Glockenweihe im Kloster

Eine neue Glocke für St. Ottilien

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Bevor sie in die Kirche transportiert wurde, stand die Glocke in der Schlosserei des Klosterdorfs und wurde von den Mönchen, hier von Bruder Cassian, interessiert begutachtet.
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Geweiht und gesalbt wurde die neue Glocke bei einem Pontifikalamt von Erzabt Wolfgang Öxler.
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Geweiht und gesalbt wurde die neue Glocke bei einem Pontifikalamt von Erzabt Wolfgang Öxler.
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An einem Mai-Freitag in Insbruck gegossen: St. Ottiliens neue Glocke.
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An einem Mai-Freitag in Insbruck gegossen: St. Ottiliens neue Glocke.
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An einem Mai-Freitag in Insbruck gegossen: St. Ottiliens neue Glocke.

St. Ottilien – Blumengeschmückt steht sie im Altarraum der Abteikirche von St. Ottilien, die neue Glocke für das Geläut – 466 Kilo schwer, in einem warmen Goldgelb, mit perfekter Aufschrift. Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurde sie am Tag des Benediktusfests von Erzabt Wolfgang Öxler geweiht. Doch bis man sie vom Turm der Klosterkirche wird hören können, werden noch Monate vergehen.

men „Glaubenszeugen“ und füllt eine klangliche Lücke zwischen den beiden kleinsten Glocken im bisher achtstimmigen Geläut. Der Plan, diese Lücke endlich zu schließen, reifte bei den Mönchen im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Sanierung des Kirchturms, in deren Zuge auch ein neuer, hölzerner Glockenstuhl entsteht. Die Kosten für die Glocke – rund 10.000 Euro – nehmen sich im Vergleich zu den 1,5 Millionen Euro der Sanierungsmaßnahme bescheiden aus.

Im Zuge der Baumaßnahmen müssen in St. Ottilien seit März die Glocken schweigen. Da sie sonst als Taktgeber des Klostertages an regelmäßiges Innehalten erinnern und zum Gebet rufen, werden sie durchaus schmerzlich vermisst. „Die Glocken fehlen uns“, berichtete Wolfgang Öxler in seiner Predigt. Und nicht nur den Mönchen geht es so. Auch aus dem Umland kamen in der ersten Zeit viele Anfragen, warum man das gewohnte Läuten nicht mehr höre. „Die Glocken erinnern uns an die Gegenwart Gottes“, so der Erzabt.

Die neue Glocke erinnert aber noch an etwas anderes, nämlich an das Schicksal der Märtyrer von Tokwon. Sie sind der Gruppe von 38 Priestern, Mönchen und Schwestern gewidmet, die während des Korea-Krieges Anfang der 1950er Jahre hingerichtet wurden beziehungsweise in Gefängnissen starben. Ihnen zu Ehren sind auf der Glocke neben dem Wappen und Motto St. Ottiliens („Lumen Caecis“ –Licht den Blinden) koreanische Schriftzeichen sowie das Wappen und der Leitspruch der Abtei Tokwon zu finden.

Glockengeburt

Gegossen wurde die Glocke im Mai in Innsbruck. Bruder Odilo Rahm war mit einer Delegation aus St. Ottilien dabei und hat den Vorgang, der traditionsgemäß an einem Freitag um 15 Uhr – der Todesstunde Christi – stattfand, mit Gebeten und Gesang begleitet. Fasziniert konnten die Gäste beobachten, wie 1.000 Grad heiße Bronze in eine Form aus Lehm, Kälberhaaren und Bierhefe gefüllt wurde.

Bruder Odilo vergleicht die Entstehung der Glocke mit der Geburt eines Kindes – und tatsächlich sprechen Fachleute auch von der Geburt einer Glocke. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. „Zuerst wird geschaut, ob alles dran ist“, sagt der Missionsbenediktiner und schmunzelt. „Und dann kommt der erste Schrei.“ Neben der ebenmäßigen Form ist der Klang das alles entscheidende Kriterium. Trifft die Glocke nicht den richtigen Ton, war alle Mühe bei den monatelangen Vorarbeiten und dem Guss umsonst. Überprüft wird das nicht von menschlichen Ohren, sondern von Computerprogrammen, die auf den hundertstel Halbton genau analysieren, ob der Klang passt oder nicht.

Voraussichtlich im Herbst wird die Glocke durch das sogenannte Heilig-Geist-Loch, eine Öffnung in der Decke des Kirchenraums, aufgezogen. Bis dahin wird sie in der Kirche zu bewundern sein und, wenn es sich anbietet, in die Liturgie eingebunden. Wenn alles nach Plan verläuft, wird ihr Klang zu Weihnachten das erste Mal vom Kirchturm zu hören sein.

Ulrike Osman

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