Geformte Kunst zum Anfassen

Eine kleine Verschnaufpause gönnte sich Finanzminister Georg Fahrenschon, der an Christi Himmelfahrt den Töpfermarkt eröffnete, zwischen zwei hübschen Mädchen aus der katalanischen Keramikwerkstatt Gorriz. Foto: Nagl

Der Dießener Töpfermarkt hatte die Marktgemeinde am vergangenen Wochenende fest Griff: An Christi Himmelfahrt begann die blauweiße Inszenierung, die binnen vier Tagen 55000 Besucher an den Ammersee lockte, mit einem stimmungsvollen Auftakt. Majestätisch tauchte die Grande Dame des Ammersees, der Raddampfer Diessen, mit viel Prominenz an Bord am Horizont auf. Und kaum hatte Minister Georg Fahrenschon den Fuß auf die Planken des Dampferstegs gesetzt, spielten bereits die Musiker des Trachtenvereins auf und die Trachtenjugend bat zum Tanz. Am Sonntag endete der Markt allerdings mit einem wüsten Gewitter.

Es sei ihm ein große Freude, betonte Fahrenschon bei seiner Eröffnungsansprache, diesen hochkarätigen Markt vor der Kulisse der schönen Ammerseelandschaft eröffnen zu dürfen. Die Stars auf dieser schönen Bühne, daran ließ der Minister keinen Zweifel, seien die 160 Aussteller aus elf Ländern, die hier einen „unvergleichlichen Variantenreichtum“ ihrer Keramikkunst präsentierten: „Sie bereichern mit ihrem Talent unsere Gesellschaft“. Beim anschließenden Rundgang, geführt von Marktleiter Wolfgang Lösche, hatten der Minister und seine Begleiter Gelegenheit, mit dem koreanischen Keramikprofessor Kap Sun Hwang ins Gespräch zu kommen. Für den 47-jährigen Künstler und Wissenschaftler steht der keramische Wissenstransfer zwischen Korea und Deutschland im Mittelpunkt seiner Arbeit. Nur wenige Schritte weiter traf Fahrenschon auf Keramikmeister Gerhard Trommler aus Oberfranken. Sein Ziel sei es, so Trommler, „Ästhetik nicht nur für die Vitrine, sondern für den täglichen Gebrauch zu schaffen.“ Im Infozelt im Südteil der Seeanlage nutzte Fahrenschon die Gunst der Stunde zu einem Gespräch mit Meisterschülern der Keramikschule Landshut, die ebenso wie der Berufsverband Kalkspatz Marktbesucher über Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten in ihrem kreativen Berufsfeld informierten. Zu den zahlreichen Höhepunkten der Markttage gehörte zweifellos die Verleihung des Dießener Keramikpreises 2011. Hier gaben gleich vier Frauen den Ton an: Der mit 3000 Euro dotierte Preis zum Thema „Vasen“ ging an Elke Sada aus Hamburg. Sie selbst nennt ihre archaisch anmutenden Objekte „Hallstattgefäße“. Sadas Vasenduo wurde aus Tonplatten frei aufgebaut und trägt eine kraftvoll expressive, freie Bemalung, so dass die Gefäße auch ohne Blumen repräsentativ und prunkvoll wirken. „Was auf den ersten Blick wie ein spontanes Patchwork aussieht, verrät bei genauerer Betrachtung eine malerisch Qualität, die Farben klar zueinander ordnet, Kontraste aber auch Übergänge von Außen nach Innen schafft“, urteilte die Jury, der hochkarätige Fachleute wie Professor Florian Hufnagl, Leiter der neuen Sammlung München, und Konservatorin Corinna Rössner angehörten. Besonders freute sich Marktleiter Wolfgang Lösche, dass von der Jury zusätzlich zwei Anerkennungen ausgesprochen worden waren. Sie gingen an Susanne Petzold aus Dresden und an Christiane Wilhelm aus München. Petzolds Vasenpaar aus feinem, weißem Porzellan zeichnet sich durch eine papierartige, grafische Subtilität aus, die beim Betrachter Neugierde und Aufmerksamkeit weckt. Das Vasentrio von Christine Wilhelm brilliert durch seine sensible Oberflächengestaltung, die sich durch eine „fast textile“ Wirkung auszeichnet. Eine Anerkennung für die schönste Standgestaltung beim Töpfermarkt, gestiftet von der Keramikunternehmerin Andrea Wolbring aus Baldham, gab es für die Keramikmeisterin Petra Bittl aus Bonn. „Ausverkauft“ hieß es bei einigen Marktständen schon am Sonntagvormittag und auch Marktleiter Wolfgang Lösche zeigte sich hochzufrieden: „Für mich war es inhaltlich einer der schönsten Märkte bisher. Die Qualität war überragend“. Eine Wahrnehmung, die von Besuchern, Keramikern, Sammlern und Galeristen bestätigt wurde.

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