Brahms im Dreierpack

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Ingolf Turban und Gabriele Seidel-Hell überzeugten beim Benefizkonzert für eine Kinderhilfe in Afrika. Veranstaltet wurde das Konzert von der Organistin der Christuskirche Cornelia Meyer (rechts).

Landsberg – Drei Geigen aus drei Jahrhunderten für drei Brahmssonaten: Das Violinkonzert im Gemeindehaus der Landsberger Christuskirche mit dem hochkarätigen Solisten Ingolf Turban stand ganz im Bann der Zahl Drei. Organistin Cornelia Meyer veranstaltete das Benefizkonzert am Samstagabend zum Gedenken an die vor knapp einem Jahr verstorbene Sängerin und Chorleiterin Angela Stauber: Turban und seine exzellente Begleiterin am Klavier Gabriele Seidel-Hell verzichten auf ihre Gagen. Und sämtliche Einnahmen gehen an die von Stauber unterstützte Hilfsorganisation für Kinder in Kenia Kidzangoni e.V.

„Angela Stauber hatte mir schon oft von Ingolf Turban, mit dem sie befreundet war, erzählt“, erinnert sich Meyer. Getroffen hat sie den Geiger aber erst auf Staubers Trauerfeier. Und dort wurde das Gedenkkonzert beschlossen: Verschiedene Geigenstimmen sollen an Staubers Stimme erinnern. Schon 2016 war Turban im Rathaus zu hören, wo er zur Eröffnung von Martin Schleskes Geigenbauwerkstatt auch auf einer Schleske-Geige, der „Opus 130“ spielte. Auf dem Geigentisch im Gemeindehaus liegen noch ein Instrument von Nicolas Lupot aus dem Jahr 1808 und der „Star“, eine Stradivari von 1721. „Hier ist wohl gerade der teuerste Quadratmeter Landsbergs“, scherzt Turban.

Auf dem Programm stehen die drei Violinsonaten von Johannes Brahms. Für die Erste in G-Dur von 1879 wählt Turban die Lupot: „Diese Geige hat einen warmen, weichen Ton, ist dafür aber auch weniger brillant.“ Lupot, Sohn eines Geigenbauers und in Stuttgart geboren, lebte in Paris und war vor allem für seine hochwertigen Stradivari-Kopien bekannt – weshalb man ihn den „französischen Stradivari“ nannte. Der dunkle, sanfte Ton passt gut zu Brahms erster Violinsonate, die sich durch ihre Liedhaftigkeit auszeichnet. Grund dafür sind zwei „Regenlieder“, von Brahms vertonte Gedichte, die er in die Sonate einfließen ließ. Weshalb sie auch Regenlied-Sonate heißt. Die romantischen Liedmelodien mäandern in Dur und Moll, klingen vor allem im zweiten Satz eher wehmütig denn fröhlich. Brahms Freundin Clara Schumann hatte damals ihren Sohn verloren – eine Trauer-Erfahrung, die er angeblich in die Sonate einbaute.

„Die Stradivari ist einfach unglaublich brillant“, begründet Turban den Griff zur Promi-Geige für die zweite Geigensonate in A-Dur von 1886. Deshalb passe sie auch so gut zu dem ebenfalls brillanten Werk, das „hell ohne Gleichen“ sei. Brahms habe sie zu Ehren der bekannten Altistin Hermine Spies geschrieben. Die Vorfreude auf ihren Besuch am Thuner See habe Brahms bei der Komposition gedanklich begleitet: „Nicht umsonst ist der erste Satz ein ‚Allegro amabile‘.“ Im Gegensatz zur ersten Sonate zeichnet sich diese durch hohe Dynamik und Lebendigkeit aus. Man meint, einem Wiener Walzer zu lauschen, der durch einen weiteren Tanzrhythmus abgelöst wird. Im dritten Satz „haucht“ die Geige fast, so leise spielt Turban. Doch auch im Hauchen ist die Stimme der Stradivari klar. „Es geht hier jedoch nicht um bessere oder schlechtere Geigen“, betont Turban, „sie sind einfach nur verschieden.“ Oder anders gesagt: Jede hat ihre eigene Stimme.

Für den dritten Satz, die Sonate in d-moll von 1888, greift Turban auf Martin Schleskes „Opus 130“ zurück: „Eine Geige, die einfach alles kann.“ Ihr Ton sei sehr klar, dramatisch und „absolut nicht lyrisch“ im Gegensatz zur Stradivari, der man einen „flackernden Ton“ nachsagt. Das passt gut zur konzertanten Sonate, bei der sich Geige und Klavier einen Wettstreit liefern, ungarische Volksmusik zu hören ist, der Geigenbogen eher schlägt denn streicht, bevor sie im „unruhigen“ Presto endet. Auch diese Sonate spielt Turban vollkommen mühelos, leicht und virtuos. Für das begeisterte Publikum gaben Turban und Seidel-Hell noch eine Zugabe aus Robert Schumanns a-moll-Sonate. „Jetzt kommt’s zur Abstimmung“, lachte Turban: Welche Geige er denn spielen solle. Stimmen bekamen alle drei. Aber gewonnen hat letztendlich dann doch die italienische Prominenz.

Susanne Greiner

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