Wohnraum für Schondorf:

Prix-Bebauungsplan wird "aufgeweicht"

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In fünf Baulose ist das Prix-Areal für Investoren aufgeteilt: Baulos 1 (rosa) für den Wohnblock „Aal“ entlang der Bahnlinie und Baulos 1A (rosa) für „Generationswohnen“, Baulos 2 (hellblau) und Baulos 2A (blau) für Reihenhäuser und Baulos 3 (gelb) für Reihenhäuser einer Baugemeinschaft.

Schondorf – Eine große Diskussion über das Wörtchen „klein“ stand im Mittelpunkt einer trotz Ferienpause eingeschobenen Gemeinderatssitzung in Schondorf. Fünf Ratsmitglieder und Bürgermeister Alexander Herrmann waren wegen Urlaub entschuldigt, so dass sein Stellvertreter Martin Wagner die „never ending story“ über das Prix-Gelände stemmen musste. Es ging um den derzeit laufenden Investorenwettbewerb, zu dem in der Gemeindeverwaltung diverse Fragen von Interessenten eingegangen waren.

Die wichtigste Frage galt es nun im Rat zu diskutieren: „Ist es trotz des vorliegenden Bebauungsplanentwurfs möglich, alternative Vorschläge zu unterbreiten und auch erfolgreich am Vergabeverfahren teilzunehmen?“ In Punkt 1 der Auslobungsunterlagen heißt es nämlich wörtlich: „Der Entwurf des Bebauungsplans kann in kleineren Details noch geändert werden“.

Was aber sind „kleine Veränderungen oder Abweichungen“, wenn am grundsätzlichen Bebauungsplanentwurf nicht gerüttelt werden darf? Das diskutierten leidenschaftlich Stefanie Windhausen-Grellmann (Grüne), Wolfgang Schraml (Freie Wähler), Kurt Bergmaier (Freie Wähler) und Wolfram Häberle (CSU). Man bedauerte, dass dadurch die Flexibilität eingeschränkt werde und eventuell hervorragende, aber abweichende Vorschläge, keine Chancen hätten.

Rainer Jünger (CSU) konterte, man habe ganz bewusst einen Bebauungsplan als Grundlage festgelegt, sonst hätte man ja gleich einen Architektenwettbewerb veranstalten können. Marlene Orban (SPD) sprach sich auch dagegen aus, den Bebauungsplanentwurf jetzt schon „aufzuweichen“. Wolfram Häberle befürchtete, dass alle Vorschläge durch die Einschränkungen ähnlich ausfallen werden und ein guter anderer Entwurf nicht zum Zuge komme.

Spannende Alternativen

Florian Gradl (Freie Wähler) plädierte für die Zulassung von „anderen spannenden Planungen“ und die Weiterentwicklung des Kriterienkatalogs. Er schlug vor, eine Entscheidung zu vertagen, bis der Gemeinderat nach der Urlaubspause wieder vollständig sei. Das lehnte Vizebürgermeister Martin Wagner kategorisch ab, da die Abgabefrist für den Investorenwettbewerb auf den 6. Oktober festgelegt sei.

Dafür präsentierte Wagner eine zusammen mit Rechtsanwalt Klaus Hoffmann erarbeitete Antwort auf die eingangs erwähnte Frage der möglichen Investoren: „Die Grundzüge der Planung liegen fest. Solange sich die Bebauungsvorschläge an die grundsätzliche Festlegung des Bebauungsplanentwurfs halten (insbesondere Festsetzung zum Maß der baulichen Nutzung, der maximal möglichen Wohneinheiten, der Geschossigkeit, der Dachneigung und des Schallschutzes), werden sie gleichberechtigt in die Auswertung aufgenommen. Sollte sich der Gemeinderat für einen dieser Bebauungsvorschläge entscheiden, kann der Bebauungsplan in kleineren Details angepasst werden.“

Dem widersprach Gemeinderat Bergmaier und erinnerte an die kürzliche Veranstaltung der Architektenvereinigung „Wessobrunner Kreis“, wo Schwachstellen im Bebauungsplanentwurf festgestellt worden seien (der KREISBOTE berichtete exklusiv). Bergmaier beantragte, bei der juristischen Antwort die Formulierung „in kleinen Details“ zu streichen. Mit 7:4 Stimmen sprachen sich die Gemeinderäte dafür aus. Mit dem nunmehr offiziell abgesegneten Satzende „… kann der Bebauungsplan angepasst werden“ waren denn auch die im Publikum anwesenden Investoren und Architekten zufrieden. Vizebürgermeister Wagner betonte noch, dass bei der Sichtung der eingehenden Angebote Fachleute zu Rate gezogen werden, letztendlich aber der Gemeinderat entscheiden werde.

Für Normalverdiener

Wie berichtet, sollen auf dem knapp 18.000 Quadratmeter großen ehemaligen Industrieareal westlich der Staatsstraße 2055 und der Bahntrasse sowie östlich der Schulstraße Wohnungen und Häuser für rund 275 Menschen entstehen. Wobei 30 Prozent der entstehenden Wohnfläche zu Sonderkonditionen an Bürger mit normalem bis mittleren Einkommen angeboten werden müssen.

Ein oder mehrere Investoren können die Baulose erwerben und nach dem Bebauungsplan­entwurf bebauen. Auf Baulos 1 entsteht der als „Aal“ benannte Wohnblock entlang der Bahnlinie mit 30 Prozent geförderten Wohnungsbau, ebenso wie im Baulos 1A mit dem Projekt „Generationswohnen“. Auf den Baulosen 2 und 2A sind gesamt 16 Reihenhäuser geplant mit Förderung der Mittelhäuser. Baulos 3 mit vier Reihenhäusern wird an eine Baugemeinschaft vergeben.

Dieter Roettig

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