Mariens Himmelfahrt kehrt nach 34 Jahren heim

+
Jürgen Zirch (links) und Wolfgang König sind froh, dass „Mariens Himmelfahrt“ (hier nur ein Ausschnitt) nun endlich wieder an seinem Platz in der Kirche St. Alban hängt.

Dießen – Es war etwa 34 Jahre unterwegs. Jetzt ist „Mariens Himmelfahrt“ heimgekommen und zieht an seinem ehemaligen Platz die Blicke an: Seit einigen Tagen hängt das 4,15 Meter hohe und 2,60 Meter breite Ölgemälde wieder auf der Empore in der Kirche St. Alban, direkt am Ammerseeufer.

Die Votivbilder – viele davon von dem Dießener Maler Karl Vorhölzer (1810 bis 1887) – die lange auf der Orgelempore hingen, kehren im Gegenzug auch wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz auf der Rückseite des Kirchenschiffes.

Mariens Himmelfahrt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, deren Anfänge allerdings im Dunkeln liegen und nie eindeutig rekonstruiert werden konnten. Die Fachleute gehen davon aus, dass es einst in der Vorgängerkirche des heutigen Marienmünsters einen Altar schmückte. Es gibt bis dato keine erkennbare Quelle, die beschreibt, wie und warum es dann in die Kirche St. Alban kam.

Als die Kirche auf der Ostseite des Klosters St. Alban zwischen 1977 und 1980 renoviert wurde, landete das stattliche Ölbild in der Klosterlandwirtschaft im Heu. Das hat Jürgen Zirch von der Kirchenverwaltung so lange bemängelt, bis Schwester Ulrike und Monsignore Heinrich Winterholler es in den 1980er Jahren in die Werkstätten des Landesamt für Denkmalpflege brachten. Geld zur Renovierung hatte man keines. Unter der Ägide von Monsignore Schnell soll das Bild in die großen Restaurations-Werkstätten von Erwin Wiegerling in Gaißach bei Bad Tölz gekommen sein. Dem damaligen Dießener Kirchenpfleger Wolfgang König lag das Kunstwerk aus dem 18. Jahrhundert ebenso am Herzen, „ein Wunder müsste geschehen“, meinte er.

„Dieses Wunder können wir doch machen“, lautete die spontane Resonanz von Kurt Kimmel, der in Schweizerischen Masagno am Luganer See lebt und private Beziehungen zu Dießen hat. Als Stiftungsbeirat der International Music and Art Foundation signalisierte er den Dießener Kirchenverantwortlichen, dass er gerne ein Kostenangebot hätte. Wiegerling schickte gleich drei: eine langfristige Konservierung koste aber rund 22000 Euro. „Das machen wir doch gleich richtig“, lautete das Signal aus Lugano. Umgehend war das Geld angewiesen und Wiegerling sanierte das Altarbild. Seitdem ruhte es in den Gaißacher Werkstätten.

Wieder war es Jürgen Zirch, der so lange bohrte, und letztlich auch durchsetzte, dass Mariens Himmelfahrt nach Hause kommt – auf die Orgelempore in St. Alban. Wer das Bild ganz genau betrachtet wird vieles erkennen: Einmal die Zartheit und Liebe, die der unbekannte Maler in die Mariendarstellung hineingearbeitet hat. Auch die Apostel sind interessant: Es sind markante Köpfe dabei. Die Vorbilder waren vermutlich Fischer, die dereinst am Ammersee ihr Tagewerk verrichtet haben.

Auch Stilbrüche sind erkennbar. Man meint, unterschiedliche Handschriften zu erkennen, die an dem großen Bild gewirkt haben. Nun könnten es optische Täuschungen sein, denn das Gemälde hat viele abenteuerliche Erlebnisse hinter sich. Es wird auch in Erwägung gezogen, dass mehrere Maler daran gearbeitet haben. Die Experten gehen davon aus, dass es um 1720 entstanden ist. Weil sich ein ähnliches Bild in der Weilheimer Pfarrkirche befindet, liegt der Schluss nahe, es könnte aus der Schule von Weilheimer Altarmalern stammen.

Zum Hochfest des Marienmünsters, am Donnerstag, 15. August, hat Dießens Kirchenpfleger Peter Keck vor, die Pfarreien von Dießen zu einem festlichen Ereignis zu vereinen. „Ich möchte die Ortsteile zusammenbringen zu einer Gemeinschaft der Pfarreien“, sagt er. Nach dem festlichen Gottesdienst im Marienmünster, sind alle eingeladen in den Traidtcasten zu kommen zum gemeinsamen Mittagessen.

Angeboten werden zu jeder vollen Stunde kostenlose Kirchenführungen. Dann wird auch bekannt gegeben, dass „Mariens Himmelfahrt“ nach 34 Jahren wieder heimgekommen ist und sich ein Besuch in St. Alban lohnt.

Beate Bentele

Meistgelesen

"Coole Gedanken" für Gut Mittelstetten
"Coole Gedanken" für Gut Mittelstetten
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare