Der gebürtige Landsberger Oliver Miller schreibt Horror- und Fantasy-Romane

Guter Horror hat kein Happy End

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Schon drei Romane geschrieben: Oliver Miller bereist die dunklen Seiten der Seele.

Landsberg – Wenn es um düstere Szenarien und grausige Legenden geht, ist Oliver F. Miller der richtige Mann. Der gebürtige Landsberger hat in den letzten Jahren drei Bücher veröffentlicht, die im Horror und Dark-Fantasy Bereich anzusiedeln sind. Noch kann er von seiner Passion nicht leben, sondern arbeitet bei einer großen Firma in Schongau. Doch in seiner Freizeit bereist er ganz andere Welten und spinnt die Geschichte um die „Taa-Noon“, wie auch sein Debüt von 2015 heißt. Sein umfangreiches Werk „Die Tausend Dunklen Wasser“ erschien 2018 als eigenständiges Horrormärchen. Mit „Der lichtlose Mann“ vollendete Miller im April 2020 seinen dritten Roman und kehrt mit diesem Prequel in die Welt der „Taa-Noon“ zurück. Der KREISBOTE hat sich mit ihm über seine Passion unterhalten.

Herr Miller, wie fing es denn mit der Schreiberei an? Wo liegen die Ursprünge für „Taa-Noon“?

Miller: „Ich habe mit der Geschichte schon angefangen als ich 14 Jahre alt war. Dann lag der Text sehr lange herum und ich widmete mich anderen Dingen, wie zum Beispiel Reisen und der Musik. Ich bin ja auch Sänger und Gitarrist. Aber mich ließ ,Taa-Noon‘ nie los und ich dachte immer wieder daran. Eines Tages habe ich mich dann hingesetzt und das Buch wieder in Angriff genommen. Ich dachte mir, ich muss es einfach versuchen, sonst wird es mir niemals Ruhe lassen.“

Wie finden Sie denn neben Ihrer beruflichen Tätigkeit die Zeit zum Schreiben? Wann schreiben Sie am liebsten?

Miller: „Ich kann das gar nicht spezifizieren. Ich habe auch kein Büro oder einen Arbeitsplatz zuhause. Meine Frau und ich haben versetzte Arbeitszeiten, so dass ich immer mal ruhige Momente habe. Ich setze mich dann hin und merke schon nach fünf Minuten, ob es geht oder nicht geht. Wenn es gut läuft, schreibe ich alles runter, wie mir der Schnabel gewachsen ist und bei nächster Gelegenheit lese ich mir das dann durch. Ich habe keine festen Zeiten zu denen ich schreiben kann, deshalb dauert es auch zwei Jahre, bis ich mit einem Buch fertig bin.“

Dann sind Sie dabei ziemlicher Einzelkämpfer, denn Sie veröffentlichen im Eigenverlag bei Amazon und haben keinen Lektor eines Verlags im Rücken, der Ihre Texte bewertet.

Miller: „Meine Frau, die lange bei einer Zeitung gearbeitet hat, ist meine erste Leserin und korrigiert auch noch den letzten Punkt. Bei meinem zweiten Buch, das mit über 500 Seiten sehr lang geraten ist, hat sie auch Kürzungen vorgeschlagen, aber ich wollte das alles so drin haben, wie es nun ist.“

Wenn ein Buch die Qualitätsprüfung der Gattin durchlaufen hat, wem geben Sie es dann zu lesen? Guten Freunden und Verwandten etwa?

Miller: „Meine Mutter hat beispielsweise ,Taa-Noon‘ sehr früh gelesen und war etwas schockiert. Sie kennt mich aber natürlich sehr gut und weiß, wie ich ticke, also hatte sie etwas in der Richtung erwartet. Egal, wem ich es zu lesen gebe: Ich bitte immer um ehrliches und offenes Feedback. Denn nur das bringt mir was und kann ausgewertet werden.“

Nun haben Sie sich für Ihr erstes Buch ein sehr klassisches Horror-Thema ausgesucht, wie man es zum Beispiel von „Evil Dead“ oder „Cabin In The Woods“ kennt. Wie kam es dazu?

Miller: „Ich habe natürlich viele Horrorfilme gesehen, wo es um junge Leute in einer abgeschiedenen Hütte geht, denen schlimme Dinge passieren. Aber in einem Buch hatte ich das noch nicht gelesen. Und ich wollte auf keinen Fall austauschbare Charaktere erschaffen, sondern Personen mit einer Geschichte und Tiefgang. Und parallel dazu gibt es natürlich noch die Story um den eigentlichen Bösewicht, der schließlich in der Hütte auftaucht.“

Und woher kommt die Leidenschaft für das Genre Horror?

Miller: „Ich habe schon als Schüler ein Referat über Stephen Kings ,The Shining‘ gehalten. Die Mitschüler waren etwas schockiert. Der Lehrer hat mir nicht nur eine Eins gegeben, sondern mich auch zur Seite genommen und mir ,Das Parfüm‘ von Patrick Süskind empfohlen. Ein sehr guter Tipp. Das gehört immer noch mit zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Ansonsten habe ich viel King, Hohlbein und Tolkien gelesen. Viele verstehen meine Vorliebe für morbide Themen und Fantasy nicht. Für mich hat guter Horror kein Happy End. Das schließt sich praktisch aus.“

Warum haben Sie das Setting in Colorado, USA gewählt? Hätte das nicht auch alles in einem düsteren Bergdorf in den Alpen spielen können?

Miller: „Darauf haben mich natürlich auch andere Freunde hingewiesen. Ich war aber von den Namen und allem anderen her schon so festgefahren, dass ich da nicht mehr raus kam. Ich muss auch gestehen, ich war noch nie in den USA (lacht) und im Nachhinein war es vielleicht nicht die beste Idee. Mein zweites Buch spielt aber komplett in Deutschland und das dritte in Schottland.“

Damit kommen wir auch zu Ihrem zweiten Buch „Die Tausend Dunklen Wasser“, das nichts mit dem Taa-Noon-Universum zu tun hat. Wie kam es dazu?

Miller: „Ich kannte wirklich nur den Anfang der Geschichte und hatte keine Ahnung, wo es mich hinführen würde. Die meisten Ideen kommen mir tatsächlich während ich schreibe. Ich habe mal versucht, mir einen Plan zu machen und danach vorzugehen, aber es kommt einfach immer wieder was dazwischen. Da lasse ich mich gerne von mir selbst davontragen und bin unberechenbar. Das Schreiben ist für mich genauso spannend, wie es das Lesen hoffentlich später für andere ist.

Das zweite Buch ist nun eher märchenhafte Dark-Fantasy und auch ein bisschen böse. Es geht um verschiedene Welten und ist vielleicht ein bisschen zu umfangreich geworden. Ich verliere mich einfach in manchen Geschichten und möchte sie zu Ende erzählen. Es geht im Großen und Ganzen um ein Kind, das in schwierigen Verhältnissen lebt und eine Flucht aus dieser Welt gefunden hat. Alles in allem ist die Geschichte wesentlich komplexer, aber in sich abgeschlossen. Es sind viele Themen im Buch, die mir persönlich sehr am Herzen liegen. Vielleicht habe ich auch etwas aus meiner eigenen Kindheit verarbeitet.“

Nun schreit „Taa-Noon“ förmlich nach einer Fortsetzung, denn das Ende ist ein echter Cliffhanger. Mit „Der lichtlose Mann“ haben Sie allerdings die Vorgeschichte beschrieben, über die wir hier natürlich nicht viel erzählen dürfen. Ist denn mit einer Fortsetzung noch zu rechnen?

Miller: „Ja, aber erst einmal werde ich ein Buch mit Kurzgeschichten schreiben. Da habe ich schon Ideen und vielleicht klappt das auch schneller, weil es sich ja um viele kleine Projekte handelt. Erst danach werden die Leser erfahren, wie es mit den ,Taa-Noon‘ weitergeht. Ich kann aber versichern, dass ich schon weiß, wie das letzte Buch der geplanten Trilogie anfängt.“

Herr Miller, dann werden wir uns wohl in Geduld üben müssen. Wir wünschen Ihnen aber weiterhin viele tolle Ideen und Muße zum Schreiben.

Dietrich Limper

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