»Wie die Kirche zum Dorf«

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Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg (rechts) informierte die Bürgermeister und Gemeinderäte aus Kaufering und Weil über „seinen Windpark“ im Sachsenrieder Forst.

Kaufering – Noch sind es Zukunftspläne, doch die Marktgemeinde ist auf dem Weg zur eigenen Energiewende. Im Waldgebiet Westerholz will man, wenn möglich, zusammen mit der Nachbargemeinde Weil zwei oder drei Windräder bauen. Kauferings Marktgemeinderat hat dazu bereits einen Grundsatzbeschluss mit großer Mehrheit gefasst.

So lag es nahe, sich einmal bei Nachbargemeinden zu erkundigen, bei denen sich bereits Wind­räder drehen. Bürgermeister Erich Püttner charterte einen Bus und lud seinen Marktgemeinderat und die Gemeinderäte aus Weil zu einer „Wind­rad-Rundfahrt“ ein. Lamerdingen und Fuchstal waren die Zielorte.

Neben den technischen Informationen interessierte die Gemeinderäte natürlich auch der Gegenwind, der von Windkraftgegnern zu erwarten ist. „Die Windräder gehören heute zum Dorf wie die Kirche“. Diese Botschaft gab Lamerdingens Rathauschef Konrad Schulze den Bürgermeistern und Gemeinderäten mit auf den Weg. Robert Sing, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros und sein Mitarbeiter Thomas Tronsberg machten die Gemeinderäte und Rathauschefs mit allen Aspekten der Windkraft vertraut. So werden die beiden Lamerdinger Anlagen, ähnlich wie auch in Fuchstal, von einer Bürgergesellschaft betrieben. Es gibt 95 Kommanditisten, die mit einer Mindestsumme von 5.000 Euro eingestiegen sind, sagte Thomas Tronsberg dem KREISBOTEN. Drei Tranchen seien aufgelegt worden. Vorrang hätten die Anwohner im unmittelbaren Umkreis gehabt.

Für Lamerdingens Bürgermeister ist die Windkraft ein Erfolgsmodell. Die Gemeinde selbst hatte sich mit 10.000 Euro an der Bürgergesellschaft beteiligt. Nach anfänglichem Widerstand von einigen Bürgern ist es ruhig geworden um die beiden Wind­räder. Sicherlich haben die wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen dazu beigetragen, Kritiker zu widerlegen.

Anders als im Westerholz liegen die beiden Lamerdinger Windräder nicht in einem Waldgebiet sondern auf dem flachen Land. Trotzdem können viele Daten aus der Windhöffigkeit übernommen werden, denn der angedachte Standort im Waldgebiet Westerholz liegt nur wenige Kilometer entfernt.

In Fuchstal sieht das anders aus. Dort wurden die vier Windkraftanlagen mitten im Wald im Sachsenrieder Forst aufgestellt. Viele Gemeinderäte zeigten sich erstaunt, wie wenig Platzbedarf ein Windrad benötigt. Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg erzählte seinen Besuchern, allein der letzte Sturm habe das Zehnfache an Bäumen „umgehauen“, die man für die Errichtung der Wind­räder gebraucht hätte.

Fuchstals umtriebiger Bürgermeister, bekannt dafür, dass er kein Blatt vor dem Mund nimmt, machte den Bürgermeistern und Gemeinderäten Mut, sich für die Energiewende einzusetzen. Natürlich muss man als Gemeinderat „einiges aushalten und ein dickes Fell haben“, betonte Karg. Er pflückte die Argumente der Windkraftgegner schonungslos auseinander.

Stimmung sei beispielsweise mit Fotos gemacht worden, wo das Fundament einer Anlage „ausgesehen habe wie die Münchner Allianz-Arena“. „Schauen sie selbst“, sagte Karg mit Blick auf die unberührte Schneefläche. „Seit 14 Tagen hat es nicht mehr geschneit. Hier müssten massenweise tote Vögel herumliegen, würde man den Argumenten der Windkraftgegner glauben“.

Trotz der Stimmungsmache gegen das Windkraftprojekt hätte sich in einem Bürgerentscheid eine Mehrheit von 52,7 Prozent der Fuchstaler Bürger für die Windkraftanlagen ausgesprochen. Karg erinnerte daran, dass damals eine sehr aufgeheizte Stimmung geherrscht habe, weil ursprünglich ein viel größerer Windpark zusammen mit Denklingen geplant gewesen sei. „Ich bin trotzdem als Bürgermeister wiedergewählt worden“, gab Karg seinen Amtskollegen mit auf den Weg. Er empfahl den Besuchern, falls sie eine Bürgerbefragung machen wollten, solle man den Termin mit den Bundestagswahlen koppeln. Dann gingen die Bürger sowieso zur Wahl.

Karg verschwieg auch nicht, dass man sich noch mit der Nachbargemeinde Kaltental im Clinch befinde. „Wir sind nicht mehr Freunde“, sagte der Rathauschef. In seinem Dorf dagegen sei es ruhig. „Wir haben überhaupt keine Probleme mehr“.

Nur zu gerne erinnert sich Erwin Karg an die behördlichen Verfahren und an die Einsprüche. So habe eine Feuerwehr aus dem Nachbarort gegen die Wind­räder mit dem Argument opponiert, „man könne nicht zum Löschen kommen, da man keine so langen Leitern habe“.

Kaufering will seine Bürger von Anfang an mit in die Planungen und Überlegungen einbeziehen. Zu dem Thema gibt es am Donnerstag, 9. Februar, eine Informationsveranstaltung um 19 Uhr in der Lechauhalle.

Siegfried Spörer

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