Entscheidung in Kauferinger Verkehrs-Debatte:

Kaufering flächendeckend Tempo-30-Zone

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Kauferings Marktgemeinderat hat sich nun endgültig für eine durchgängige Tempo-30-Zone ausgesprochen.

Kaufering – In der Marktgemeinde gilt zukünftig auf den Straßen in den bestehenden Tempo-30-Zonen weiter rechts vor links. Gleichzeitig sanktio­nierte der Marktgemeinderat nachträglich die bestehenden Zonen und beschloss eine weitere Tempo-30-Zone zwischen der Haidenbucherstraße und der Saalestraße. Damit ist Kaufering flächendeckend eine Tempo-30-Zone mit aus Ausnahme der Kreis- und Bundesstraßen.

Das Interesse an dem Thema war wieder einmal riesengroß. Wer als Besucher zur Sitzung zu spät kam, musste stehen. Kein Thema hat die Kauferinger in letzter Zeit derart emotionalisiert wie die Einführung der Tempo -30-Zone zwischen Bahnhofstraße und Haidenbucherstraße. Mehr als 2.000 Unterschriften wurden Rathauschef Erich Püttner (UBV) öffentlich überreicht. Die Bürger wehrten sich gegen die Rechts-vor-Links-Regelung auf einige größeren Straßen wie beispielsweise Iglinger Straße, Dr.-Gerbl-Straße, Otto-Straße oder Kolpingstraße.

Der Wunsch der Bürger und einiger Marktgemeinderäte war eine Tempo-30-Zone, in der es definierte Vorfahrtsstraßen gibt, also die Rechts-vor Links-Regelung aufgehoben ist. Das gibt aber die Straßenverkehrsordnung nicht her. Auf den Vorfahrtsstraßen müsste in diesen Fällen wieder Tempo 50 gelten. Das wollte aber in Kaufering niemand und führte letztlich dazu, dass sich das Thema zu einer, wie es Bürgermeister Püttner ausdrückte, Never ­Ending Story entwickelte und sogar die Rechtsaufsicht des Landkreises auf den Plan rief, da einige Straßen in Kaufering falsch beschildert waren.

Nachdem zwei Jahre lang in verschiedenen Marktgemeinderatssitzungen das Thema etliche Male diskutiert worden war und in der vorletzten Woche eine Klausurtagung samt Probeabstimmung durchgeführt worden war, hatten nun die Marktgemeinderäte noch einmal die Gelegenheit, ihre Meinung vor Publikum öffentlich in der Ratssitzung darzustellen.

Heftigster Verfechter eines Kauferinger Sonderweges war einmal mehr Manfred Nieß. Nieß sagte, jeder wolle Tempo 30 aber nicht rechts vor links. Als Beispiel führte Nieß die Iglinger Straße auf. Dort gelte seit mehr als 20 Jahren Tempo 30, obwohl die Straße immer eine Vorfahrtsstraße gewesen sei. Das war aber von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes moniert worden.

Die Kauferinger Mitte hatte wieder einmal einen eigenen Ergänzungsantrag. Fraktionssprecher Manfred Huber plädierte für die Herausnahme von Vorfahrtsstraßen aus derTempo-30-Zone. Der Antrag wurde mit 8:14 Stimmen abgelehnt.

Andreas Keller (GAL) sowie seine Parteikollegen Dr. Patrick ­Heißler und Gabriele Triebel betonten, die Anwohner hätten Anspruch auf Lebensqualität. Die Tempo-30-Zonen würden weniger Verkehr bedeuten. Außerdem würde langsamer gefahren. Das bedeute auch weniger Abgase und Schadstoffe. Eva ­Nitsche (Freie Wähler) plädierte ebenfalls für die Beibehaltung der Tempo-30-Zonen. „Es geht um die Lebensbedingungen in Kaufering“.

„Tempo 30 ist auch sicherer für Radfahrer“, sagte Gabriele Hunger (CSU). „Wir nehmen wahr, dass langsamer gefahren wird“. Das helfe, Verkehr aus dem Ort herauszukriegen, betonte Hunger. Thomas ­Salzberger (SPD) berichtete, er habe mit der Polizei gesprochen. Tempo 30 oder 50 sei nicht das Problem gewesen sondern die Rechts-vor-Links-Regelung auf bestimmten Straßen. Salzberger sprach sich dagegen für ein leistungsfähiges Vorfahrtsstraßennetz aus, das vorher nicht vorhanden gewesen sei. Er zitierte aus einer ADAC-Studie, wonach Tempo 30 ökologisch die ungünstigste Geschwindigkeit sei. Das rief prompt den Protest von ­Gabriele Triebel hervor. Der ADAC sei eine Lobby-Organisation der Autofahrer, sagte Triebel. „Wir wären dann die einzige Gemeinde in Deutschland, die den Verkehr schneller macht, wenn wir wieder Vorfahrtsstraßen mit Tempo 50 einführen“.

Für Bürgermeister Erich Püttner ist die Umsetzung der Tempo-30-Zonen ein großer Erfolg. Nach der Unterschriftenaktion gegen die Rechts-vor-Links-Regelung auf bestimmten Straßen in den Tempo-30-Zonen hatten sich immer mehr Anwohner aus der Iglinger Straße gemeldet, die mit der bisherigen Regelung zufrieden sind.

In der Abstimmung über eine Festlegung von Durchgangsstraßen gab es ein Patt von 11:11 Stimmen. Damit galt nach der Geschäftsordnung des Marktgemeinderates der Antrag als abgelehnt. Für die Einführung der Tempo-30-Zonen stimmten 17 Marktgemeinderäte zu, 5 waren dagegen.

Siegfried Spörer

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