Mit geladenen Stanniolkugeln

Anderswo nicht willkommen, weil höchst umstritten, in der Lechstadt jedoch am kommenden Sonntag bereits zum zweiten Mal zu Gast: der „Freundeskreis Bruno Gröning“ mit seinen Wunderheilerdokumentationen. Plakat: BGF

Wer an Wunderheilungen interessiert ist, hat am kommenden Sonntag noch einmal die Möglichkeit, im städtischen Sportzentrum dem „Bruno Gröning-Freundeskreis“ (BGF) zuzuhören. Allerdings sollte man sehr viel Zeit mitbringen: Von 11 bis 17.30 Uhr gibt es allein schon drei lange Dokumentarfilme zu sehen. Die beiden großen christlichen Kirchen warnen eindrücklich vor der Lehre des Freundeskreises, der unter anderem mit „aufgeladenen“ Stanniolkugeln hantiert. Von „Schwachsinn und Scharlatanerie“ sprach die Diözese Augsburg schon vor Jahren.

Bei der Evangelischen Kirche Deutschlands steht die Vereinigung unter Beobachtung des Sektenbeauftragten und auch die Katholische Kirche will mit dem BGF nichts zu tun haben. Der wecke „naive Heilungshoffnungen, die mit einer christlich verantwortbaren Einstellung zu Krankheit, Tod und Leid nicht übereinstimmen“, so das Bistum Trier in einer offiziellen Mitteilung. Als problematisch sieht man es dort vor allem an, dass in der BGF-Lehre der Mensch selbst für sein Schicksal verantwortlich gemacht wird: Der „Heilstrom“, der laut BGF alle Krankheiten heilen könne, fließe nicht, wenn die Einstellung des Kranken hinderlich sei. In einer Schrift, die bei Veranstaltungen wie der im Sportzentrum verteilt wird, heißt es: „Zweifel, abfällige Meinungen und böswillige Urteile zu Bruno Gröning können eine Heilung und Gesundung unmöglich machen.“ Auch, wer Beine oder Arme bei den Sitzungen überkreuze, sei für den Heilstrom unerreichbar. Wer sich dagegen auf die Lehre einlässt, kann laut BGF mit Heilung rechnen. Schon beim Ansehen der Filme würden Zuschauer „ein Kribbeln, ein Strömen am Körper“ wahrnehmen. Von Schmerzen, Behinderungen, Krebs, Angina Pectoris, Rheuma, Drogenabhängigkeit und Suchterkrankungen kann sich demnach be­- freien lassen, wer den Heilstrom in sich aufnimmt. Wörtlich heißt es über Grönings Wirken: „Unzählige Kranke werden gesund. Lahme gehen, Blinde sehen.“ Dabei werden auch heute noch Stanniolkugeln verwendet, die „von ihm selbst geformt und mit seinem Strom geladen“ sind, so der BGF. „Die Kugel ist mit ihm magnetisch ständig in Verbindung.“ Das ist für den Laien insofern verwunderlich, als „er“, Bruno Gröning, schon seit 1959 tot ist. Der Wunderheiler konnte selbst nicht geheilt werden – er starb 53-jährig an Krebs, was seine Anhänger aber genauso wenig anficht wie der auffällige Kropf, von dem sich der gebürtige Danziger Zeit seines Lebens nicht befreien konnte. Das sei eine „Ausformung des Heilstroms“ gewesen, heißt es dazu. In den 50er-Jahren war der Gelegenheitsarbeiter Gröning in Süddeutschland höchst populär. Seine Vorträge waren bestens besucht, wo er auftrat, bildeten sich lange Schlangen. Daran änderte auch nichts, dass er zunächst ein Betätigungsverbot als Heiler erhielt, als Heilpraktiker mangels Eignung gar nicht zugelassen und später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde. Nach seinem Tod übernahm Grete Häusler, die nach ihrer Aussage von Gröning geheilt wurde, das Geschäft, inzwischen leitet ihr Sohn den BGF. Dort legt man Wert darauf, entgegen der Ansicht der EKD keine Sekte zu sein, und sagt: „Jeder soll in seiner Kirche bleiben.“ Dementsprechend gab es auch für FUN-Leiter Anton Sirch kein Problem, die Veranstaltung in Landsberg zu genehmigen. „Wir haben uns schriftlich zusichern lassen, dass keine sektenartigen Inhalte verbreitet werden“, versichert er auf Anfrage des KREISBOTEN. „Somit stand dem nichts entgegen.“ Im Falle des Wunderheilers, so Sirch, „ist das eine Sache der Ansicht und des Glaubens, das muss jeder mit sich selbst ausmachen.“ Bereits in den 1950er-Jahren nahm Bruno Gröning sechsstellige Beträge mit seinen „Heilungen“ ein. Allerdings beschul­- digten er und seine Geschäftspartner sich später gegenseitig, mit dem Geld „Orgien“ gefeiert zu haben. Auch heute noch ist der Eintritt bei den Veranstaltungen frei, der „Bruno Gröning-Freundeskreis“ erbittet lediglich Spenden – so auch am kommenden Sonntag im Landsberger Sportzentrum.

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