Kommunales Blitzen?

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Ob in Geltendorf die Kommuale Verkehrsüberwachung wieder Temposündern auf den Pelz rücken wird, ist im Moment noch offen.

Geltendorf – Vor fünf Jahren sind im Gemeindegebiet die Tempokontrollen der Kommunalen Verkehrsüberwachung eingestellt worden. Nun könnten sie wieder eingeführt werden. Zuvor wird aber eine Verkehrsmessung durchgeführt.

Dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland gehören nach den Worten von Geschäftsführer Michael Braun knapp 100 Städte und Gemeinden in acht oberbayerischen Landkreisen an. In Geltendorf hatte vor fünf Jahren eine knappe Mehrheit für den Austritt votiert – unter anderem, weil die Kosten der Verkehrsüberwachung die Einnah- men bei weitem überstiegen. Im laufenden Jahr war damals ein Minus von über 10000 Euro entstanden – nicht zuletzt, weil teilweise zu unsinnigen Zeiten gemessen worden war, etwa um 5 Uhr morgens an einer Bushaltestelle in Petzenhofen. 

Ein Austritt hätte jedoch wiederum Kosten verursacht, weshalb die Gemeinde als passives Mitglied im Verband blieb. Der will jedoch jetzt seine Karteileichen bereinigen, wie Braun beschrieb. „Wenn Sie Mitglied bleiben wollen, dann buchen Sie bitte eine Anzahl von Stunden.“ Die Alternative sei ein vollständiger Austritt. „Dann sind Sie aber auch draußen.“ Eine Wiederaufnahme, sollte sie denn irgendwann gewünscht sein, wäre mit einer längeren Wartezeit verbunden. Eine Messstunde kostet laut Braun 95 Euro. Dass immer zu „besonders kritischen Zeiten“ gemessen wird, etwa zwischen 7 und 8 Uhr morgens, konnte er nicht versprechen. 

Nicht nur Bürgermeister Wilhelm Lehmann (Unabhängige Bürger/UB) machte sich aus Gründen der Verkehrssicherheit für eine Wiederaufnahme des Blitzens stark. Vize-Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) erinnerte daran, dass im vergan- genen Jahr ein Fußgänger in Bahnhofsnähe von einem Auto tödlich verletzt worden war. „Ein einziger solcher Vorfall reicht für mich schon, um die Kontrollen wieder einzuführen.“ Außerdem würden sich die Anwohner der Bahnhofstraße zunehmend über Verkehrslärm in den frühen Morgenstunden beschweren. „Um 5 Uhr geht das Rennen los, da hilft auch der Flüsterasphalt nicht mehr.“ 

Christian Engelstädter (UB) bescheinigte dem Blitzen „einen gewaltigen erzieherischen Effekt“ und brachte auch eine Überwachung des ruhenden Verkehrs ins Gespräch. Ernst Haslauer (SPD) dagegen war der Meinung, dass ein Zuviel an Überwachung die Bürger verärgere. „Dadurch wird man nicht erzogen, sondern störrisch.“ Josef Weiß (CSU) äußerte sich gegen Parkkontrollen am Bahnhof. „Wir können die Leute doch nicht bestrafen, weil sie in die Arbeit gehen.“ 

Keine Mehrheit? 

Weil sich gegen Ende der eineinhalbstündigen Debatte eine Mehrheit gegen die Tempokontrollen abzuzeichnen schien, ließ Lehmann über die Beschlussvorlage nicht abstimmen. Zuerst sollen nun kon- krete Zahlen auf den Tisch kommen. Mit zwei Gegenstimmen wurde beschlossen, vom Verband eine Woche lang eine Verkehrsmessung durchführen zu lassen. Sie soll zeigen, wie viele Tempoverstöße überhaupt vorkommen. Außerdem will die Gemeinde eigene Daten auswerten. Und erst danach fällt die Entscheidung über das Blitzen.

Ulrike Osman

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