Mythos Marlene

Gelungener Marlene Dietrich-Liederabend mit Lesung auf Gut Romenthal

Beim Liederabend von Silke Hohagen auf Gut Romenthal las Thomas Eichinger (rechts)  humorvolle und nachdenkliche Geschichten. Links Gerald Süttinger am Flügel.
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Marlene Dietrich-Evergreens, aber ganz ohne die berühmten Dietrich-Posen, gab es beim Liederabend von Silke Hohagen auf Gut Romenthal. Thomas Eichinger (rechts) las dazwischen humorvolle und nachdenkliche Geschichten. Links Gerald Süttinger am Flügel.
  • Dieter Roettig
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Dießen – Er war von Kopf bis Fuß auf zu viel Wahlkampf eingestellt – weshalb sich Bundestagskandidat Michael Kießling eine Grippe einfing und seinen Lesepart beim Marlene Dietrich-Liederabend kurzfristig absagen musste. Silke Hohagen, für die CSU-Frauenunion Ammersee-West und Herrsching Veranstalterin und Marlene-Interpretin in Personalunion, fand mit Landrat Thomas Eichinger mehr als nur einen Ersatz. Der Landkreis-Chef gehört seit Jahren zur Schauspieltruppe der Schondorfer Jakobsbühne und weiß, wie man Texte wirksam in Szene setzt.

Dem Thema entsprechend rezitierte er von einem original Ensemble mit Stuhl, Tischchen und Stehlampe aus den 30er-Jahren, das der Schondorfer Möbel-Restaurator Peter Knopf zur Verfügung gestellt hatte. Passend zur außergewöhnlichen Location, die Silke Hohagen ausgewählt hatte.

Mit ihrem Liederabend wurde die neu gestaltete „Hochzeits-Suite“ auf Gut Romenthal eingeweiht, das nicht nur ein zertifizierter
landwirtschaftlicher Biobetrieb ist, sondern Gelände, Räumlichkeiten und historische Barock-Kapelle für Hochzeiten und Veranstaltungen zur Verfügung stellt.

Für Gutsleiterin Olivia Tietz-Pourroy war der Liederabend ein gelungener Akkustik-Test für die großzügige Suite. Bis in den letzten Winkel hörte man Hohagens klare Sopranstimme, am Flügel begleitet von Gerald Süttinger. Mit teils unterschwellig laszivem Timbre interpretierte sie das Lebensgefühl im Berlin der 30er-Jahre, das die Lieder von Marlene Dietrichs Hauskomponisten Friedrich Hollaender ausdrücken. Wie der Evergreen „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem Film „Der blaue Engel“ oder das sentimentale „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ aus dem Drama „Stürme der Leidenschaft“.

Andächtige Stille vor dem um so lebhafteren Applaus gab es beim nachdenklichen Lied „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ aus dem 1930er-Kinohit „Der Mann, der seinen Mörder sucht“. Alles auf Neubeginn signalisierte Hohagens Schlusslied „In den Ruinen von Berlin“ aus dem Billy Wilder-Streifen „Eine auswärtige Affäre“ von 1948. „Hier geht es in erster Linie um Hoffnung und Liebe, gerade jetzt aktuell wie nie. Das Leben fordert uns und wir feiern wenn möglich ausgelassen. Obwohl wir uns der vielen politischen, klimatischen und gesellschaftlichen Bedrohungen um uns herum bewusst sind“, so Hohagen.

Wohltuend bei ihrem Dietrich-Abend, dass sie den Stil der Leinwand-Legende, Sängerin und Stilikone nicht kopierte, sondern die Lieder in ihrem ganz eigenen Stil interpretierte. Auch ohne die berühmten gekreuzten Beine der Dietrich mit Zylinder auf dem Kopf. Silke Hohagen ist schließlich ausgebildete Sopranistin. Musik ist ein wichtiges Lebenselixier der studierten Architektin und Mutter von vier Kindern, die auch im Schondorfer Ruderclub „Wilde Woge“ sowie in der Kommunalpolitik aktiv ist.

Zwischen den Liedern las Thomas Eichinger erfrischende, nachdenkliche und humorvolle Geschichten aus den 30-Jahren über die Dietrich, Friedrich Hollaender und auch Joachim Ringelnatz.

Der betrieb einst in München das „Tabakhaus Zum Hausdichter“, das glorreich pleite ging, weil die Schwabinger Bohème nach der Sperrstunde des Kabarettlokals „Simplicissimus“ darin zu wild feierte und alles wegpaffte. Die Dießener Schriftstellerin und Regisseurin Katalin Fischer hat daraus die humorvolle Geschichte „Von Kopf bis Fuss starker Tobak“ gemacht.

Das Publikum, darunter Dießens Bürgermeisterin Sandra Perzul mit Vize Roland Kratzer, war begeistert von dem Abend mit witzigen, kritischen, auch mal düsteren, aber immer eingängigen Liedern von der Dietrich und begleitenden Anekdoten. So wie schon bei den vorangegangenen Hohagen-Dietrich-Abenden in Herrsching, Breitbrunn, St. Ottilien und Schondorf.

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