Hoffnung auf ein Happy End

Leere Säle: Wie geht es den Landsberger Kinos?

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Damals, als man noch ins Kino durfte: Das Olympia-Kino in Landsberg bleibt vorerst geschlossen.

Landsberg/Penzing – Seit Mitte März ist auch der Kinobetrieb zum Stillstand gekommen. Die Sitzreihen bleiben leer – die Filmpaläste sind geschlossen, Filmstarts auf Herbst und Winter verschoben. Das hat massive, zum Teil existenzbedrohende Folgen für die Betreiber – ob kleines Programm- oder Arthouse-Kino wie das Olympia in Landsberg, oder größerer Kinokomplex wie das Cineplex in Penzing.

Der Schaden, den die deutsche Kinowirtschaft durch die Corona-Krise bis Ende des Jahres erleiden wird, liegt laut einer Studie des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF) bei rund 186 Millionen Euro. Gerade mittelständische Kinounternehmen kämpfen um ihre Existenz. So wie die 26 Familienunternehmen, die seit fast 25 Jahren in der Cineplex-Gruppe zusammenarbeiten. „Der Verlust für die Gruppe beläuft sich auf 30 bis 40 Millionen Euro“, sagt Alexander Rusch, Geschäftsführer KinoGruppe Rusch und Betreiber von acht Cineplex-Kinos, unter anderem des Cineplex Penzing. „Und das trotz deutlicher Mietsenkungen, Kurzarbeit oder gar Kündigungen der Minijobber sowie weiterer Sparmaßnahmen im Fixkostenbereich.“

Rudolf und Klara Gilk, Besitzer und Betreiber des Olympia-Kinos, können der Lage entspannter entgegensehen. „Wir haben den Vorteil, dass wir keine Miete mehr zahlen müssen,“ sagt Rudolf Gilk. Grundsätzlich sei es mehr die Liebe zum Film als großer Reichtum, was ihn antreibe. „Wir betreiben das Kino mit Herzblut, nicht als Verwaltungseinheit“, betont er. Personal müsse auch in der jetzigen Situation nicht entlassen oder in Kurzarbeit geschickt werden. Das sei ihnen wichtig: „Wir sind eine Familie und halten zusammen.“ Gemeinsam werde jetzt die Zeit genutzt: zum Renovieren und Saubermachen des Kinos und des anliegendes Filmcafés.

Gemischte Gefühle

Die gegenwärtige Krise ist auch eine emotionale Herausforderung. „Ein unbespieltes, leeres Kino ist ein trauriger Ort, der nachdenklich macht“, sagt Rudolf Gilk. „Es lebt von der Begegnung mit Menschen.“ Das mit zwei Sälen spielende Olympia ist das einzig verbliebene „echte“ Kino in Landsberg. Die Schließung hatten die Gilks mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Zum einen wie eine Zäsur, weil man nicht wisse, wann wieder aufgemacht werde. Zum anderen mit Verständnis und einer gewissen Erleichterung. „Corona war ja schon da. Und wir hatten Angst, dass es bei uns im Kino zu einer Ansteckung kommt“, meint Klara Gilk. Dennoch sei man einfach aus einem gut laufenden Betrieb herausgerissen worden. „Da haben wir schon dran geknabbert. Eine solche Extremsituation hat es noch nie gegeben. Man glaubt man träumt – oder ist selbst in einem Film.“

Die Coronakrise macht auch die Kinobranche erfinderisch. Gleichzeitig gibt es hier eine große Solidarität. Filmverleiher haben Termine storniert. Die Filmförderungsanstalt beschleunigt Bewilligungsverfahren und die GEMA zieht keine Beträge ein. Aber auch Filmfans möchten helfen: „Gleich nach der Schließung hat uns jemand ein Kuvert in den Briefkasten geworfen“, erzählt Rudolf Gilk, „mit einer kleinen Spende und einem Brief: ‚Damit wir auch nach der Krise dieses schöne Kino behalten können.’ Das hat uns sehr berührt.“

Popcorn-Lieferservice

Kreative Unterstützung hat sich ebenso schnell gebildet. Internetseiten unterstützen die Lichtspielhäuser in der Aktion „Hilfdeinemkino.de“: Nutzer schauen sich Kino-Werbung an. Das dadurch erzeugte Geld wird auf die Kinos verteilt. Neue Filme werden zudem als kostenpflichtiger Stream angeboten. Kino zu Hause statt im Saal. Das mag jedoch nicht jeder. „Da halten wir uns raus“, sagt Rudolf Gilk. Kino sei schließlich Kino und Film gehöre auf die große Leinwand.

Online-Gutscheine werden verkauft, auch im Olympia. Ein Lieferservice für Popcorn und Nachos ins Leben gerufen wie im Cineplex. Beides kommt gut an bei den Filmfans. Dennoch: Letztlich seien all die Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Sie entscheiden nicht über die Insolvenz eines Kinos“, meint Alexander Rusch.

Noch keine Perspektive

Bis die Kinos ihre Türen wieder aufmachen dürfen, werden wohl noch einige Wochen vergehen. Wann genau, weiß derzeit niemand. „Wir hängen in der Luft“, sagt Rudolf Gilk. Auch ob das Landsberger Open-Air Kino und ein geplantes Konzert der Spider Murphy Gang auf dem Roßmarkt stattfinden werden, sei ungewiss. Vorerst wird ein Kinobesuch auch nur eingeschränkt und mit entsprechenden Schutz- und Hygienekonzepten möglich sein: Online-Buchungen statt Warteschlangen, Entzerrung von Spielzeiten, reduzierte Besucheranzahl in den Sälen, ausreichend Desinfektionsspender.

Trotz einer fehlenden Perspektive: Die beiden Kino-Betreiber Gilk und Rusch bleiben optimistisch. „Wir glauben an das Kino“, sagt Alexander Rusch. „Wir sind ein Familienverbund und werden kämpfen.“ Auch die Gilks sind zuversichtlich. „Die meisten Filme haben ja ein Happy End. Hoffen wir, dass auch dieser düstere Film gut endet. Wir jedenfalls sind in Aufbruchslaune und scharren schon mit den Hufen.“
Andrea Schmelzle

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