Landsberger Stadttheater feiert sein 140-Jähriges

Stadttheater im Galakleid

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Das „alte“ Theater, noch mit dem ehemaligen Foyer als Verbindung.

Landsberg – 1874. In der Schlossergasse steht ein Stadel. Früher war es das Storggenbad. Jetzt ist es ein Lager für das benachbarte Spital. Doch das ist gerade niedergebrannt – das Lagerhaus hat überlebt. Stadtbaumeister Josef Jaiß erhält den Auftrag, dort ein Theater zu planen. Der erste Entwurf ist der Stadt zu schlicht. Also plant Jaiß repräsentativer. Und am 25. Juli 1878 öffnet sich zum ersten Mal der Theatervorhang für die Spieltruppe der „Bürger-Theatergesellschaft“. Heute, 140 Jahre später, ist das Landsberger Stadttheater dank ambitionierter Kulturschaffender ein Hort der Film-, Theater- und Konzertkultur. Und all das im architektonischem Galakleid.

Theaterbegeistert war Landsberg schon immer. Und durch den von den Jesuiten 1693 in ihrem Gymnasium eingerichteten Theatersaal findet diese Begeisterung auch ein Zuhause, selbst nach Auflösung des Ordens. Schon 1802 gründet sich die „Liebhaber-Theatergesellschaft“ – Laien, jedoch von Hofschauspielern unterrichtet. Das Programm ist bunt: vom „Freischütz“ über Stücke des Mozart-Librettisten Schikaneder bis hin zu Zeitgenössischem wie Kotzebue. Mitte des 19. Jahrhunderts will man gar Passionsspiele aufführen. Aber dem schiebt das Bischöfliche Ordinariat Augsburg einen Riegel vor.

Unter anderem ist unter den vielen Laienschauspielern auch ein gewisser Alois Kobres. Und dessen Haus in der Schlossergasse wird zum heutigen Theater. Das Stück, mit dem die „Bürger-Theatergesellschaft“ das neue Theatergebäude im Juli 1878 einweiht, ist „Die Fabrik von Niederbronn“ von Ernst Wichert: sozialkritisch und nahezu avantgardistisch.

Nach dem Ersten Weltkrieg gründet sich die „Dramatische Vereinigung“. Die bringt Reißer wie „Pension Schöller“ oder auch das „Weiße Rößl“ auf die Bühne. Und geht sogar auf Tournee. Das Theater boomt. Weshalb bereits von 1922 bis 1924 das Theater umgebaut wird: In den gleichen Räumen wie heute finden nach diesem Umbau 461 Besucher einen Sitz- und 130 einen Stehplatz. Die Aufführung von Ludwig Thomas „Der alte Feinschmecker“ sollen sogar 700 Menschen gesehen haben. Sagt die Legende.

Im Zweiten Weltkrieg steht das Programm unter nationalsozialistischer Kuratel. Aber nach Kriegsende wird dem Stadttheater für kurze Zeit ein besonderes Highlight gegönnt: ein eigenes Ensemble, die „Landsberger Bühne“ unter dem ehemaligen Oberspielleiter aus Dessau Richard Härtel. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Leute stehen Schlange, um Karten zu ergattern. Das Aus für das Ensemble kommt durch die Währungsreform 1948. Die Menschen können endlich lang Ersehntes wieder kaufen. Aber fürs Theater reicht das wenige Geld noch nicht. Die „Landsberger Bühne“ geht pleite.

Das Laientheater, aus dem die heutige „Landsberger Bühne“ stammt, kommt hingegen aus dem Ruethenfest. Und wird vom theaterbegeisterten Peps Pschorr aufgebaut. Bis sich schließlich 1963 die „Laienspielbühne der Volkshochschule Landsberg“ gründet.

Als 1985 das Spital saniert wird, ist auch der Theaterumbau geplant. Das Gebäude ist noch durch einen Behelfsbau mit dem Spital verbunden – das ehemalige „Foyer“. Das muss weg. Und das Theater saniert werden. Aber bis die Finanzierung steht, vergehen acht Jahre. Ende 1993 geht es dann mit dem Entwurf von Wolfgang-Eckard Lüps los: ein neue Fassade für das neue Foyer, dessen Innenraum, der Theatergarten. Und die Glasverbindung zum Theatersaal, da, wo früher das Foyer war. Gesamtkosten: knapp 15 Millionen Euro. Zwei Jahre später, im Oktober 1995 wird das neue Gebäude feierlich eröffnet. Die Stadt ist zwar um zwei Millionen Euro ärmer. Aber um ein glanzvolles Theater reicher.

Jubiläumsprogramm

Beim Programm zum 140-Jährigen lässt sich das Stadttheater nicht lumpen: Neben dem Sommertheater (siehe oben) verwandelt am 28. Juli ab 20:30 Uhr die seit ihrem legendären Soundlaster-Auftritt bekannte Bigband Dachau mit ihrem „verdammten Beat“ das Foyer in eine Partymeile – dank Soundlasterchefin Sybille Engels. Am 2. Juli kommt Prominenz: Nach langen Versuchen hat es Edmund Epple geschafft, Johnnys älteste Tochter Rosanne Cash nach Landsberg zu locken. Ab 20 Uhr ist die Grammy-Preisträgerin mit ihren country-angehauchten Songs zu hören und zu sehen. Ein Wermutstropfen: Das Konzert ist schon lange ausverkauft.

Möglich ist so ein Programm nur durch finanzielle Unterstützung: Die Freunde des Landsberger Stadttheaters TILL und die DELO-Herold-Stiftung haben dafür gesorgt, dass hochkarätige Künstler zum Jubiläum – und auch seit Jahren – ins Theater eingeladen werden können.

Susanne Greiner

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