Gaudi im Schneegestöber

So ein Landsberger Gaudiwurm ist lang und widerstandsfähig. Er hat unzählige, eigentlich nur kuriose Gestalten zu bieten, Schnee und Kälte trotzt er mit origineller Kostümierung. Musik und ein gelegentlicher Bonbonregen machten die Faschingsstimmung perfekt. Ab zehn Uhr ist es diesmal in neuer Streckenführung durch die Altstadt gegangen, bei der sich die Gruppen am Hauptplatz, am Schnittpunkt Ludwigstraße/ Von-Herkomer-Straße begegneten. Der Umzug von fast 150 Klassen, mit über 3000 Schülern, am Lumpigen Donnerstag begeisterte rund eineinhalb Stunden Schaulustige aus Landsberg und dem Landkreis.

Wie unten gemeinschaftlich gelaufen wurde, wurde oben angekündigt. Die Schülersprecher der Landsberger Schulen teilen sich traditionell das Moderieren des schulischen Umzugs. So kommentierten Johannes Heekereus, Markus Müller- Hahl und Julien Sander vom Fenster des Historischen Rathauses aus das Geschehen. Die Favoriten der „Moderatoren“: die als Nacktscanner verkleidete FOS-Wirtchaftsklasse 12c und die 5c vom Ignaz-Kögler-Gymnasium mit „Hier ist der Impfstoff – Wo ist die Schweinegrippe?“. Da ließ sich staunen, wie Politik interessiert die Jugend tatsächlich ist. Deshalb kamen auch „Wester Willy und die Biene Merkel“; andere wanderten gleich geschlossen als „Schwarz-gelbe Koalition – ein Bienenhaufen“ vorbei. Lokalpolitisch zog die 8e der Johann-Winklhofer-Realschule als „Der alternative Lechsteg“ umher. Mit Gegensätzen beschäftigten sich andere Schüler: ganz klassisch als Engel und Teufel, Schneewitchen und die 27 Zwerge oder Gangsta vs. Agenten. Kritisch gingen viele das Thema Umwelt an, deshalb zeigten Eisbären das Polkappenschmelzen, andere kritisierten als lebender Pappkarton „Zu viel Müll!“. Skeptisch und ganz in Grün trat die K13 des Dominikus-Zimmermann-Gymnasium bei „Man findet keine Freunde im Salat“ auf. Mit Fußballköpfen und in Länderflaggen bekleidet, präsentierten sich die Mädchen und Jungen der Schlossbergschule – sie hatten sich wie weitere Gruppen schon der WM in Südafrika verschrieben. Um kurz vor halb zwölf ging der Zug, der nicht nur mit Partymusik aus Lautsprechern auf seinem Weg beschallt wurde, sondern in dem auch selbst Kapellen unterwegs waren, zu Ende – die meisten Jugendlichen feiert aber weiter. Damit dies nicht zu übermütig getan wurde, war die Polizei sehr präsent in der Innenstadt – die Strecke des Gaudiwurms wurde „bewacht“ und die Faschingstreibenden in der Altstadt auf Hochprozentiges kontrolliert. Sie mussten damit rechnen, dass Spirituosen oder Mixgetränke ausgeschüttet oder sichergestellt wurden. Die Bereitschaftspolizei aus München kam mit rund 40 Mann zur Verstärkung. Am Bahnhof sorgte die Bundespolizei aus Weilheim für Ruhe und Ordnung. Polizisten aus Fürstenfeldbruck unterstützten die Landsberger am Abend. „Durch diese verstärkte Polizeipräsenz konnte größere Streitigkeiten von Alkoholisierten gar nicht erst aufkommen“, sagt Franz Kreuzer, Pressestelle der Polizei Landsberg. Zu ausschweifend haben laut Kreuzer ein 17-Jähriger (mit fast drei Promille) und zwei 14-jährige Mädchen gefeiert – hier folgt eine Anzeige und ein Bericht ans Jugendamt. Bei drei Besuchern wurde ein Messer, eine Holzkeule und ein Schlagzeug sichergestellt. Auf Drogenfahrt erwischte die Polizei einen 21-Jährigen, den nun ebenfalls zwei Anzeigen erwarten. Es lief insgesamt in geordneten Bahnen, während des Umzugs gab es laut Kreuzer keine Störungen. Zufrieden mit dem Gaudiwurms ist Anton Sirch vom städtischen Eigenbetrieb FUN, der erstmals als logistischer Veranstalter auftrat.

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