Gelungener Auftakt zum Festjahr

Finning feiert 1200-jähriges Bestehen

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Dagmar Bleicher und Wolfgang Stütz moderierten gekonnt den Festakt.

Finning – 2018 feiert die Gemeinde Finning 1200-jähriges Bestehen. Auftakt war ein rundum gelungener Festakt am vergangenen Sonntag. Und das, obwohl mit Altlandrat Walter Eichner und Landrat Thomas Eichinger gleich zwei Hauptredner wegen Krankheit ausgefallen waren. Doch die Finninger wussten damit umzugehen.

Zunächst zelebrierte Pfarrer Richard Rietz einen feierlichen Gottesdienst, musikalisch umrahmt vom Kirchenchor Entraching, in der Kirche Mariae Schmerzen in Unterfinning. Er forderte seine Pfarrgemeinde auf, aufeinander zuzugehen und das Leben im Sinne des wiederauferstandenen Jesus Christus zu einem leuchtenden und ununterbrochenen Fest zu machen. Martina Boos, Mitglied im Festausschuss „1200 Jahre Finning“, zitierte den französischen Schriftsteller Guy de Maupassant: „Wer seine Heimat liebt, arbeitet unablässig daran, dass sie es ist und bleibt“. Sie bezeichnete Heimat als „Wohnstube der Seele“. Wer aus der Ferne nach Hause komme, spüre es genau: „Diese Kurve dort, da der Kirchturm, die alte Eiche … das Herz weitet sich und es kehrt Zufriedenheit ein.“ 

Sprang als Festredner für den erkrankten Landrat ein: Ehrengast Dr. Thomas Goppel.

Nach dem Gottesdienst zog man mit Fahnenabordnungen und der Blaskapelle Entraching unter Leitung von Fabian Dreer zur Turnhalle am Gemeindezentrum, wo Erster Bürgermeister Siegfried Weißenbach viele Finninger und Ehrengäste von außerhalb begrüßte. „Unsere Gemeinde verbindet Tradition und Fortschritt gut miteinander, das wollen wir weiter so halten, damit wir auch für die nächsten 1200 Jahre gut aufgestellt sind“, so Weißenbach. Er verpflichtete spontan Ehrengast Thomas Goppel als Ersatz für den erkrankten Landrat Thomas Eichinger und das Moderatorenteam Dagmar Bleicher und Wolfgang Stütz zitierte aus dem Redemanuskript von Walter Eichner. 

Bleicher kündigte Goppel als „Joker des heutigen Tages“ an. So sei er noch nie begrüßt worden, sagte Goppel. Doch der Joker-Funktion konnte er mühelos nachkommen. Aus 40 Jahren politischer Arbeit im Landkreis kennt er die Entwicklung der Gemeinde bestens, lobte die bauliche Struktur des Gemeindezentrums und gab den Rat, auch künftig das richtige Maß zu halten – „lieber mal auf etwas verzichten, auf manches länger warten und solide das Richtige tun“. 

Wie es früher in Finning war, zeigte Helmut Görlach mit seiner Kompetenz als langjähriger Autor des Bayerischen Fernsehens: Seine Diashow „Finning anno dazumal“ unterlegte er passend mit Maultrommel, Finninger Saitenmusik und Görlach-Texten, gesprochen vom Finninger Florian Schlögl. Görlach hat viele alte Fotos von Finninger Bürgern gesammelt, nicht alle schafften es in die Diashow – viele sind das ganze Jahr über in der Aula der Schule ausgestellt. 

Der ehemalige Landrat Walter Eichner wurde auf dem Entrachinger Bartlbauer-Hof geboren. Daher war ihm der Programmpunkt „Finninger Geschichte und Geschichten“ quasi auf den Leib geschneidert. Wie er sich die Gründung von Finning vorstellt, las Dagmar Bleicher aus seinem Manuskript vor: „Die ersten Siedler schauten auf der mäandernde Wasser der Windach, vielleicht war’s ein sonniger Frühlingstag, die Vögel haben gezwitschert, der Föhn bot einen Ausblick auf die Alpen, grad wie eine Theaterkulisse. Hier ist’s schön, werden sie sich gedacht haben, hier ist auch Wasser, hier lässt sich’s leben.“ Auch den einen oder anderen Schwank aus seiner Jugend hatte Eichner aufgezeichnet, etwa als er zum Babysitten der kleinen Linnemann-Drillinge in Unterfinning eingesetzt war. Samt ihm und dem Hofhund Prinz kam es zu einem unangenehmen Unfall mit dem Leiterwagerl, mit recht schmerzhaften Folgen, die Eichner zwar mit süßer Limonade linderte („die Drillinge waren noch so klein, sie konnten die Flaschen kaum halten“), die aber unübersehbar waren. Als die Eltern vom Feld zurückkamen, musste Eicher den Unfall beichten. Diese sahen es Gott sei Dank locker: „Des ka scho mal passiere.“ 

Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, machte in seinem Vortrag „Daheim im Lechrain – Heimat und Mundart“ klar: Der Begriff „Heimat“ hat nichts gemein mit Kitsch oder Bierüberschwemmung, „Heimat ist viel mehr als Lederhosen, Gänsebraten, Bocksbeutel oder Kasspatzen“. Man müsse die Geschichte seiner Heimat kennen, um Erklärungen für das „Heute“ zu finden. Heimat sei nur möglich durch das Mittun der in ihr lebenden Menschen: „Es braucht Leute, die hinlangen können, Teamspieler und Tüftler – aus einem tatkräftigen Selbstverständnis entsteht Heimat, die niemanden ausschließt“, sagte Wölzmüller. Der Begriff „Lechrain“ sei erstmals im 16. Jahrhundert verwendet worden, davor habe man von Licatiern oder Licates (Leute am Lech) gesprochen. Wölzmüller gab Kostproben des Lechroaner Dialekts, dieser „sehr alten, alpinen Sprache mit vielen mittelhochdeutschen Relikten“ – Rossmugga (Sommersprossen), Gschdaddl (dreieckige Papiertüten), Afdrmejdda (Dienstag), Ejkendda (Anheizen des Ofens), Beeraheckl („eingewachsener“ Dreck vom Barfußlaufen im Sommer) und viele mehr. 

Der Kirchenchor unter Leitung von Hans Gruber intonierte das „Heimatlied von Oberfinning“. 1986 hatten es Luise Höhe (Text) und Leni Spatz (Melodie) geschrieben und der Gemeinde als Andenken hinterlassen – beide sind bereits verstorben. Bürgermeister Siegfried Weißenbach dankte zum Abschluss allen Ehrengästen, den Moderatoren, Helfern und Sponsoren.

sr

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