Ohne Jobabsprache:

Werkvertrag für den Parteifreund

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Von Andreas Maslo durchforstet aber nach Ansicht der Stadtoberen immer noch informativ genug: Die „neue“ Homepage der Stadt Landsberg.

Landsberg – Vor einem Jahr, in der brandheißen Phase des OB-Wahlkampfes, hat er den damaligen SPD-Amtsinhaber für derlei Vorgänge in der Ver­waltung heftig kritisiert, jetzt muss sich OB Mathias Neuner (CSU) selbst rechtfertigen. 

Gerade mal einen Monat nach seinem Amtsantritt hat Neuner eine Person aus seinem privaten Umfeld via Werkvertrag mit der Überarbeitung der städtischen Homepage be­traut: Andreas Maslo. Der 25-Jährige war Neuners Wahlkampfhelfer, ist CSU-Mitglied und im Vorstand der Jungen Union Landsberg.

OB Mathias Neuner: "Von Spezlwirtschaft keine Spur!"

„Es wundert mich überhaupt nicht, dass so eine Diskussion jetzt aufkeimt“, sagt Neuner auf Anfrage des KREISBOTEN, „darauf habe ich schon lange gewartet.“ Um zwei Dinge sei es ihm bei der befristeten Personalie gegangen: Bei seiner Amtsübernahme war der städtische Internetauftritt mit „über 400 Unterseiten uferlos schlecht“, da musste ganz schnell etwas geschehen. „Das habe ich vor der Wahl stets betont“, ruft Neuner in Erinnerung. Und aus eigener (Wahlkampf-)Erfahrung wisse er, dass Maslo in diesem und im Bereich „Social Media“ topfit sei. Was also lag bei Neuners Ansinnen, die „gesamte Öffentlichkeitsarbeit der Stadt auf neue Beine“ zu stellen, näher, als Parteifreund Maslo mit ins Boot zu holen? Von „Spezlwirtschaft“ könne allein deshalb keine Rede sein, weil der Job im Vorfeld ausgeschrieben worden sei. Das weitaus günstigste Angebot habe Maslo abgegeben, beteuert der OB. Mehr noch, „fast ehrenamtlich“ sei der Projekt-Manager aus Landsberg seit 1. Juni und noch bis 31. Januar 2013 in der Verwaltung beschäftigt.

Maslo und die Agentur „fabrique d’ images ebusiness“, kurz fdi, aus Kempten beraten bei der Überarbeitung der Website, Social Media und Schulungen. Der 25-Jährige engagiere sich weit über erforderliche Maß hinaus, betont der Oberbürgermeister mit Blick auf die „8000 bis 10000 Euro“, die Maslo in Form einer „überplanmäßigen Ausgabe“ aus dem Produktkonto „Presse und Öffentlichkeitsarbeit“ erhält.

Letzteres lässt in Stadtratskreisen aufhorchen. Der Grund: Im Nachtragshaushalt 2012 waren allein für die Überarbeitung des Internetauftrittes 33400 Euro vorgesehen. Auf Beschluss des Finanzausschusses (9:6) wurde diese Position Mitte September ersatzlos gestrichen. Man hatte größere (finanzielle) Sorgen als eine nicht zeitgemäße Homepage. „Spätestens nach diesem Beschluss hätte der OB die Sache stoppen müssen“, übt Grünen-Stadtrat Ludwig Hartmann Kritik, „wir wollten dafür im Jahr 2012 kein Geld ausgeben.“

Sowohl Hartmann als auch SPD-Fraktionschef Dieter Völkel bestätigten auf Nachfrage des KREISBOTEN, von der Beschäftigung Maslos bis dato nichts gewusst zu haben. Da dürfte sie die Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeister noch mehr in Erstaunen versetzen: „Es ist nicht gängig“, lässt Neuner wissen, „jeden Geschäftspartner persönlich vorzustellen; Tätigkeit und Person wurden aber immer offen kommuniziert.“ Völkel, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses, will den Sachverhalt im Moment nicht kommentieren, kündigte aber an, dass er bei der nächsten Gelegenheit eine Anfrage an den OB stellen werde.

Das böse Gerücht, Neuner habe seinem Parteifreund Andreas Maslo für dessen Wahlkampfunterstützung einen Job in der Verwaltung versprochen, wird bei Völkels Anfrage gewiss kein Thema sein. „Herr Maslo betreibt eine Pension (Lech-Pension, Katharinenstraße; d. Red.) und baut seit einigen Jahren ein innovatives internationales Unternehmen mit auf“, beschreibt der OB, und neben diesen Tätigkeiten studiere er noch. Neuner abschließend: „Es gibt definitiv keine Jobabsprache.“ Toni Schwaiger

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