Gammeliger geht’s fast nicht

Zweifelhafte Ehre: Beim Wettbewerb „Gammeligster Bahnhof in Bayern“ belegt der Geltendorfer den 2. Platz. Fehlende Toiletten, undichte Überdachungen und ein Mangel an trockenen Sitzgelegenheiten sind nur einige der Gründe dafür.

Die Idee zu dem Wettbewerb hatte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Toni Hofreiter aus München. Er möchte Druck machen für mehr Investitionen in Bayerns Bahnhöfe. So rief er leidgeprüfte Passagiere dazu auf, ihre Kandidaten für die Negativ-Hitliste vorzuschlagen. Auf Platz 1 wählten der Bundestagsabgeordnete und sein Team den Bahnhof im schwäbischen Gersthofen. Den 2. Platz teilen sich die Bahnhöfe München-Laim, Kempten-Ost und Geltendorf. Gerhard Hempfer aus Utting hatte den Bahn- und S-Bahnhof in Geltendorf vorgeschlagen und eine lange Mängelliste mitgeliefert. Die elektronische Anzeigetafel sei häufig außer Betrieb, die Anzeigen veraltet oder unzureichend. Korrekte Durchsagen gebe es meist nur für die S-Bahn. „Regelmäßig gibt es Wassereinbrüche an den Bahnsteigen 1 und 4/5, so dass der Fahrplan dort nur mit Regenschirm gelesen werden kann“, so Hempfer. Auch in die Unterführung laufe das Wasser. Teilweise fehlen überdachte Sitzgelegenheiten. Hempfer: „Die Aufzüge funk­tionieren manchmal, aber es kann auch sein, dass sie zwei Wochen stehen oder Gäste von der Feuerwehr befreit werden müssen.“ Die Wartehalle sei „eine verdreckte Bruchbude ohne Tür“, der ursprüngliche Warteraum fest verschlossen. Toilette mit Schild Der Gipfel aber sind für Hempfer die Toiletten. Sie sind seit Jahren abgesperrt, die Hinweisschilder hängen jedoch noch. „Das führt dazu, dass Gäste von den hinteren Bahnsteigen mit Koffern, Rädern und Kinderwagen zum Bahnsteig 1 gelockt werden, um dort vor verschlossener Tür zu stehen.“ In letzter Zeit hat der häufige Bahnfahrer sogar beobachtet, dass die Toiletten nachts beleuchtet sind, „damit auch ganz bestimmt ein Fahrgast den vergeblichen Weg auf sich nimmt“. Auf mehrmalige Beschwerden habe die Bahn nicht reagiert. Dafür sieht sie auch keinen Grund, denn das Geltendorfer Empfangs- und Nebengebäude ist längst an eine ausländische Investorengruppe verkauft. Anfragen möge man dorthin richten, teilt die Bahn auf Anfrage mit. Es ist auch diese Kaltschnäuzigkeit, die die Kunden ärgert…

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