Moreth Company feiert Premiere

Das Spiel von Macht, Liebe und Tod

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Fatales Ende eine Affäre: Valmont (Stefan Lehnen) hat sich von seiner Geliebten Madame de Tourvel (Noelle Cartier van Dissel, liegend) auf Verlangen der Marquise (Nathalie Schott) losgesagt.

Landsberg – Es war ein mutiger Schritt von Regisseur Konstantin Moreth: die Gründung eines eigenen Ensembles, noch dazu auf eigenes Risiko, der Start mit der Inszenierung eines Stücks, dessen Adaptionen und Verfilmungen den meisten Zuschauern bekannt sein dürften. Doch nach der Premiere am Donnerstag dürfte klar sein, dass sich dieses „Experiment“ gelohnt hat: eine gelungene Inszenierung mit großartigen Schauspielern.

„Gefährliche Liebschaften“ – der deutsche Titel des 1782 erschienenen Briefromans von Choderlos de Laclos „Liaisons dangereuses“ ist eigentlich irreführend, geht es zwar primär, aber nicht ausschließlich um Beziehungen erotischer Natur, auch Freundschaften und Verwandschaftsbeziehungen können gefährlich sein. Besonders, wenn sie mit der Marquise de Mertueil in Verbindung stehen, die aus bloßem Vergnügen und Machtgier jeden ins Verderben stürzt, der ihr nahesteht.

Gefährliche Liebschaften im Stadttheater

Nathalie Schott ist eine wunderbar böse Marquise: vorgeblich freundlich, mitfühlend, ja mitleidend, entlarvt sie sich selbst durch ein maliziöses Lächeln. Ohne Maske ist sie allein im Zusammenspiel mit dem Vicomte de Valmont (Stefan Lehnen), ein Duo Infernal. Lehnen ist ein starker Valmont, sehr sicher, fast schon routiniert in den Ausführungen seiner Intrigen, direkt im Angriff. Besonders berührend seine „Ab- schiedsszene“ mit Madame de Tourvel, bei der man die Anstrengung, sich gegen seinen Willen von der Geliebten zu trennen, bis in den Zuschauerraum spürt, ebenso wie den Schmerz der Tourvel, mit hoher Intensität gespielt von Noelle Cartier van Dissel.

Ebenso brillant besetzt sind Elisabeth Günther als Madame de Volanges, Hannah Moreth als süß-naive Cécile und Marcel Sturm als Chevalier Danceny. Regisseur Konstantin Moreth trat als Autor in Erscheinung, der mit der Attitüde eines Puppenspielers die Akteure durch die Handlung führte. Zwar braucht das Spiel zu Anfang etwas, um in Schwung zu kommen, dann aber überzeugen Darsteller und Inszenierung, die viele intensive Momente enthält.

Die Fassung von Manfred Wekwerth (entstanden 1999), die hauptsächlich Teile des Briefromans, aber auch Texte von Francois Villon, Baudelaire und Charakterstudien von Heiner Müller enthält, lebt vom gekonnten Verknüpfen von Brie- fen und Spielhandlung. Durch deren Verschmelzen ist es dem Zuschauer möglich, die Charaktere aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten: ihre Handlungen und ihre brieflichen Schilderungen, die mitunter konträr sind, wie in einem Kaleidoskop zu betrachten.

Zusammen mit der Musik, die gekonnt Barock mit Moderne verbindet (Kompositionen: Philipp Ortmeier) und starken, farbigen Bildern ergibt sich ein stimmiges Ganzes, das durch viele humorvolle Momente die Abgründe der Handlung noch verstärkt. Dem Zuschauer bleibt sprichwörtlich das Lachen im Halse stecken, aus Amusement wird Entsetzen.

Es war ein überaus geglückter Start für das neue Landsberger Ensemble, ein Start, der richtig neugierig macht auf die weiteren Projekte der Moreth Company.

Elisabeth Müller

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