"Wie ein Weihnachtswunschzettel"

Kritische Töne zum Geltendorfer Haushalts – Zu viel Projekte?

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Das in die Jahre gekommene Hausener Feuerwehrhaus soll modernisiert oder durch einen Neubau ersetzt werden.

Geltendorf – Ausführlich hat der Finanzausschuss den Haushaltsentwurf 2018 unter die Lupe genommen und etliche Streichungen angeregt. Im Laufe der vierstündigen Sitzung kamen auch Themen zur Sprache, die die Gemeinde seit Jahren beschäftigen. Dazu gehört die Frage, wie es mit dem Feuerwehrhaus in Hausen weitergeht.

Das Domizil der Floriansjünger müsste erweitert und modernisiert werden, doch dafür fehlt der Platz. Bürgermeister Wilhelm Lehmann (Unabhängige Bürger/UB) will deshalb „einen Neubau wagen“ und dem Gemeinderat demnächst Standortvorschläge unterbreiten. Die Hausener Wehr war bis nach der Fertigstellung des neuen Gerätehauses in Geltendorf vertröstet worden – der Zeitpunkt ist nun fast gekommen. Josef Weiß (CSU) ärgerte sich derweil darüber, dass schon Geld für Umbauplanungen ausgegeben wurde, mit denen man nun nichts anfangen könne. Außerdem habe es dafür keinen Beschluss gegeben.

Vorgelegt wurde der Haushaltsentwurf von der neuen Kämmerin Manuela Braune in Vertretung von Stephanie Huber, die sich in Elternzeit befindet. Braune habe das halbfertige Zahlenwerk „als Stiefkind übernommen“, wie Lehmann sagte. Die Kämmerin selbst bat um Verständnis dafür, dass ihr das historische Wissen zu den einzelnen Projekten fehle.

Neu kalkuliert werden soll die Gebührensatzung für Feuer­wehreinsätze. Weiß sprach sich dagegen aus, dies an ein externes Büro zu vergeben. Stattdessen solle man sich nach den Satzungen der umliegenden Gemeinden richten. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“

Ebenfalls eine Altlast ist ein angeblich seit 2010 bekannter Schimmelbefall im Keller des Rathauses. Ein Gutachter der gemeindlichen Unfallversicherung soll nun die Ursache ermitteln und Aussagen zu einer möglichen Gesundheitsbelastung der Mitarbeiter treffen. Für eine Isolierung des Kellers und die Verlegung einer Drainage stehen 29.000 Euro im Haushalt. Vize-Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) stellte daraufhin die Frage, ob die Maßnahme realistischerweise noch in diesem Jahr durchgeführt werden könne.

Die Kritik, dass im Haushalt mehr Projekte berücksichtigt sind als sich heuer noch umsetzen lassen, tauchte im Laufe der Sitzung mehrfach auf. Josef Weiß erinnerte das Zahlenwerk an den Weihnachtswunschzettel eines Kindes. „Man schreibt mal alles drauf und schaut, was man kriegt.“ Wolfgang Albertshofer (SPD) warnte, dass keine Zuführung zum Vermögenshaushalt zustande komme, wenn der Verwaltungshaushalt unnötig aufgebläht werde.

Deshalb wehrte sich Weiß gegen 25.000 Euro Planungskosten für einen Kindergarten-­Neubau an einem noch zu bestimmenden Standort. „Wir brauchen zuerst ein Grundstück.“ Verworfen wurden außerdem 8.000 Euro für ein Gartenhaus auf dem bestehenden Kindergartengelände sowie 40.000 Euro für öffentliche Wassergalgen für Landwirte.

Auf der Einnahmenseite kann sich die Gemeinde heuer über ein Einkommenssteuer-Plus von 460.000 Euro freuen. Allerdings muss sie den Löwenanteil von 400.000 Euro an den Landkreis weiterreichen. Schuld sind die gestiegene Kreisumlage und die höhere Umlagekraft der Gemeinde. Insofern hat Geltendorf nicht viel von den „sprudelnden Steuereinnahmen, von denen man immer in der Zeitung liest“, ärgerte sich Wolfgang Albertshofer.

Demnächst wird sich der Gemeinderat mit dem Haushalt beschäftigen. Geht es nach der Empfehlung des Finanzausschusses, wird das Zahlenwerk in seiner überarbeiteten Version beschlossen.

Ulrike Osman

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