Neustart mit Hindernissen

Landsberger Gastro: Nicht alle Lokale sind wieder offen

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Gastro mit Abstand und Maske: Manch Lokal wie hier die Likka fährt die Wiedereröffnung mit Einschränkungen. Kleinere Lokale wie „Im Turm“ bleiben geschlossen.

Landsberg – Leere Tische, hochgestellte Stühle – seit Wochen war das das einzige, was von Biergärten und Restaurants übrig blieb. Fast zwei Monate war die Gastronomie geschlossen. Für die Gastronomen wurde die wirtschaftliche Lage von Tag zu Tag bedrohlicher. Nun ist die Zwangspause vorbei. Aber der Kampf um die Existenz geht weiter. Einiges wird sich für Gäste verändern. Dennoch freuen sich die meisten über ein weiteres Stück Normalität. Die Gastronomen bleiben jedoch skeptisch. Und für manche lohnt es sich nicht einmal, zu öffnen.

Seit dem 18. Mai haben Biergärten und Außenbereiche der Restaurants wieder geöffnet – bis 20 Uhr. Seit dem 25. Mai ist auch innen bis 22 Uhr offen. Mit strengen Regularien, Abstands- und Hygieneregeln: An einem Tisch dürfen Personen aus zwei Haushalten beisammensitzen, ansonsten gilt der Mindestabstand. Das Personal muss Mundschutz tragen, die Gäste, wenn sie auf die Toilette gehen. Eine Reservierung ist nicht vorgeschrieben. Die Gäste werden allerdings vom Personal platziert und ihre Personalien werden aufgenommen – um bei einem Ansteckungsfall Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Viele Menschen genießen trotz Restriktionen das Gefühl, wieder mehr im Leben zu sein. Andere bleiben lieber daheim. „Das ist nicht mehr entspannt, da verzichte ich lieber“, sagt Stefan aus Hurlach. Auch die Erfassung der Gästedaten ist umstritten und kommt nicht bei allen gut an. „Meine Daten gebe ich nicht her“, meint Susanne aus Kaufering. Da mache man sich gläsern. „Wir müssen diese Maßnahme einhalten“, so Thomas Mavrapostolos, Geschäftsführer der Likka Landsberg. „Hohe Strafen können wir uns gerade nicht leisten.“ Hier bleibe kein Rahmen zu hinterfragen – unabhängig von der persönlichen Meinung.

Bei gutem Wetter sind die Abstandsvorgaben kein Problem. Außenbereiche der Lokale dürfen von Seiten der Stadt Landsberg erweitert werden, um den Sicherheitsabstand bei gleicher Anzahl von Tischen einhalten zu können. Ein Entgegenkommen für die Wirte, um Verluste möglichst klein zu halten. Bei schlechtem Wetter wird es schwieriger. Denn im Innenbereich können die Abstandsregeln nur durch deutlich weniger Tische eingehalten werden. „Das wird eine harte Zeit“, sagt Mavrapostolos. Innen gebe es 60 Plätze. Auf 20 müsse reduziert werden.

"Im Turm", das Lokal im Bayertor, bleibt vorerst noch geschlossen. Wenn die Außenbewirtung wieder länger erlaubt sei, werde man öffnen, verspricht 'Caruso' alias Matthias Bartels.

Kleine Lokale haben es noch schwerer. Besonders, wenn sie nur einen geringen oder gar keinen Außenbereich haben. Im Landsberger Weinlokal Im Turm bleiben die Türen bewusst zu. „Aufgrund der momentanen Vorgaben macht es für uns keinen Sinn, den Schritt der Wiedereröffnung schon jetzt zu gehen. Würden wir öffnen, wäre das Minus größer als jetzt“, erklärt Matthias Bartels, Pächter des urigen Abendlokals in der historischen Anlage des Bayertors. Erst seit knapp einem Jahr betreibt ‚Caruso‘ es gemeinsam mit Kompagnon Götz Hofmann.

„Unsere Räumlichkeiten sind sehr eng“, sagt Bartels. Das mache es ja so gemütlich. Innen gebe es maximal zehn bestuhlte Plätze. „Wir leben von der Nähe. Bei uns stehen die Leute auch am Tresen und trinken ihr Gläschen Wein. Je enger, desto besser.“ Das sei natürlich im Zuge von Corona nicht möglich. Draußen wäre es zwar einfacher, den Abstand einzuhalten. Hier gäbe es jedoch andere Probleme: „Die 20-Uhr-Regelung ist für uns nicht tragbar. Wir sind ein Abendlokal, kein reines Speiselokal“, betont Bartels. „Genau das, was gerade nicht gewünscht ist, ist unser Ziel. Spaß haben und den Abend genießen.“ Eine Wiedereröffnung zum jetzigen Zeitpunkt stehe der Haus-Philosophie entgegen: viele unterschiedliche Leute an einem Tisch zu haben. „Dass sich der eine zum anderen setzt. Auch außerhalb des eigenen Hausstandes.“ Trotzdem stimmt Bartels den Maßnahmen zu. Ohne die strikten Maßnahmen hätte alles wohl noch länger gedauert. Und außerdem: „Wir haben den Lech, wir haben die Sonne, uns geht’s gut. Wer hier in Landsberg nicht fähig ist, auch so positive Energie zu tanken, der tut mir leid.“

Zwei Monate geschlossene Türen sind für ein Lokal verheerend. Laufende Kosten wie Miete, Strom, Buchhaltung gehen weiter. Die Likka hat zur Überbrückung Gutscheine verkauft –„Pay Now Eat Later“ – eine bundesweite Initiative, um existenzbedrohten Cafés, Bars oder Restaurants zu helfen. Gäste werden damit zum ‚Retter‘ ihres Lieblingsrestaurants. Das sei zwar gut gelaufen, meint Mavrapostolos. Aber das Geld fehle dann ja später. Man beobachte nun viel strenger als sonst die finanzielle Lage. Gespart werden könne vorrangig am Personal. Wie hoch die Verluste am Ende sind, werde sich erst am Ende des Geschäftsjahres zeigen. Vieles werde davon abhängen, wie der Sommer wird, so Mavrapostolos.

Halbwegs entspannt

Auch „Im Turm“ gibt es große Verluste. „Geburtstage, private Feiern, normaler Betrieb, die Touristen – alles fällt ja weg“, sagt Bartels. Das noch so junge Lokal sei gerade erst gut durch den Winter gekommen. „Und dann kam Corona.“ Nun müsse man einen kompletten Neuanfang machen. „Dass wir so gar nicht wissen, wann wir wieder aufmachen können, ist schwierig für uns.“ Schließlich sei der Sommer die wichtigste Zeit, um ein Polster für den Winter zu schaffen. Zum Glück habe man frühzeitig darauf geschaut, gegen solche Eventualitäten abgesichert zu sein. Sowohl Bartels als auch Hofmann konnten in der Krise auf andere Jobs ausweichen. Das sei der Grund, noch halbwegs entspannt zu sein. Dennoch eine Notlösung: „Unsere Passion ist unser Lokal.“

In der Likka wurde die Schließzeit genutzt: für Schönheitsreparaturen oder Saubermachaktionen. „Alles Dinge, zu denen man sonst nicht kommt“, sagt Mavrapostolos. Zu Beginn habe er den Shutdown als eine Art persönliche Verschnaufpause betrachtet. Und ist ‚nebenbei‘ noch Vater eines kleinen Jungen geworden. „Weil ja jetzt Zeit da war, konnte ich die ersten Lebenswochen des Kleinen so richtig genießen.“

Noch etwas Gutes habe die Krise: Die Gastronomen in Landsberg seien zusammengerückt. Es gebe einen großen Austausch, mehr Miteinander, weniger Konkurrenz: „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, so Mavrapostolos. „Ich würde mir wünschen, dass das so weitergeht.“ Auch die Stadt Landsberg engagiere sich für die Gastronomie: „Hier haben wir einen tollen Partner, der alles dafür tut, dass wir die Krise überleben werden“, betont Bartels.

Sorge? Das sei Charaktersache, meint Mavrapostolos. „Ich versuche, nicht zu viel nachzudenken und mache mir erst Sorgen, wenn es nötig ist.“ Es läuft an. Aber gut sei was anderes. Trotzdem freut sich der Likka-Chef, wieder für seine Gäste da sein zu können. Und hofft, noch einmal mit einem blauen Auge davon zu kommen. Auch Matthias Bartels und Götz Hofmann sind bereit für den Neustart Im Turm. Und warten darauf, dass sie draußen länger bewirten können. „Sobald das möglich ist, werden auch wir wieder öffnen“, sagt Bartels. „Wir vermissen unsere Gäste. Und möchten sie möglichst bald wieder bei einem Gläschen Wein lachen sehen."
Andrea Schmelzle

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