Historische Holznutzungsrechte

Gemeinde Leeder zahlt Waldrechtler aus

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Der Holzpreis ist niedrig, was sich natürlich auch auf die Auszahlungen an die Waldrechtler auswirkt.

Fuchstal – Für die Jahre 2017 und 2018 zahlt die Gemeinde Fuchstal demnächst Anteile an die Hausbesitzer in Leeder aus, die einen Anteil am Gemeindewald haben. Insgesamt gibt es 103 solche historische Holznutzungsrechte, die zum Teil bis in das Ende des 17. Jahrhunderts zurückreichen. Das ist eine Besonderheit, die nur in wenigen Gemeinden existiert.

Josef Weber, der Waldreferent im Gemeinderat, sagte zur Verzögerung, da stecke „keine böse Absicht“ dahinter. Das Holzmachen im 99 Hektar großen Leederer Gemeindewald, wo die Kommune einen Anteil von 57 Prozent hat und die Gemeinschaft der Rechtler einen Anteil von 43 Prozent, sei über viele Monate gegangen. Auch habe sich die Vermessung hingezogen, und damit sei auch die Abrechnung später erfolgt.

Bürgermeister Erwin Karg rechnete vor, dass 2017 den Einnahmen von zirka 65.000 Euro (im Wesentlichen der Holzverkauf mit knapp 63.000 Euro, dazu der Jagdpacht und Zuweisungen) die Ausgaben von knapp 46.000 Euro gegenüber standen. So bleibt, wenn der Erlös aufgeteilt wird, für jeden Nutzungsberechtigten ein Betrag von 81,65 Euro.

Im Jahr 2018 sind die Einnahmen mit 43.300 Euro deutlich geringer. Die Ausgaben betrugen knapp 32.000 Euro. Letztlich verbleiben damit 48 Euro für jedes Holznutzungsrecht. Die meisten Häuser, die da eingetragen sind, haben eines; nur zehn Betroffene haben zwei, drei oder gar vier Anteile. Auch die Gemeinde selbst ist, protokolliert aufs Rathaus und auf die Schule am Hofgarten, in zwei Fällen Waldrechtler.

„Dieser Betrag wird die nächsten Jahre Bestand haben“, gab Rathauschef Karg zu den 48 Euro je Anteil eine Prognose ab. Denn es sei viel Holz auf dem Markt, was den Preis drücke. Und das werde wohl die nächsten Jahre noch so bleiben.

Die Auszahlung des Anteils am Nutzungsrecht ist mit elf zu eins im Gremium gebilligt worden. Dagegen war Anton Weinholzner aus Asch. „I sag, dass dös nicht rechtens ist“, bekundete er seinen Unmut. Seit 1972 besteht die Gemeinde Fuchstal mit den drei Ortschaften Leeder, Asch und Seestall. Es existiere keine Gemeinde Leeder mehr, fügte Weinholzner hinzu.

Zuvor fasste das Gremium zwei andere Beschlüsse. Einhellig abgelehnt wurde – bei zwölf zu null Stimmen - eine rückwirkende Auszahlung des Anteils für drei Jahre. Ebenso einstimmig fiel die Entscheidung aus, dass bei Anträgen und in nicht eindeutigen Fällen in jedem Einzelfall zu prüfen ist, ob jemand Anrecht auf einen Anteil im Leederer Rechtlerwald hat.

Dazu hat die neu gegründete Interessengemeinschaft erklärt, dass eigentlich die Gemeinde in der Pflicht stünde, Rechtler zu informieren, z.B. solche, die ein altes Anwesen im Dorf erwerben. Das betonte Angelika Gast aus der Vorstandschaft in der Gründungsversammlung der Interessengemeinschaft.

Geschäftsleiter Gerhard Schmid berichtete knapp drei Monate nach der Versammlung nun davon, dass aktuell 23 Anträge vorliegen, in denen ein Holznutzungsrecht geltend gemacht werde. Darunter seien vier Anteile, die über Jahre hinweg nicht ausgeübt worden seien. Das seien mehr Anträge als die 15 Anteile, die noch zu vergeben seien. Es seien Vertreter der Interessengemeinschaft eingeladen worden, die Unterlagen einzusehen. Schmid ergänzte: „Wir haben nix zu verbergen“.

Der VG-Geschäftsleiter merkte zudem an, dass die Kommunalaufsicht am Landratsamt signalisiert habe, jeden Weg mitzugehen. Das betreffe die „Generalabsolution“ genauso wie den steinigen Weg, alles genau zu überprüfen. Immerhin: Vier Fünftel der 103 Anteile seien klar zugeordnet und daher unstrittig.

Kein Thema bei den Beratungen im Fuchstaler Gemeinderat war ein weiteres Ansinnen, das früher die Jagdgenossenschaft bzw. jetzt die Interessengemeinschaft verfolgt: nämlich die Frage, ob die Waldrechtler mitreden können, wenn die Gemeinde drei weitere Windräder genehmigt werden. Den Antrag dazu hatte die Gemeinde heuer im Frühjahr gestellt. Ein Stichwort dafür ist der Ertragsausfall, wenn an den vorgesehenen Standorten zwischen 6000 und 10.000 Quadratmeter im Fall einer Genehmigung abgeholzt werden.
Johannes Jais

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