Zivilschutzprüfung öffnet Türen

Die geheimen Etagen der Landsberger Schlossberggarage

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Alle zwei Jahre führen die Stadtwerke in der Schlossberggarage die Zivilschutzprüfung durch. Das eröffnet Einblicke in Sohle und Kalotte.
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Alle zwei Jahre führen die Stadtwerke in der Schlossberggarage die Zivilschutzprüfung durch. Das eröffnet Einblicke in Sohle und Kalotte.
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Alle zwei Jahre führen die Stadtwerke in der Schlossberggarage die Zivilschutzprüfung durch. Das eröffnet Einblicke in Sohle und Kalotte.
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Alle zwei Jahre führen die Stadtwerke in der Schlossberggarage die Zivilschutzprüfung durch. Das eröffnet Einblicke in Sohle und Kalotte.

Landsberg – Offiziell heißen sie Zivilschutzanlagen. Der Volksmund sagt hingegen Atomschutzbunker. Gebaut wurden viele in den Zeiten des Kalten Krieges, andere aber auch später – zum Beispiel ab 1988 die städtische Schlossberggarage in Landsberg. Eigentlich eine Tiefgarage, ließe sie sich im atomaren, chemischen oder biologischen Notfall luftdicht abriegeln, während ein riesiges Filtersystem für ‚gute Luft‘ sorgt. Vor Kurzem haben die Stadtwerke Landsberg wieder einmal getestet, ob noch alles funktioniert. Bei der sogenannten Zivilschutzprüfung.

Dass die überhaupt durchgeführt wird, ist den Stadtwerken als Betreiber der Tiefgarage zu verdanken. Denn wurde die Prüfung früher von der Bundesregierung finanziert, wurden bundesweit alle Schutzräume entwidmet: Da die Regierung keine Bedrohung mehr sah, gab sie 2007 die öffentlichen Schutzräume auf – und überließ den jeweiligen Kommunen oder Eigentümern die weitere Nutzung. In Landberg geschah das 2010. Neben der Schlossberggarage gibt es auch noch die Tiefgarage unter dem Landratsamt, die früher ein solcher Schutzraum war, seit der Entwidmung aber nur noch als normale Tiefgarage dient. Ob da noch alles funktioniere, könne man nicht sagen, meint Landrat Thomas Eichinger. Denn dort führe niemand mehr Zivilschutzprüfungen durch. Allerdings gibt es in den Tiefen des Landratsamtes noch einen weiteren Raum, der regelmäßig auf seine Schutzwirkung geprüft wird: die Schaltzentrale für den Katastrophenfall.

Schlossberggaragenchef Hans-Peter Müller schließt eine Tür neben dem Stahltor auf, die beim Ausgang zur Gogglgasse zu sehen ist: riesig, dick und schwer. Diese Tore sind an allen Zugängen sowie der Ein- und Ausfahrt der Schlossberggarage zu finden. Sind sie zu, kommt kein Lüftchen mehr rein – und nicht raus. Die Tür daneben führt zu einer der drei Schleusen, die anderen beiden sind am Schlossberg und Hofgraben. Die Schleusen sind kleiner als die Stahltore, aber mindestens so dick. Und sie werden mit rund 50 Zentimeter langen Bolzen verschlossen.

„Hier hätten im Notfall 5.000 Menschen Platz“, informiert Garagenchef Müller. Gezählt werden die bei den Schleusen. „Wenn wir bei 5.000 sind, müssen wir zumachen.“ Und wer dürfte rein und wer nicht? Dafür gibt es bei den Stadtwerken keine Regelungen, auch die Stadt weiß von keinen Kriterien oder gar einer ‚Namensliste‘, informiert Pressesprecher Andreas Létang.

Das Herz der Garage

Die 5.000 Menschen haben fünf Stockwerke zur Verfügung. Denn neben Parkdeck A, B und C hat die Tiefgarage auch ein weiteres Untergeschoss, die Sohle, und ein Dachgeschoss, die Kalotte. In der Sohle sitzt das Herz des Schutzraumes: die Lüftungszentrale. Am Eingang zur Sohle hängt das „Sanitär-Schema“: Wo stehen Toiletten, wo Wasserspender, wo die Mülltonnen? Bereiche, die mittels Planen abgesteckt werden, die im vorderen Bereich der Sohle an Gestellen aufgehängt sind. Bis man zur Lüftungszentrale kommt, muss man noch ein ganzes Stück gehen: Die Sohle ist länger als die Parkdecks. „Am hinteren Ende steht man hinten unter der Neuen Bergstraße in der Krachenbergschlucht“, sagt Müller.

Vor der Lüftungsanlage haben die Stadtwerke für die Prüfung eine ‚Einsatzzentrale‘ aufgebaut: zwei Tische, eine Wandtafel, fünf Ordner. „Die sind nicht mehr die Neusten“, lacht Müller. Seit Beginn der Prüfungen werden sie alle zwei Jahre rausgeholt. Und dann wieder verstaut. Zwei Prüfer überwachen die Simulation. Und beide sind begeistert: „Das ist hier alles so gut gepflegt wie in einem Krankenhaus“, loben sie. Müller freut das. Er ist seit 1992 dabei. „Das ganze Gebäude und der Zivilschutz haben mich von Anfang an fasziniert.“

Zwei Wochen Strom

Inzwischen ist ein leichtes Vibrieren zu spüren: Eine der Anlagen läuft schon. Also ab in die Lüftungszentrale. Platzangst wäre hier fatal: mehrere niedrige Gänge hintereinander, versehen mit schweren, luftdichten Türen, die bis zu einem Schacht auf Höhe der Krachenbergschlucht führen, wo die Luft von außen angesaugt wird. Von da fließt sie durch lange Gänge zu ganzen Batterien von Staub- und ABC-Filtern hin zu den Lüftermaschinen. „Wir können die Lüftungsanlage zwei Wochen lang betreiben“, sagt Müller. Das sei die Zeitspanne, die man ansetze, wenn beispielsweise ein Chemieunfall passiere. Aber auch nachdem das Stromaggregat nicht mehr läuft, kann noch gefiltert werden: von Hand. Müller schraubt die Kappe an einer der Filtermaschinen ab und setzt die Handkurbel an. Leicht ist es offensichtlich nicht. Aber es funktioniert.

In der Kalotte sind die Vorräte gelagert. Essen sucht man allerdings vergeblich. „Im Notfall müssten das die Menschen selber mitbringen“, meint Müller. Aber Wasserbehälter sind da, massenweise. Daneben die kleinen, schwarzen Mülltonnen in hohen Stapeln sowie Campingtoiletten, noch alle im Karton verpackt. Die Berge aus Paketen, die in der Sohle und der Kalotte liegen, sind Müllbeutel. Die besonders Dicken, betont Müller, denn „in 14 Tagen kann einiges passieren. Da werden Menschen geboren. Und da sterben auch Menschen.“ Spätestens jetzt kommt ein mulmiges Gefühl. Kennt man solche Katastrophen doch nur aus fiktiven Filmen, rücken sie hier in die Realität: Was wäre wenn? Wie wäre es, hier mit 5.000 Menschen ausharren zu müssen? Und was wäre danach?

Die Zivilschutzprüfung ist eine rein technische Angelegenheit. „Wir schauen, ob alles dicht ist und ob der Überdruck von 0,5 Bar gehalten werden kann, damit keine Luft von außen reinkommt“, so Müller. Ab 20 Uhr werden die dicken Stahltore an den Ein- und Ausgängen und der Ein- und Ausfahrt endgültig verschlossen, bevor die Lüftungszentrale auf volle Kraft geht. Acht Personen sind bei der Prüfung dabei. „So um halb zehn gibt’s eine Leberkässemmel“, verspricht der Chef. Und wenn alles glatt laufe, könne man vielleicht schon um Mitternacht wieder die Tore öffnen.
Susanne Greiner

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