Gegen das Vergessen

Gut 500 Demonstranten demonstrierten am Jahrestag des Reaktorunfalls von Tschernobyl gegen die Atomkraft. Foto: Peters

Noch bis vor kurzem hätten viele Deutsche die Frage, was am 26. April 1986 geschah, wohl mit einem ahnungslosen Schulterzucken abgetan. Die nukleare Katastrophe, die vor 25 Jahren in Tschernobyl passierte und Europa in eine Strahlenwolke hüllte, war in Vergessenheit geraten – bis nun der Super-GAU im japanischen Fukushima die Erinnerung in schrecklicher Weise wiederbelebte. Wie sehr das ferne Unglück die Bürger hierzulande berührt, zeigte sich am Dienstag voriger Woche: Über 500 Landsberger demonstrierten am Jahrestag von Tschernobyl mit einem Protestzug durch die Innenstadt für ein Ende der Atomkraft.

Aufgerufen dazu hatte ein parteiübergreifendes Bündnis aus Grüne, SPD und ÖDP, unterstützt vom Bund Naturschutz sowie der evangelischen Jugend. Dass derart viele Teilnehmer ihrem Aufruf folgen würden, damit hatten die Veranstalter freilich nicht gerechnet. Angemeldet sei die Aktion für 250 Personen gewesen, erklärte Grünen-Stadtrat Henrik Lüßmann, der die Kundgebung auf dem Hellmair-Platz moderierte. Zuvor waren die Demonstranten, mit Plakaten und Transparenten bewaffnet, vom Landsberger Bahnhof über den Hauptplatz gezogen. Als erster Redner betrat Ludwig Hartmann die provisorische Bühne vor der Stadtpfarrkirche. In einer enthusiastischen Rede wetterte der Landsberger Stadtrat und energiepolitische Sprecher der Grünen im Landtag gegen die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke der Bundesregierung und forderte den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. „Das Restrisiko ist nicht wegzudenken. Es kann immer und überall eintreten. Das hat Fukushima gezeigt.“ Man müsse nun den Mut haben, neue Wege zu gehen. Hartmann machte allerdings auch klar, dass es die Energiewende „nicht zum Nulltarif“ geben werde. Dazu gehöre etwa, Ja zur Windkraft im Landkreis zu sagen, denn Strom müsse künftig in der Region erzeugt werden. Auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) warb für eine stärkere kommunale Energiepolitik. In Landsberg sei man mit den Stadtwerken schon auf einem „guten Weg“. Der Bundesregierung warf Lehmann vor, den Atomausstieg durch die Verlängerung der Laufzeiten „ohne Not“ aufgegeben zu haben. Als eine „tödliche Form der Energiegewinnung“ geißelte der ÖDP-Kreisvorsitzende Wolfgang Dörsam die Atomkraft. Gleichzeitig hielt Dörsam das „Ende der billigen Energie“ für gekommen. Dass der Ausstieg aus der Atomenergie nicht ohne gravierende Veränderungen einhergehen kann, betonte auch der evangelische Pfarrer Detlev Möller. „Unser materialistisches Leben kostet viel Energie. Ein Nein zur Atomkraft impliziert daher auch einen anderen Lebensstil“, machte der Geistliche klar. Die Kernkraft bezeichnete er als Beispiel für „negatives Schaffen“.

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