinhalten. Wildheit versus Konzentration, Ruhe und Gelassen-Sein. „Sobald das Bild zu offen, zu lebendig, zu wild wird, erstelle ich in fast allen Arbeiten Farbfelder, um wieder die Ruhe und Konzentration für mich herzustellen“, sagt die Künstlerin. Auf diese Weise könne sich auch der Betrachter aussuchen, wie er sich wohler fühlt: in den Streifen, den Feldern, der Ruhe – oder im Floralen, Wilden. Anemone Rapp kombiniert stets ganz verschiedenen Materialien. Es wird geklebt, gegossen und gemalt, mit Acryl, Ölstift, Tusche. Das sei eine gestalterische Freude für sie, mit den Bildern zu spielen und Ideen auszuprobieren.

Nie mehr als vier Künstler werden in der Zederpassage ausgestellt. Das habe sich bisher als Konzept bewährt, meint Silvia Großkopf. „Wir finden es spannend, die Arbeiten der Künstler so zu präsentieren, dass sie den bestmöglichen Eindruck wiedergeben.“ Die Einzelarbeiten würden besonders gut wirken, wenn bewusste Partnerschaften mit anderen Werken eingegangen werden. Sie treten in Dialog miteinander.

Dass das funktioniert, kann man wunderbar sehen. Nicht nur auf den Raum bezogen – zum Künstler kommt etwa ein Bildhauer hinzu. Das gelingt auch über die Räume hinweg. Immer wieder werden Sichtachsen gebildet – innerhalb eines Raumes, aber auch zum Raum im Gegenüber. Auch für den Künstler sei das ein wichtiger Aspekt: um die eigene Arbeit durch die Nachbarschaft mit anderen Künstlern in einem anderen Licht sehen zu können. Nicht im Sinne von Konkurrenz, sondern eines gegenseitigen Anregens. Die Arbeiten sollen sich gegenseitig gut tun. Und das gelingt bestens.
Andrea Schmelzle

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Planungen für einen Kreisverkehr in Kaufering verdichten sich. 
Die Planungen für einen Kreisverkehr in Kaufering verdichten sich. 
Wieder Saisonkarten fürs Inselbad Landsberg
Wieder Saisonkarten fürs Inselbad Landsberg
Im Landsberger "Kongo": Marihuana mit im Boot
Im Landsberger "Kongo": Marihuana mit im Boot

Kommentare