Fahrlässig bis grob fahrlässig

Finanzielles Flächenfeuer ums Feuerwehrhaus

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Der Heilige Florian hilft und löscht die Flammen im geplanten Geltendorfer Feuerwehrhaus. Diese Darstellung ziert die Titelseite des aktuellen Jahrensberichts.

Geltendorf – Auf ein arbeitsreiches Jahr hat die Feuerwehr bei ihrer Hauptversammlung zurückgeblickt. Zum neuen Feuerwehrhaus richtete Kommandant Hans Georg Liegsalz deutliche Worte an die Adresse der Gemeinde. Er warnte vor einem „finanziellen Flächenfeuer“, wenn die  Planung verworfen werde.

Ein Bild des geplanten Feuerwehrhauses, wie es in Flammen aufgeht und vom Heiligen Florian gelöscht wird, zierte die Titelseite des Jahresberichts, der an alle Mitglieder verteilt wurde. Der Frust in der Truppe über die verfahrene Situation ist groß. Der Gemeinderat fordert offenbar immer weitere Einsparungen, während Feuerwehr und Architekturbüro nicht mehr wissen, wo sie noch Abstriche machen sollen. Die Sitzungen zu dem Thema finden seit geraumer Zeit nur noch hinter verschlossenen Türen statt, auch diese Woche steht das Feuerwehrhaus wieder auf der nicht-öffentlichen Tagesordnung des Gemeinderats.

Neues Konzept?

„Aus der letzten Sitzung bin ich wirklich deprimiert rausgegangen“, berichtete der ehemalige Kommandant Ewald Kapfhammer, der am Samstag auch als Vertreter der Kreisbrandinspektion sprach. Er warnte davor, das Projekt weiter zu verschleppen. Die Planung beruhe auf der bestehen­- den Norm für Feuerwehrhäuser – diese solle jedoch novelliert werden. Dann richte sich die Größe des Gebäudes nicht mehr nach den erforderlichen Fahrgassen, sondern nach der Zahl der Aktiven. In Geltendorf sind das 57. Das vorliegende Konzept entspreche dann nicht mehr den Anforderungen.

„Wenn die neue Feuerwehrnorm kommt, können wir unsere Planung wegschmeißen“, so Kapfhammer. „Dann hat die Gemeinde viel Geld verloren, und das kann nicht im Sinne der Bürger sein.“ Es sei „fahrlässig bis grob fahrlässig“, die Wehr weiterhin im alten Feuerwehrhaus mit seinen bekannten Missständen zu belassen. Erst kürzlich habe sich dort beinah ein Unfall ereignet, berichtete Kommandant Liegsalz. Beim Ausfahren sei eine Ladeklappe am Feuerwehrfahr­- zeug aufgegangen und habe um ein Haar die Aktiven verletzt, die sich neben dem Fahrzeug umzogen.

Zu 57 Einsätzen rückte die Wehr im vergangenen Jahr aus, darunter zwölf Brände und 29 technische Hilfeleistungen, etwa bei Verkehrsunfällen. Insgesamt leisteten die Aktiven 1252 Einsatz- und 2875 Ausbildungsstunden. Die Gesamtstunden, die die Mannschaft er­bringt, haben sich Liegsalz zufolge in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt.

Standortsuche 

Bekannt ist die Geltendorfer Feuerwehr nicht zuletzt für ihr Dreschfest, das sie im Dreijahresturnus organisiert. Heuer sollte es wieder soweit sein, doch an seinem bisherigen Veranstaltungsort in der Riedgasse kann das Fest nicht mehr stattfinden, wie der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Andreas Höpfl erklärte. Für die Familie Liebich, die bisher ihren Hof zur Verfügung stellte, sei die Veranstaltung nicht zuletzt wegen der steigenden Besucherzahlen mittlerweile zu aufwändig. Stattfinden soll das Dreschfest aber trotzdem. Man suche einen neuen Standort, so Höpfl. Die Einnahmen bräuchte die Feuerwehr dringend, will sie sich doch am Bau des neuen Feuerwehrhauses auch finanziell beteiligen.

Mit neuer Gravur

Bürgermeister Willi Lehmann dankte den Ehrenamtlichen für ihr Engagement und zeichnete den ehemaligen Kommandanten Kapfhammer mit der Verdienstmedaille der Gemeinde aus. Der erklärte, die Ehrung an die gesamte Mannschaft weitergeben und entsprechend eine neue Gravur auf der Medaille anbringen zu wollen. Die Feuerwehrler quittierten dies mit stehenden Ovationen. Eine weitere Ehrung, diesmal für 25 Jahre im aktiven Dienst, ging an Günter Kern. Ulrike Osman

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