Geld spielt da keine Rolle – Südumgehung: Massive Eingriffe ins Stadtbild

„Würden wir sie wollen, wenn wir sie vom Staat geschenkt bekämen?“ Mit einem einmütigen „Nein“ haben die Mitglieder des Bauausschusses am Mittwoch diese Frage des Oberbürgermeisters in Bezug auf eine stadtnahe Südumgehung beantwortet. Abgesehen von den hohen Kosten seien allein die massiven Eingriffe ins Landsberger Stadtbild Grund genug, dem Vorhaben abermals einen Riegel vorzuschieben. Die im vergangenen Jahr entwickelten Varianten für eine stadtferne Umgehung indes möchte man für die Zukunft nicht aus den Augen verlieren.

Mit den Vorbereitungen für einen möglichen Umbau des Hauptplatzes rückt das Thema Südumgehung wieder vermehrt in die öffentliche Diskussion. Grund genug für OB Ingo Lehmann (SPD), vorab noch einmal mit Fakten aufzuwarten. Den „allerschönsten Platz in Südbayern“ (Kunsthistoriker Hans Karlinger) würde viele Lechstädter gerne vom Durchgangsverkehr befreien. Die 17400 Fahrzeuge pro Tag ließen sich auf 3500 reduzieren. Allerdings: der Preis dafür ist in den Augen der großen Ratsmehrheit viel zu hoch. „Selbst bei fünf bis sechs Millionen sind wir nicht bereit die Stadt zu verschandeln“, positionierte Fraktionschef Helmut Weber die CSU unmissverständlich. Auch für die SPD sind mögliche Zuschüsse Nebensache. „Bei derart massiven und nicht vertretbaren Eingriffen spielt diese Frage keine Rolle“, bestätigte Dieter Völkel. Die im September 2001 erstmals präsentierten vier Umgehungsvarianten sehen zunächst eine Ableitung des Verkehrs vor der Katharinenbrücke nach Süden vor. Dann geht es auf einer neuen, 200 Meter langen und mit mindestens 4,5 Meter hohen Lärmschutzwänden versehenen Brücke in die Krachenbergschlucht. Aufgrund der erfor- derlichen Steigung befindet sich das Bauwerk am Ostufer des Lechs bereits zehn Meter über dem Gelände. Mit acht bzw. sechs Prozent geht es zum Anschluss an die Neue Bergstraße nahe der Grundschule, wobei eine Variante die Schanzwiese zerschneidet (Abbildung). Die geschätzten Kosten bewegen sich bei rund 17 Millionen Euro, wobei 20 bis 30 Prozent Schwankung nach oben nicht ausgeschlossen seien. Deutlich teurer wird es für die Varianten 3 und 4, die den Verkehr unter dem Weilheimer Kreisel in die Münchener Straße beziehungsweise bis zum Kloster der Dominikanerinnen führen: 33,5 und 40 Millionen Euro. Aus volkswirtschaft- licher Sicht sei das nicht darstellbar, zumal laut OB Lehmann eine staatliche Förderung nur dann in Aussicht stünde, wenn der Verkehr nicht eingeschränkt würde: „Dann dürften wir den Schwerlastverkehr nicht mehr aus der Innenstadt verbannen.“ Dem widersprach Reinhard Skobrinsky energisch. Seinen Informationen zufolge gebe es sehr wohl Zuschüsse für das Projekt. Die Stadt könne es je nach Variante unter dem Strich für sechs bis maximal 14 Millionen Euro bekommen. „Da ist mir eine Südumgehung zehnmal lieber als ein Stadtsaal, der genauso viel kostet“, so der BAL-Stadtrat, der sich dafür strafende Blicke der Ratsmitglieder einfing. Für die nächste Generation Wie auch immer, die Abkehr von der stadtnahen Umgehung nahm der Ausschuss gerne zur Kenntnis. Einverstanden war er auch damit, zwei weiter im Süden gelegene Umgehungsvarianten in städtischen Planungsschubladen zu belassen. Der nächsten Politikergeneration sollen sie bei entsprechender Stadtentwicklung zur Verfügung stehen. Variante 1 führt von der B17 auf Höhe der Einmündung Obere Wiesen nach Osten, überspannt Lech und Lechpark mit einer 700 Meter langen Talbrücke und wird nach einem Anschluss an die Ummendorfer Straße bis zur Osttangente geführt. Trassenlänge: drei Kilometer; geschätzte Kosten: 17 Millionen Euro. Variante 2 beginnt südlich des Tierheimes, durchschneidet den Stadtwald, führt über eine 400 Meter lange Talbrücke über den Lechstausee am Campingplatz vorbei zur Ummendorfer Straße und dann zum Anschluss der Weilheimer Straße an die Osttangente. Trassenlänge: 3,5 Kilometer; geschätzte Kosten: 13,4 Millionen Euro. Nach Ansicht von Verkehrsexperten entlastet eine stadtferne Südumgehung den Hauptplatz nur bei einer gleichzeitigen Sperrung der Durchfahrtsmöglichkeit im Altstadtbereich.

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