Gefiederter Gast aus Masuren

Eine junge Lachmöwe aus Masuren haben Vogelkundler in Dießen entdeckt. Foto: Privat

Der gefiederte Gast trägt einen weißen Farbring mit schwarzer Schrift. Darauf lässt sich, sofern man ein leistungssstarkes Fernglas zur Hand hat, die Kombination TJ50 ablesen. So konnten Ornithologen jetzt herausfinden, dass eben jende Lachmöwe als Dunen-Küken am 12. Juni 2010 in Wejdyki (Masuren) in Polen beringt wurde. Im Herbst flog sie rund 1000 Kilometer weit an den Ammersee, wo sie ihren ersten Winter verbringt.

Pünktlich zum 40. Jubiläum der Ramsar-Schutzkonvention überwintern erstmals seit langem wieder über 20000 Wasservögel am Ammersee. „Das ist ziemlich rekordverdächtig“, sagt Gebietsbetreuer Christian Niederbichler, „waren es doch in den letzten Wintern manchmal nur halb so viel.“ Der von Beginn an strenge Winter in Nordosteuropa scheint die hohen Zahlen befördert zu haben. Mitte Dezember hielten sich bereits mehr als 16000 Tiere auf dem See auf. Knapp die Hälfte der Überwinterer stellen 10000 Bläßhühner dar. „Aber keine Sorge, die ziehen im Frühjahr wieder weg, am See brüten nur 30 Paare“, so Niederbichler. An selteneren Arten überwintern 100 Kolben-, 28 Berg- und zwei Samtenten, eine arktische Eisente sowie zwölf Singschwäne am Ammersee. Die Erfassungen der winterlichen Wasservögel findet zu einem international koordinierten Termin statt, zuletzt die Mittwinter-Zählung am 15. Januar. Dabei ist der Ammersee in 13 Abschnitte eingeteilt, die von zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern, alle passionierte Ornithologen, abgesucht werden. Die dienstältesten Vogel­- kundler, Johannes Strehlow aus Germering und Joseph Willy aus Schondorf, zählen bereits seit 1966 am Ammersee.

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