Zu Gast in der Natur

Landwirte und Jäger im Landkreis rufen die Bevölkerung mit Beginn der Vegetationsperiode und der Aufzuchtzeit vieler Tierarten zu Rücksichtnahme und verantwortungsvollem Verhalten in der Natur auf. Durch den anhaltenden Trend, die Freizeit aktiv in der Natur zu verbringen, komme es immer häufiger zu Konfliktsituationen, die sich vermeiden lassen, befinden Michael Schuster von der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft des CSU-Kreisverbandes sowie der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jä- gervereins Landsberg, Manfred Schilcher.

Die Landschaft zwischen Ammersee und Lech sei im Wesentlichen durch land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt – Grundlage für unsere primäre Lebensmittelproduktion. Gleichzeitig bilden sie den Lebensraum für die heimischen Wildtiere. Das Jagdrecht verpflichtet die Jäger zur Erhaltung eines angemessenen Wildbestandes und zur Sicherung seiner Lebensgrundlagen ohne diese Flächen zu beeinträchtigen. Auf der anderen Seite aber steht das Recht der Erholungssuchenden, die täglich mit Hund, Pferd, Fahrrad oder Kanu unterwegs sind, auf das freie Betreten der Natur. „Es ist leicht ersichtlich, dass damit manche Konfrontation vorprogrammiert ist“, so Schuster und Schilcher in einer gemeinsamen Presseerklärung. Deshalb habe der Gesetzgeber Einschränkungen erlassen: Bei der Ausübung des Betretungsrechts sei auf die Belange der Grundstückseigentümer ebenso Rücksicht zu nehmen wie auf die der Nutzungsberechtigten. Die Rechtsausübung anderer, ob nun Landwirtschaft oder Jagd, dürfe nach dem bayerischen Naturschutzgesetzt nicht verhindert oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden. „So dürfen landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit nur auf vorhandenen Wegen betreten werden“, erinnert Michael Schuster, also in der Zeit zwischen Saat oder Bestellung und Ernte, bei Grünland während des Aufwuchses. Schuster: „Das Radfahren und das Reiten ist im Wald nur auf Straßen und geeigneten Wegen zulässig.“ Und nach §19a des Bundesjagdgesetzes sei es verboten, Wild unbefugt an seinen Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten durch Aufsuchen zu beunruhigen, ergänzt Schilcher. Die Vorschrift verbiete ferner die unbefugte Störung des Wildes an seinen Lebensstätten. Viel lieber als diese Vorschriften durchzusetzen, sähen es die Landwirte und Jäger, wenn das Miteinander durch gegenseitiges Verständnis geprägt wäre und Verständnis erfordert Aufklärung. Unnötiger Stress Die häufigsten in der Lech-Ammersee-Region vorkommenden Tierarten sind Rehwild, Hasen, Füchse, Enten und neuerdings vermehrt Wildschweine. Deren Lebensraum ist nicht nur der Wald, sondern auch die Feldflur, bei Rehwild bevorzugt auch die Wald-Feldgrenze. Hier finden sie Nahrung, die sie in einem bestimmten Äsungsrhythmus den ganzen Tag über aufnehmen, hier bringen sie ihren Nachwuchs zur Welt und ruhen sie. Schilcher: „Jede Störung dieses Lebensraums versetzt die Tiere unter Stress, mit der Folge von Entwicklungsstörungen, Abwandern oder erhöhter Verbissbelastung der Waldbäume.“ Schilcher und seine Kollegen wissen aus Erfahrung, dass Hundehalter ihre Vierbeiner nicht selten aus Unwissenheit in Wiese, Waldrand oder Gewässer spielen lassen. Bei den Bodenbrütern, den Junghasen in der Sasse oder den Rehkitzen in ihrem Bett habe es sich allerdings noch nicht herumgespro- chen, dass diese „Raubtiere“ nur spielen wollen oder ihnen angeblich nichts tun würden. Oft merken ihre Besitzer nicht einmal, wie aufgeschrecktes Wild anschließend Opfer des Straßenverkehrs geworden ist. Vermeintlich wildfreie Wiesen sind es oft nicht oder wären es vielleicht nicht, wenn sie nicht beunruhigt werden würden. Nur ein paar Grundregeln „Mit diesem Hintergrundwissen fällt es vielleicht leichter, sich ohne vermeidbare Störungen in der Natur zu bewegen“, hoffen die beiden Vertreter von Landwirtschaft und Jagdverband. Sie raten: in erster Linie die Wege nicht verlassen, den Hund jederzeit wirksam unter Kontrolle haben, die Verschmutzung von Grünfutter durch Hundekot unterbinden und Spaziergänge in der Dämmerung bzw. Dunkelheit nur dort unternehmen, wo keine Störung zu erwarten ist.

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