Geheimnisvolle Quelle

Das Gemälde im ehemaligen Gerichtsgebäude zeigt, wie Mechthildis im Stephanskloster Priorin wurde. Foto: Töpfer

Seit 1682 feiert man in Dießen das Mechtildisfest, doch wer war eigentlich die heilige Mechthildis? Dr. Walter Töpfer beschäftigt sich mit der mittelalterlichen Frau und den Bräuchen, die bis heute begangen werden in seinem Buch „Wunderbarer Lechrain – Ein Wegbegleiter zwischen Lech und Ammersee“, das im August im Bauer-Verlag erscheint.

Unweit von Dießen liegt am Rande des Schatzberges im Wald versteckt eine Kapelle über einer geheimnisvollen Quelle, zu der sich alljährlich ein Bittgang vom Kloster durch den Wald bewegt. Der seit alters her verehrte Brunnen ist nach der seligen Mechthildis benannt, die den Menschen im Mittelalter als die Brotmutter vom Ammersee galt und in den Seegemeinden verehrt wurde. Vom Volk wurde sie als Patronin gegen Gewitter gerufen. Mechthildis war adeliger Herkunft und wurde im Stammschloss der Andechser um 1125 in Andechs geboren. Schon im zarten Alter von fünf Jahren gab Graf Berthold II. seine Tochter zur Erziehung in das Stephanskloster nach Dießen, wo sie später Priorin wurde. Auf dem Deckengemälde des Dießener Marienmünsters ist diese Szene festgehalten. Auch auf dem 1620 errichteten ehemaligen Gerichtsgebäude der Dießener Oberstadt ist dieser Augenblick auf einem Wandgemälde eindrucksvoll festgehalten. Im Alter von 28 Jahren forderte sie Papst Anastasius IV. auf, als Äbtissin die Leitung des Kloster Edelstetten bei Krumbach zu übernehmen. Später kehrte sie von Krankheit gezeichnet nach Dießen zurück und verstarb dort am 31. Mai 1160. Ihr Leib wurde im Stephanskloster beigesetzt, 1468 erhob man dann ihre Gebeine und legte sie dort in einen Glassarg und ihre Gebeine wurden ins Marienmünster überführt. Mechthildis von Dießen ist dort auf einem Gemälde von Bartholomäus Holzer dargestellt. Dort steht auch der rote Marmorsarkophag, in dem sie einst beigesetzt war. Seit 1682 feiert man das Mechtildisfest, das mit einem Bittgang und mit besonderem Wallfahrerbrauchtum verbunden ist. Alljährlich am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag statt (heute am 31. Mai) wurde man um 5 Uhr früh von der unteren Kirche ausgeläutet. Am Kircheneingang, an der linken Seite der Taufkapelle, ist das sogenannte Steinkissen der Mechthildis eingemauert. Es gehörte zum festen Brauch auf dieser Wallfahrt, diesen „Mechtildisstein“ zu berühren. An diesem Tag war es auch Brauch, kleine Kränzchen an ihrer Ruhestätte niederzulegen. Von der einstigen Burg auf dem Schatzberg bei Dießen, auf der Mechtildis als Kind lebte, ist außer der Burgkapelle nichts mehr erhalten. Diese und der nahe gelegene Brunnen sind das Ziel eines Bittganges. An der Brunnenkapelle steht, dass die Quelle mit dem Wasser aus dem Brunnen der Burg gespeist wird und die heilige Mechthild oft hierher gekommen ist, um von dem Wasser zu trinken. Deshalb gilt die Quelle seit jeher als heilkräftig. Die Mechthildis-Quelle besitzt zwar keinen erhöhten Mineraliengehalt, es handelt sich aber um gutes „Heilwasser“.

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